Bei einer Umfrage auf Bayerns Straßen, wer oder was Yttrium sei, wären fragende Blicke gewiss. Ytt-wer? Dabei gehört das Element zu den Seltenen Erden, ohne die hierzulande immer weniger läuft, sei es in Form von Batterien, Brennstoffzellen oder Bildschirmen. Und: Yttrium zählt laut einer aktuellen Studie zur "roten Gruppe" jener heiß begehrten Rohstoffe, die Bayerns Wirtschaft braucht - die aber heute schon Mangelware sind oder es bald werden könnten.
Die Studie wurde im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft von der Beratungsagentur IW Consult erstellt. Sie wirft ein Licht auf das, was Firmen seit Monaten unter dem Oberbegriff "Rohstoffmangel" umtreibt, weil es ihnen mal an Halbleitern oder Holz, mal an Kunststoffen oder Metallen fehlt. Und sie legt nahe, dass dieses Phänomen das Potenzial hat, auch in den kommenden Jahren vielerorts die Produktion durcheinander zu wirbeln. Ganz ohne Corona-bedingte Lieferschwierigkeiten übrigens, dafür sorgt schon die Ausgangslage. Viele Rohstoffe sind endlich und werden nicht in Bayern gefördert, sondern in politisch instabilen Regionen oder in Staaten, die "zur strategischen Instrumentalisierung der Rohstoffe" neigen, wie es in der Studie heißt; die also zur Durchsetzung ihrer Interessen bereit sind, der Welt den Material-Hahn zuzudrehen.
Das Thema Rohstoffsicherung dürfte für den Freistaat wichtiger werden
Das Thema Rohstoffsicherung dürfte damit für den Freistaat künftig wichtiger werden. Nicht nur vermeintliche Exoten finden sich auf der roten Liste. Die Studie sieht auch bei gängigeren Elemente wie Platin (benötigt für Katalysatoren), Lithium (Batterien), Magnesium (Flug- und Fahrzeugbau), Chrom (Edelstahl) oder Zinn (Elektronik) hohe Versorgungsrisiken für Bayerns Firmen. Kupfer, Nickel und Aluminium werden als orange eingestuft, auch weil viele Länder diese anbieten. Das verringert Abhängigkeiten. Als grün und risikoarm gelten Quarzsand, Zement und Steinsalz.

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Was daraus folgt, beleuchten die Autoren exemplarisch an den Bereichen E-Mobilität und Wasserstoff. Auf beides setzen Wirtschaft wie Politik große Hoffnungen. So wird der Autobau angesichts von mehr und mehr E-Autos auf den Straßen wohl unter anderem mehr und mehr Kobalt und Nickel benötigen. Die Wiederverwertung alter Batterien werde deshalb immer wichtiger, "um den Rohstoffbedarf zu decken", heißt es in der Studie. Unternehmen wird empfohlen, im Verbund mit Forschungseinrichtungen und anderen Firmen neue Recyclingmethoden zu entwickeln - und dem Staat, solche Bemühungen zu fördern.
Die Lage beim Wasserstoff wird als herausfordernd beschrieben
Als herausfordernd wird auch die Lage beim Wasserstoff beschrieben, mit dessen Hilfe sich die Industrie dekarbonisieren will. Das Element kommt zwar natürlich vor, aber nicht in der benötigten Masse, muss also erst erzeugt werden. Rund um diese Elektrolyse finden laut Studie häufig Elemente wie Nickel, Kupfer und Chrom Verwendung; dazu auch Iridium oder besagtes Yttrium. Zwar könne man womöglich Ressourcenengpässe vermeiden, indem man unterschiedliche Elektrolysetechnologien nutze. Insgesamt aber könnten die kritischen Rohstoffe den angestrebten Ausbau an Elektrolyse-Anlagen "empfindlich limitieren".
Als Alternative erscheint es da, den Wasserstoff gleich woanders einzukaufen: in Ländern, die sich mit seiner Herstellung leichter tun. Schließlich legen andere Studien nahe, dass die Nachfrage nach ihm hierzulande auf Dauer das verfügbare Angebot übersteigen wird. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) hat darum wiederholt Wasserstoffimporte aus anderen Ländern ins Spiel gebracht, so auch vergangenen Donnerstag beim Antrittsbesuch des neuen US-Generalkonsuls in München. Gemäß Ministeriumsmitteilung vereinbarten beide Seiten "Kooperationen". Denkbar sei "die Bildung eines Gesprächskreises", um "Zukunftsstrategien für die Wasserstoffwirtschaft in beiden Ländern" zu erarbeiten. Sätze, die ungewollt eine Botschaft der Studie unterstreichen: So sehr sich der Freistaat um Ressourcensicherung müht, wird er am Ende doch auch vom Willen anderer abhängen.

