Schulstart in Bayern:Keine Skikurse, keine Klassenfahrten - aber Präsenzunterricht

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Schulen und Kitas öffnen nach den Weihnachtsferien wieder

Die Schulen haben nach den Weihnachtsferien wieder geöffnet.

(Foto: dpa)

Das neue Jahr beginnt in den Klassenzimmern vorsichtig optimistisch: Schülerinnen und Schüler kehren zurück und alles funktioniert besser, als zunächst befürchtet. Nun wird spannend, wie lange das so bleibt.

Von Viktoria Spinrad

Ein bisschen erleichtert sei er schon, sagt Walter Baier. Nur zwei positive Tests und zehn Schüler, die in Quarantäne sind, berichtet der Schulleiter am Gymnasium Bruckmühl (Landkreis Rosenheim). Der Rest seiner 750-köpfigen Schülerschaft konnte am Montagmorgen wieder im Klassenzimmer sitzen, die Freunde treffen und den Lehrern lauschen. "So soll es sein", sagt Baier.

Ein unaufgeregter Schulbeginn nach den Weihnachtsferien, das hatten sich alle gewünscht. Umso mehr, da die Verunsicherung unter den Eltern und Lehrern zuletzt groß war. Würden die Schulen wirklich öffnen? Wenn ja: wie? Würden am Ende haufenweise Urlaubsrückkehrer aus Hochrisikogebieten wie Italien in Omikron-Quarantäne stecken? Am Montag zerstreuten sich viele Befürchtungen.

Wohl auch, weil viele Eltern der Bitte des Kultusministeriums gefolgt waren, noch vor dem Schulbeginn einen Test zu machen und ihr Kind bei einem positiven Ergebnis gleich zuhause ließen. Überhaupt wird in den nächsten Wochen wieder mehr Zeit fürs Testen draufgehen. Denn auch die 56 Prozent geimpften Zwölf- bis 17-Jährigen und die genesenen Schüler müssen sich nun wieder testen. "Denn auch geimpfte oder genesene Personen können im Fall einer Infektion (auch wenn sie selbst keine Symptome zeigen) andere anstecken", heißt es in einem Schreiben des Kultusministeriums vom vergangenen Mittwoch.

Es ist ein Vorbote dafür, dass Schule im Jahr 2022 selbst im Präsenzmodus alles andere als normal wird. Lehrermangel, Lernlücken, Quarantänezeiten, gecancelte Klassenfahrten - all das bereitet den Schulleitungen Sorgen. Eigentlich sollten die siebten Klassen an Baiers Gymnasium im Frühjahr ins Skilager fahren, doch daraus wird heuer wieder nichts. Ebensowenig aus dem Schullandheim im Frühjahr und dem Schulaustausch mit Belgien - bis Ostern hat das Kultusministerium Klassenfahrten untersagt. "Da fehlt etwas, das früher den Zusammenhalt gestärkt hat", sagt er.

"Wir brauchen eine klare Ansage"

Wie ihn treibt viele Schulleiter die Frage um, was nun aus den Quarantänezeiten wird. Stand jetzt muss bei einem Omikron-Verdacht immer noch die ganze Klasse für zwei Wochen in Quarantäne. Zwar hat die Bund-Länder-Runde in der vergangenen Woche Pläne für verkürzte Zeiten geschmiedet, diese sind aber noch nicht durch die politischen Instanzen. "Da brauchen wir jetzt eine klare Ansage", sagt Michael Hoderlein, der Schulleiter der Münchner Berg-am-Laim-Grundschule. Derzeit gebe es viel Unsicherheit, wie bei einem positiven Pooltest weiter verfahren werden soll.

Getestete Schüler, positive Tests, Quarantänezeiten, verbliebene Testkapazitäten - wie alle Schulleiter in Bayern muss Hoderlein regelmäßig Inventur im eigenen Haus machen und Zahlen ans Kultusministerium übermitteln. Wie so viele ist er darüber nur mäßig glücklich. "Wir verwalten uns teils in die Handlungsunfähigkeit", sagt er. Dabei sei in dieser Zeit viel wichtiger, sich auf der persönlichen Ebene mit den Schülern auseinanderzusetzen. "Die Kinder brauchen jetzt Zuwendung und Kontinuität", sagt er.

Ein Satz, den Walter Baier sogleich unterschreiben würde. Um die Lerndefizite aus den vergangenen beiden Jahren auszugleichen, hat er die Leistungserhebungen an seiner Schule angepasst. "Sonst wäre es unfair", sagt er. So setzt er den Appell des Kultusministers um, hierbei Fingerspitzengefühl zu wahren. Besonders frappierend seien die Defizite in den modernen Sprachen und den Naturwissenschaften, sagt er. Die Kinder hätten auch viel wieder vergessen, was sie schon konnten.

Schule als Ort der Begegnung

So kämpfe man an zwei Fronten. Wobei die Frage ist, inwiefern man diesen Kampf überhaupt gewinnen kann. Baier ist da Realist. "Wir können auf keinen Fall aufholen, was die letzten eineinhalb Jahre versäumt wurde. Die Lücken sind einfach zu groß", sagt er. Als Bankrotterklärung will er das nicht verstanden wissen. Vielmehr als Appell, Schule nicht nur als Lernstätte zu verstehen, sondern auch als Ort der Begegnung.

Sollte das Gesundheitsamt diesen entgegen aller politischen Bestrebungen zwischendurch doch zusperren, will man in Bruckmühl auf Unterricht per Microsoft Teams zurückgreifen. Zwar hat der Freistaat mit Visavid eine alternative Lernplattform aufziehen lassen, die besseren Datenschutz bieten soll. Für viele überwiegen angesichts der besseren Kollaborationsmöglichkeiten derzeit aber noch die Vorteile von Teams. So auch für Hans Lohmüller. "An Teams kommt nichts ran", schildert der Schulleiter des Sonderpädagogischen Förderzentrums Landshut und Landesvorsitzender des Verbands der Sonderpädagogen. Wie Baier hat sein Sachaufwandsträger die Lizenz besorgt - die des Kultusministeriums ist mittlerweile ausgelaufen.

Trotzdem wünschen sich freilich alle, dass Distanzunterricht nicht nötig sein wird. Und dass vielleicht sogar ein bisschen mehr gehen wird als reiner Unterricht. Während Hoderlein in München hofft, dass seine Schützlinge zumindest im Frühsommer wieder ins Schullandheim fahren dürfen, hofft Baier für seine Bruckmühler Schüler auf das ein oder andere Konzert, ja, vielleicht sogar auf ein Sommerfest. "Daran erinnern sich die Schüler, wenn sie aus der Schule raus sind", sagt er.

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