Schulbeginn in Bayern:Piazolo setzt auf "Sicherheitsnetz"

Schulbeginn in Bayern: Es werde zwar kein normales Schuljahr, sagt Michael Piazolo. Aber das Sicherheitsnetz sei "sehr dicht geflochten".

Es werde zwar kein normales Schuljahr, sagt Michael Piazolo. Aber das Sicherheitsnetz sei "sehr dicht geflochten".

(Foto: Claus Schunk)

Im kommenden Schuljahr soll der Präsenzunterricht mit regelmäßigen Tests, Masken und Luftfiltern funktionieren. Hinzu kommen lockerere Quarantäne-Regeln, die auch für Lehrer und Erzieher gelten.

Von Viktoria Spinrad

Für 1,64 Millionen Schülerinnen und Schüler beginnt am Dienstag die Schule. Nach eineinhalb chaotischen Corona-Jahren schauen dem viele mit gemischten Gefühlen entgegen. Groß ist die Sorge, dass es früher oder später doch wieder zurück ins Homeschooling geht. Ein bisschen Optimismus verbreitete am Donnerstag Schulminister Michael Piazolo (FW). Es werde zwar kein normales Schuljahr, sagte er. Aber das Sicherheitsnetz sei "sehr dicht geflochten".

Zum ersten Mal, seit das Virus den Schulalltag bestimmt, ist der Präsenzunterricht von der Inzidenzzahl entkoppelt. Mancher Kritiker monierte eine "Durchseuchungsstrategie" mit offenem Ausgang - wobei das Kultusministerium stets bemüht ist zu betonen, dass es darum eben nicht gehe.

Mithilfe der - zumindest teilweise angeschafften - Luftfilter, mit regelmäßigem Lüften, einer Maskenpflicht in den ersten Wochen und regelmäßigen Tests sollen die Kinder möglichst sicher lernen können. Eine Teilnahme am Präsenzunterricht sei nach wie vor nur mit negativem Testnachweis möglich, weshalb die Tests an den Schulen ausgeweitet werden sollen, betonte Piazolo. An den Grund- und Förderschulen wird für die Pooltests eine komplexe Logistik auf die Beine gestellt. Für die sogenannten Lollitests lutscht jedes Kind an zwei Tupfern. Zunächst werden im Labor die Proben von allen gesammelt - also als Pool - untersucht. Findet sich ein Hinweis auf eine Infektion in der Klasse, werden die zweiten Proben der Kinder einzeln analysiert, um die Betroffenen zu finden.

An allen weiterführenden Schulen soll weiterhin drei Mal pro Woche ein Selbsttest durchgeführt werden. Vollständig Geimpfte oder Genesene müssen nicht getestet werden. In Quarantäne sollen dann nur noch die Infizierten und direkten Kontaktpersonen müssen. Diese können die Quarantäne nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden, wenn sie symptomfrei sind - genau wie Lehrer und Erzieher.

Wobei offen ist, ob es am Ende nicht doch unterschiedliche Lösungen gibt. Wie in Nordrhein-Westfalen, wo die Gesundheitsämter doch ganze Klassen in Quarantäne schickten. Die Entscheidungen müssten "mit Augenmaß und Sachverstand" getroffen werden, sagte Piazolo am Donnerstag und frohlockte mit einer schulfreundlichen Herangehensweise der Behörden: "Es wird immer einen bestimmten Spielraum geben."

Kritisch äußerte sich am Donnerstag die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände. Es fehle ein klares Gesundheitskonzept, monierten die Lehrer und forderten ebenso wie die Landtags-Grünen einen verpflichtenden PCR-Test vor dem Schulbeginn. Der ist bislang nicht vorgesehen, Piazolo beließ es bei einem Appell. Er mahnte: Eltern, die Tests ablehnen, "entziehen ihren Kindern eine wichtige Chance." Groß ist die Sorge, dass Reiserückkehrer das Virus in die Schulen bringen. Offen ist auch, was mit denen geschieht, die früher oder später zuhause in Quarantäne sitzen: Denn auf hybriden Unterricht ist man trotz der digitalen Aufholjagd seit Corona vielerorts noch nicht eingestellt.

Das neue Schuljahr läutet auch die dritte und letzte Phase des "Brücken Bauen"-Programms der Staatsregierung ein, das Lernlücken stopfen und zurückgelassene Kinder wieder auffangen soll. Dazu sollen vom kommenden Schuljahr an Schüler am Vormittag individuell gefördert und am Nachmittag in Brückenkurse gesteckt werden. "Wir wollen Lernrückstände abbauen", sagte Piazolo - warnte aber gleichzeitig vor einer Notenjagd. Die wegen Corona gesetzten Schwerpunkte im Lehrplan würden noch "nachgeschärft".

Vielen Lehrern dürfte das entgegenkommen. Denn bisher sind die Empfehlungen eher schwammig gehalten. Ohnehin werden viele von ihnen erst einmal die Schulbücher aus dem vergangenen Jahr aufschlagen, um die Kinder und Jugendlichen abzuholen.

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