Politik:Neuer Höchststand: 5406 identifizierte "Reichsbürger" in Bayern

Lesezeit: 1 min

Die "Reichsbürger"-Bewegung zweifelt die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland an und erkennt deren Gesetze und Institutionen nicht an. (Foto: Patrick Seeger/dpa)

Das bedeutet einen Anstieg von 38 Prozent in den vergangenen vier Jahren. Und viele sind nach Einschätzung der Behörden gewaltbereit.

Die Zahl der identifizierten "Reichsbürger" in Bayern hat einen neuen Höchststand erreicht. Zum 31. Dezember 2023 wurden 5406 Personen als Mitglieder der Szene gezählt, was einen Anstieg von 38 Prozent in den vergangenen vier Jahren bedeutet. Auch drei Polizeibeamte und acht weitere Staatsbeamte zählen zur Szene. Diese Zahlen gehen aus der Antwort der Staatsregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Corona-Pandemie, während der zahlreiche Verschwörungstheorien aufgekommen waren, habe die Entwicklung beschleunigt. Besonders alarmierend sei die steigende Gewaltbereitschaft innerhalb der "Reichsbürger"-Szene. "Nicht wenige teilen rechtsextremes und antisemitisches Gedankengut, horten Waffen und sind gewaltbereit", sagte der Grünen-Politiker Cemal Bozoğlu.

Laut der Antwort auf die Anfrage gelten 530 der 5406 identifizierten "Reichsbürger" als gewaltbereit. 24 als "Reichsbürger" identifizierte Personen hatten zum Stichtag 31.12.2023 eine Waffenerlaubnis, sie waren im Besitz von 76 Schusswaffen. Bei 39 "Reichsbürgern" widerriefen die Behörden im vergangenen Jahr die Waffenerlaubnis und stellten 93 Schusswaffen sicher.

Im Jahr 2022 verübten den Angaben zufolge "Reichsbürger" fast 800 Straf- und Gewalttaten in Bayern, von denen mehr als die Hälfte gegen Politiker gerichtet war. Diese Angriffe umfassen nicht nur verbale Drohungen und Einschüchterungsversuche, sondern auch physische Gewaltakte.

"Bayern ist inzwischen eine Hochburg dieser Szene"

Die "Reichsbürger"-Bewegung zweifelt die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland an und erkennt deren Gesetze und Institutionen nicht an. "Es muss uns eine Mahnung sein, wie sich das Milieu der ,Reichsbürgerinnen' und ,Reichsbürger' seit der Corona-Pandemie weitgehend ungehindert entwickelt hat. Bayern ist inzwischen eine Hochburg dieser Szene", sagte die Grünen-Fraktionschefin im Landtag, Katharina Schulze. "Diese extrem gefährlichen und gewaltbereiten Kräfte lauern nur auf die Chance, ihre wahnwitzigen Putsch- und Anschlagspläne umzusetzen."

Den Angaben zufolge fanden in Bayern zuletzt mehrere Veranstaltungen mit "Reichsbürgern" statt. Regionale Schwerpunkte der Szene seien Niederbayern und die Oberpfalz. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 18 Veranstaltungen registriert, die der Szene zugerechnet werden, darunter auch ein "Zukunftskongress" im schwäbischen Wemding.

© SZ/dpa - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusEuropawahl
:Wem bayerische Erstwähler ihre Stimme geben

Bei der Europawahl am 9. Juni dürfen erstmals 16- und 17-Jährige wählen. Alle bayerischen Parteien halten sich zugute, dass sie genau wissen, was junge Menschen wollen und denken. Aber stimmt das auch? Vier Erstwähler sprechen über ihre Vorstellungen.

Von Andreas Glas, Celine Imensek und Johann Osel

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: