Tiere in Bayern:Der Krähe letzter Krächzer

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Tiere in Bayern: Saatkrähen gelten als schlau, sind aber vielerorts nicht besonders beliebt.

Saatkrähen gelten als schlau, sind aber vielerorts nicht besonders beliebt.

(Foto: Wilfried Martin/imago)

Die einst fast ausgerotteten Vögel nerven immer mehr Städter mit ihrem Lärm und manche Bauern mit Schäden am Feld. Die Freien Wähler laden schon mal durch.

Glosse von Matthias Köpf, Rosenheim

Rabenvögel gelten als äußerst intelligent. Saatkrähen etwa sind Studien zufolge einfallsreich und sprachbegabt, benutzen Werkzeuge, können sich menschliche Gesichter merken und planen voraus. In diesen Dingen unterscheiden sie sich also allenfalls graduell von, nur zum Beispiel, den Freien Wählern. Die sind natürlich mindestens so auf Zack. Im bayerischen Landtag etwa haben sie sich gerade wieder was einfallen lassen, einen Antrag formuliert und sich auf ihre üblichen Verbündeten besonnen. Was den künftigen Werkzeuggebrauch betrifft, ist ihr Plan zwar wieder ein bisschen schlicht, aber Schusswaffen sind halt zur Hand, und sonst scheint ja nichts zu helfen.

Die geschützte Saatkrähe solle in Deutschland zur jagdbaren Art erklärt werden und leichter geschossen werden dürfen. So hat es der Umweltausschuss also mit Mehrheit beschlossen, Bayern soll das nun über den Bundesrat voranbringen. In dem sind die Krähen trotz Sprachbegabung aber auch nicht stimmberechtigt. Apropos: Die Tiere zählen zwar zu den Singvögeln, aber ihr dauerndes Gekrächze geht immer mehr Menschen auf die Nerven. Denn die Krähen werden auch selber immer mehr und gründen ihre Kolonien besonders gerne dort, wo viele Menschen wohnen.

In den Fünfzigern, als sie - es geht doch! - eifrig geschossen wurden, soll es nur noch wenige hundert Brutpaare gegeben haben. 1977 wurden sie unter Schutz gestellt. Mittlerweile gibt es laut dem Landesamt für Umwelt (LfU) wieder mehr als 14000 Brutpaare, vor allem in Schwaben und im westlichen Oberbayern. Leere, von allem Unwirtschaftlichen befreite Agrarlandschaften treiben sie zum Nisten und Krächzen in die Siedlungen, wo es immer was zu essen gibt. Nahrung frisch vom Feld verschmähen sie trotzdem nicht. Bayerns Bauern haben dem LfU 2021 Schäden im Gesamtwert von 107235 Euro gemeldet. Das wäre ungefähr ein Euro pro Betrieb, doch die Schäden sind so ungleich verteilt wie die Krähen.

Wirksam vertreiben lassen sich Krähen aber kaum, weder durch abgerichtete Raubvögel noch durch Automaten, die ihre Warnrufe imitieren oder Knallgeräusche abgeben. Dafür sind sie einfach zu schlau. Jetzt soll es also richtig krachen. Sollten sich die Freien Wähler irgendwann durchsetzen, werden also einige Krähen an ihrer eigenen Schlauheit zugrunde gehen. Und so weit müssen es die Freien Wähler erst einmal bringen.

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