Unter Bayern:Freistaat der Störche

Unter Bayern: Ein Storch fliegt unweit der Turmuhr der Basilika Sankt Jakob in Straubing seinen Horst an. Störche und Kirche: Es ist eine mitunter schwierige Beziehung.

Ein Storch fliegt unweit der Turmuhr der Basilika Sankt Jakob in Straubing seinen Horst an. Störche und Kirche: Es ist eine mitunter schwierige Beziehung.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Bayerns Wappentier ist natürlich der Löwe. Störche würden aber viel besser passen. An ihnen lässt sich ablesen, was die Gesellschaft umtreibt. Das zeigt zum Beispiel das Storchengate von Ramspau.

Glosse von Deniz Aykanat

Die bayerischen Wappentiere sind ja eher von der furchteinflößenden Sorte. Löwen vor allem, die Könige unter den Tieren natürlich. Drunter machen es wir Bayern nicht. Und Bayern steht ja in der Tat an der Spitze so mancher Tabelle: höchstes Pro-Kopf-Einkommen, niedrigste Arbeitslosigkeit, größte Häufung an immer noch in täglichem Gebrauch befindlichen Overhead-Projektoren an Schulen.

Ketzerische Stimmen haben in der Vergangenheit aber auch schon angemerkt, dass ein anderes Tier viel besser zu Bayern passen würde: die Kuh zum Beispiel. Es gibt definitiv mehr Kühe im Freistaat als Löwen. Jede vierte deutsche Kuh steht im Freistaat. Auch dürften sie zum Wohlstand, der in Bayern ja besonders verbreitet ist, mehr beigetragen haben als Raubkatzen. Eine goldene Kuh als bayerisches Staatstier wäre das Mindeste. Andererseits müsste man einen Münchner Fußballverein dann vielleicht "die Rinder" nennen. Nicht gerade glamourös.

Doch jetzt im nahenden Frühling kristallisiert sich ein ganz anderes Wesen als geheimer Star heraus: der Storch. In den Medien und auch in echten Ortschaften wird gerade leicht hyperventiliert, weil "die Weißstörche zurück sind!" Die sind uns womöglich noch näher als Kühe. Das zeigen alte Geschichten, die jetzt wieder aufgewärmt und fortgeschrieben werden, wie etwa die vom Storchengate in Ramspau.

In dem idyllischen Örtchen nicht weit von Regensburg hatte vor einigen Jahren die Kirchengemeinde höchstselbst ein Storchennest vom Kirchendach entfernt, weil die Gläubigen beim Betreten der Kirche sonst immer die Flugbahn des Storchenkots kreuzen mussten. Der Kot flog dann woanders, in Ramspauer Facebook-Gruppen zum Beispiel, zwischen Team Storch und Team Kotvermeidung.

Auch jetzt freuen sich nicht alle gleichermaßen über die Rückkehr der Störche. Als "Plage" bezeichnet da einer die Tiere in einer Kommentarspalte. Woraufhin ein anderer erwidert, er würde seinen AfD-Nachbarn lieber gegen vier Storchennester auf dem Dach eintauschen. Am Umgang mit dem örtlichen Storch kann man perfekt ablesen, wie es gerade steht um so eine Dorfgemeinschaft, ja die ganze Gesellschaft des Freistaats.

In Ramspau ist der Dorffrieden übrigens wieder hergestellt worden. Nest und Storch sind wieder auf dem Kirchendach - und Gottesdienstbesucher nehmen jetzt den Nebeneingang.

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