Oh, ausgedienter TannenbaumWarum der abgeschmückte Christbaum nicht aus dem Fenster fliegen sollte

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Auf der Straße landen die ausgedienten Bäume vor allem in der Stadt.
Auf der Straße landen die ausgedienten Bäume vor allem in der Stadt. K.M. Krause/Imago

An Maria Lichtmess endet die Weihnachtszeit, heuer sogar mit Schnee. Da kommt zumindest bei der Entsorgung des Christbaums weihnachtliche Stimmung auf – manchmal wird es auch gefährlich.

Kolumne von Katja Auer

Jetzt ist der Winter also doch noch nach Bayern gekommen, was zu der Jahreszeit per se nicht ungewöhnlich ist, angesichts der realen und gefühlten Auswirkungen des Klimawandels aber eben doch. Früher, erzählten die Großeltern, seien sie an Weihnachten mit den alten Holzskiern den Hügel hinter dem Haus heruntergerutscht. Früher, erzählten die Eltern, seien sie an Weihnachten mit den Schlittschuhen auf dem zugefrorenen Löschweiher gelaufen.

Heuer, nein, es ist ja schon wieder ein neues heuer, also im vergangenen Jahr, musste man an Weihnachten mindestens einen mittelhohen Berg zum Skifahren erklimmen und die Gewässer eigneten sich keinesfalls zum Eislaufen, allenfalls zum Eisbaden. Aber das ist ohnehin im Trend.

Am Montag nun ist Maria Lichtmess, das traditionell das Ende der Weihnachtszeit markiert. Wer seinen Baum also schon nicht im Schnee schlagen (oder wenigstens bei einem dick vermummten Händler am verschneiten Stand kaufen) konnte, der kann ihn jetzt wenigstens zum Abholen in den Schnee vor dem Haus werfen.

Aufpassen freilich, das Werfen im Wortsinne birgt Gefahren. Eine ältere Dame in Mainaschaff wollte ihren Christbaum schon kurz nach Dreikönig entsorgen und warf ihn kurzerhand vom Balkon im sechsten Stock. Unten allerdings fiel er nicht auf eine weiche Schneedecke, sondern traf die 88-jährige Nachbarin, die sich gerade auf der – schneefreien – Grünfläche vor dem Haus aufhielt. Sie brach sich dabei den Arm.

Auf der Straße landen die ausgedienten Bäume vor allem in der Stadt, in der sie nun erst mal liegen bleiben, in einigen fränkischen Gegenden zumindest, weil die Müllabfuhr wegen der Wetterverhältnisse pausiert. Auf dem Dorf findet sich oft noch eine andere Verwendung. Mit den Zweigen lassen sich die Gartenbeete abdecken, der Stamm wird zur Rankhilfe für Rosen oder anderes Klettergewächs, sonst halt Feuerholz für den Kamin.

Ein oberes Stück vom Stamm lässt sich entrindet und mit entsprechend gekürzten Ästen zu einem Quirl umarbeiten, einem ebenso anarchischen wie praktischen Rührgerät. Erstaunlich ist, dass es das noch nicht in jenen Läden zu kaufen gibt, die sich auf Städter mit Geld und Landleben-Sehnsucht spezialisiert haben, welche beides aber lieber in ihrer Münchner Altbauwohnung belassen. Preisvorschlag: 34,90 Euro, mit Zertifikat, handgeschnitzt im Bayerischen Wald.

Bestätigen würde das nur, was die Großhauser Mina in ihrem Dorf in der Oberpfalz immer schon wusste: Dass nämlich erstens nichts über ein ordentliches handgefertigtes Küchengerät geht. Und dass zweitens diese Stodererer (Stadtmenschen) wahrhaft zu bedauern sind. In vielerlei Hinsicht.

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