Prozess in Regensburg:33-Jährige soll Mutter getötet haben

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Die Angeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Regensburg. Ihr wird vorgeworfen, ihre Mutter ermordet zu haben.

Die Angeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichts Regensburg. Ihr wird vorgeworfen, ihre Mutter ermordet zu haben.

(Foto: dpa Bildfunk)

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau Mord vor. Vor Gericht wird der Notruf der Tochter abgespielt - das Gespräch offenbart eine schwierige Beziehung der beiden Frauen.

Eine 33 Jahre alte Frau muss sich wegen der Tötung ihrer Mutter vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord vor. Die Angeklagte soll die 61-Jährige in deren Wohnung im niederbayerischen Mainburg mit einer Porzellankatze attackiert und mit einem Messer niedergestochen haben. Das Opfer verblutete nach zahlreichen Schlägen und Stichen. Während der Aussage der 33-Jährigen am Donnerstag war die Öffentlichkeit ausgeschlossen, unter anderem wegen psychischer Probleme der Frau. Anschließend wurde der Notruf der Angeklagten vom 3. Juli abgespielt. Sie hatte um 4.29 Uhr der Polizei mitgeteilt: "Ich hab' meine Mutter umgebracht. Sperren Sie mich für immer ein." Während sich ein Streifenwagen auf den Weg zur Wohnung machte, hielt der Beamte am Telefon die Tatverdächtige im Gespräch. Dort schildert sie in kurzen, abgehackten Sätzen, unter der Mutter gelitten zu haben, diese habe alle und jeden beherrscht. Nun seien alle "erlöst von ihr". Auslöser für die Tat soll der Hund Trixie gewesen sein, den die Angeklagte als ihr Kind bezeichnete und der verschwunden gewesen sein soll. Sie habe das Tier abgeben müssen, sagt sie dem Beamten. Und nun sei der Hund "irgendwo im Nirgendwo".

Die Angeklagte spricht in dem Notruf von psychischer Qual. Sie habe bei ihrer Mutter Liebe gesucht, stattdessen habe die Mutter alles getan, "nur nicht das, was man als Mutter tun würde". Sie berichtet von einem Bruder, den man vor ihr schützen müsse, und sagt immer wieder: "Bitte kommt und holt mich." Auf die Frage des Polizisten, wie alt die Mutter gewesen sei, sagt die Tochter: "Zu alt geworden. 61." Wo jetzt das Messer sei, will der Beamte wissen. Die Frau antwortet: "Steckt in meiner Mutter und da bleibt es auch." Sie selbst sitze auf der Couch "wie der Teufel".

Einer der Beamten, der bei der Festnahme dabei war, sagte als Zeuge, die Frau habe einen psychisch angeschlagenen Eindruck gemacht, die Mutter als "Monster" bezeichnet und viel von ihrem Hund gesprochen. Der sei ihr wichtiger gewesen als sie selbst. Mehrmals habe die Frau die Polizisten aufgefordert: "Schaut mir nicht in die Augen." Eine Polizistin berichtete, wie die Angeklagte nach ihrer Festnahme während einer Zigarettenpause im Hof der Polizeiinspektion mit der brennenden Zigarette auf sie losgegangen sei. Sie habe den Angriff abgewehrt, sagte die Beamtin. Danach habe die 33-Jährige gerufen: "Erschießt mich!"

Während die Polizistin vor Gericht sprach, hob die Angeklagte wie eine Schülerin die Hand und meldete sich zaghaft. Als ihr der Vorsitzende Richter Michael Hammer das Wort erteilte, sagte sie an die Polizistin gerichtet: "Ich wollte mich nochmal aufrichtig bei Ihnen entschuldigen für den Vorfall." Die Verhandlung verfolgte die Frau am Donnerstag angespannt, ruhig und aufmerksam. Als sich ihre Verteidiger eine kurze Pause für eine Besprechung erbaten und den Saal verließen, fragte sie höflich den Richter: "Darf ich fragen, was jetzt passiert?" Michael Hammer erklärte ihr zwischendurch immer wieder das Prozess-Prozedere. Laut Anklage handelte die Frau in voller Tötungsabsicht und heimtückisch. Sie ist seit ihrer Festnahme in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Der Prozess soll am kommenden Mittwoch fortgesetzt werden. Das Urteil könnte Mitte Dezember fallen.

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