Blattmacher 2020/2021:"Früher hat man sich über einen Tag schulfrei gefreut"

Distanzunterricht

Bayerns Schülerinnen und Schüler lernen seit mehr als einerm Jahr unter Pandemie-Bedingungen (Symbolbild).

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Die Schulausbildung ist seit Frühjahr 2020 von der Pandemie geprägt. Für die Redaktionen der Schülerzeitungen bedeutet das Stress - aber auch die Chance für Neues.

Protokolle von Maximilian Gerl und Sarah Höger

Masken in der Schule, Distanz-, Wechsel- und Präsenzunterricht, längere Weihnachts-, ausgefallene Faschingsferien: Seit Frühjahr 2020 lernen Bayerns Schülerinnen und Schüler unter ungewohnten Pandemie-Bedingungen. An diesem Donnerstag geht das zweite Corona-Schuljahr zu Ende. Die SZ hat darum junge Journalistinnen und Journalisten gefragt, wie sie diese seltsame Zeit erlebt haben - und was sie sich fürs neue Schuljahr im September wünschen. Ihre Schülerzeitungen wurden beim vergangenen Blattmacher-Wettbewerb, dem großen Schülerzeitungswettbewerb von SZ und bayerischem Kultusministerium, als preiswürdig ausgezeichnet.

Adrian Eisel, 17 Jahre, Chefredakteur HFGwaaf! (Hochfranken-Gymnasium Naila, 2. Platz Online):

Blattmacher 2020/2021: Der 17-jährige Adrian Eisel ist Chefredakteur von HFGwaaf!. Mit der Online-Zeitung des Hochfranken-Gymnasiums Naila hat die Redaktion den zweiten Platz belegt.

Der 17-jährige Adrian Eisel ist Chefredakteur von HFGwaaf!. Mit der Online-Zeitung des Hochfranken-Gymnasiums Naila hat die Redaktion den zweiten Platz belegt.

(Foto: Privat)

"Ohne Corona säße ich gar nicht hier: Unsere Online-Schülerzeitung ist ein Produkt der Pandemie. Zuvor haben wir alle sechs Monate eine gedruckte Zeitung veröffentlicht, aber im ersten Homeschooling - im Frühjahr 2020 - hat man andere Sorgen. Seit etwa einem Jahr arbeiten wir daher nur noch online - und wir haben es tatsächlich geschafft, jede Woche einen Artikel zu veröffentlichen, oft sogar zwei bis drei. Das hat mich selbst überrascht, macht mich aber auch stolz. Ein paar von uns machen sogar einen Podcast, den hätten wir ohne Corona vermutlich so auch nie realisiert.

Wir berichten über das, was uns interessiert und betrifft, die Krise ist natürlich ein Thema. Wir haben zum Beispiel ein Corona-Tagebuch geführt und recherchiert, wie unterschiedlich der Distanzunterricht die verschiedenen Jahrgangsstufen trifft: Die Jüngeren haben vor allem ihre Freunde vermisst, bei den Älteren war die Sorge groß, im Lernstoff zurückzubleiben. Die wechselnden Corona-Vorgaben haben zusätzlich verwirrt. Unsere Lehrer haben sich zwar immer um uns gekümmert, aber in der Öffentlichkeit hatten wir nicht das Gefühl, dass wir Schüler gefragt würden, wie wir mit der Situation zurechtkommen. Unsere Zeitung war daher auch Sprachrohr: um unsere Meinung nach außen zu tragen."

Echo-Redaktion (Gymnasium Wertingen, 3. Platz Gymnasien):

Blattmacher 2020/2021: Die Echo-Redaktion (Gymnasium Wertingen) trifft sich wegen Corona fast nur noch virtuell. Die Redaktion belegte beim vergangenen Blattmacher-Wettbewerb den dritten Platz in der Kategorie Gymnasien. Screenshot: Echo

Die Echo-Redaktion (Gymnasium Wertingen) trifft sich wegen Corona fast nur noch virtuell. Die Redaktion belegte beim vergangenen Blattmacher-Wettbewerb den dritten Platz in der Kategorie Gymnasien. Screenshot: Echo

"Unsere Redaktion hat 32 Mitglieder. Was uns in den letzten Monaten vor allem aufgefallen ist: wie viel schwieriger die Redaktionsarbeit geworden ist. Präsenztreffen gab es fast keine. Und alle per Video einzubeziehen, ist wie im Distanzunterricht herausfordernd. Wir haben uns immer am Freitagnachmittag virtuell getroffen, um unsere Artikelideen, Texte und Layouts zu besprechen - und um danach über Gott und die Welt zu reden. Auch für unsere Betreuungslehrer war das ein schöner Wochenausklang.

Unsere Schülerzeitung verkaufen wir erst zum Start des neuen Schuljahrs, wenn hoffentlich wieder ruhigere Zeiten eingekehrt sind und alle wieder gleichzeitig Pause haben. Bei den Themen ist uns durch Corona ein großer Block weggebrochen: Eigentlich hätte unsere Schule ihr 50. Jubiläum gefeiert, aber es sind fast alle Veranstaltungen ausgefallen, über die wir hätten berichten können. Am meisten vermissen wir allerdings unsere Echo-Fahrt: Wir unternehmen sonst jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit gemeinsam eine Städtereise, machen coole Aktionen, diskutieren. Dieses Miteinander fehlt. Das Schuljahr selbst war gerade zu Beginn stressig; ständig gab es neue Regelungen. Wir sind froh, wenn es vorbei ist. Früher hat man sich über einen Tag schulfrei gefreut. Wie schön es in der Schule sein kann, weiß man jetzt viel mehr zu schätzen. Fürs neue Schuljahr wünschen wir uns mehr Beständigkeit. Das Leben braucht Stabilität, ob in der Schule oder außerhalb.

Leonie Hauck, 22, Chefredakteurin Eigenleben (Klara-Oppenheimer-Schule Würzburg, 2. Platz berufliche Schulen):

Blattmacher 2020/2021: Leonie Hauck, 22, ist die Chefredakteurin von Eigenleben. Bei den beruflichen Schulen kam die Redaktion der Klara-Oppenheimer-Schule Würzburg auf den zweiten Platz.

Leonie Hauck, 22, ist die Chefredakteurin von Eigenleben. Bei den beruflichen Schulen kam die Redaktion der Klara-Oppenheimer-Schule Würzburg auf den zweiten Platz.

(Foto: Privat)

"Wir hatten Glück: Kurz bevor der Lockdown im Frühjahr 2020 kam, durften wir noch zum Schülerzeitungsseminar ins Kloster Banz. Dann kam Corona. Von da an lief alles nur noch über Whatsapp, E-Mail und Videokonferenzen. Im Home-Office lief alles etwas schleppend. Als man sich endlich wieder treffen konnte, war die gemeinsame Arbeit viel einfacher: Anstatt Mails hin und her zu schicken, konnte man sofort besprechen, was verbessert werden könnte. Die persönliche Begegnung hat uns sehr gefehlt, über die Entfernung ist viel Kreativität verloren gegangen.

Corona war ein leidiges Thema, keiner wollte mehr davon hören. Uns war deshalb wichtig, bewusst Themen ohne Bezug zur Pandemie zu bringen. Also haben wir über das Azubi-Leben geschrieben oder über unsere Stadt Würzburg. Wir konnten sogar die gesamte Zeitschrift durch Anzeigen finanzieren, obwohl die Unternehmen anfangs noch zögerlich waren wegen Corona. Ende Oktober durften wir unsere Schülerzeitung dann endlich an unsere Mitschüler verteilen - ein tolles Gefühl.

Für mein Berufsleben nehme ich mit, dass man selbst ein großes Projekt mit Teamwork und Kreativität aus dem Home-Office meistern kann. Unsere Ausbildung können wir zum Glück alle ganz normal beenden. Für den Herbst bin ich optimistisch, dass kein neuer Lockdown kommt, da wir mit den Impfungen ja schon sehr weit sind. In unserer Schule kann man sich jetzt auch impfen lassen - während der Unterrichtszeit."

Wettbewerb

Bereits zum 16. Mal laden die "Süddeutsche Zeitung" und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus die Redaktionen der bayerischen Schülerzeitungen ein, am Blattmacher-Wettbewerb 2020/2021 teilzunehmen. Die drei besten Print-Redaktionen pro Schulart bekommen zwischen 200 und 500 Euro Preisgeld von der Nemetschek-Stiftung; auch die besten Online-Schülerzeitungen erhalten Geldpreise. Teilnehmen dürfen Redaktionen aus Grund-, Mittel-, Real- und Förderschulen, aus Gymnasien und beruflichen Schulen. Die Sieger jeder Kategorie zählen zum "Club der Besten" und bekommen ein spezielles Belohnungsprogramm von Nemetschek-Stiftung und SZ. Wie diese Belohnung aussieht, wird erst bei der Siegerehrung verraten. Die Preisverleihung wird voraussichtlich Ende November oder Anfang Dezember stattfinden.

Die Schülerzeitung muss zwischen November 2020 und 15. Oktober 2021 erschienen sein. Einsendeschluss ist Freitag, 15. Oktober 2021 (Poststempel). Einzusenden sind sechs gedruckte Exemplare einer Ausgabe und - das ist neu - die Anmeldung findet online statt. Diese und weitere Infos unter sz.de/blattmacher.

© SZ vom 29.07.2021/syn
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