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Coronavirus in Bayern:Polizei baut eigene Impfzentren auf

Coronavirus - Memmingen

Impfbus, Impfzentrum - es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Impfstoff zu verteilen. Die Polizei will eigene Impfstraßen betreiben.

(Foto: dpa)

Sobald Impfstoff zur Verfügung steht, sollen die Beamten den Schutz erhalten - auch an Impfstraßen an den Präsidien. Innenminister und Gewerkschaften fordern eine höhere Priorisierung.

Von Johann Osel

Einen echten Klassiker der Fernsehgeschichte hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in Bayern kürzlich bemüht. "Welchen Impfstoff hätten's denn gern?", titelte Landeschef Jürgen Köhnlein eine Mitteilung, in Anspielung an die Schweinderl der Quizsendung von Robert Lembke. Gemeint war die Debatte um den Impfstoff von Astra Zeneca, die sich offensichtlich auch in Polizeikreisen niederschlägt. "Wir sind keine Wissenschaftler und als DPolG Bayern können wir über die Wirksamkeit der Impfstoffe nicht urteilen", so Köhnlein. Das freilich war auch eine Replik auf Äußerungen aus der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Freistaat. Deren Vorsitzender Peter Pytlik hatte zuvor gesagt: "Die ständige Einsatzbereitschaft der Polizei darf durch einen möglicherweise unzuverlässigen Impfstoff auf keinen Fall gefährdet werden." Der "bestmögliche Impfstoff" müsse Verwendung finden - und damit meinte er anscheinend nicht den von Astra Zeneca.

Kommende Woche geht es in einem ersten Schritt los mit dem Impfen der bayerischen Polizei, die einen Personalkörper von mehr als 40 000 Personen hat. Nach Informationen der SZ sieht das Konzept der Staatsregierung drei Säulen vor. Erstens können Beamte, wenn sie dran sind, Termine an kommunalen Impfzentren vereinbaren. Zweitens nutzen sie jetzt schon vereinzelt das "Hop-on"-Verfahren - dass sie bei drohendem Verfall von Impfstoff an kommunalen Zentren zum Zuge kommen können. Das ist kein Drängeln, sondern so vorgesehen. Bis Mitte dieser Woche taten dies 2357 Beschäftigte der Polizei. Drittens sollen vornehmlich an den Präsidien zwölf eigene Impfstraßen aufgebaut werden, nach Standard kommunaler Zentren. Der Start erfolge, "sobald uns durch das Gesundheitsministerium Impfstoff zur Verfügung gestellt wird. Dann wollen wir impfwillige Beschäftigte schnellstmöglich impfen", teilte das Innenministerium auf Anfrage mit.

Eine pauschale Aussage über die Kapazitäten sei noch nicht möglich. Beispiel Polizeipräsidium Oberfranken, Bayreuth. Es bestehe auch bei der Polizei keine Impfpflicht, sagte Polizeipräsident Alfons Schieder der SZ. Man bestärke Beschäftigte aber durch entsprechende Informationen, sich durch die Impfmöglichkeiten vor einem schweren Verlauf zu schützen. "Eine der Stärken der Polizei ist das schnelle, pragmatische Organisieren und Strukturieren. Davon haben wir auch bei der Einrichtung unseres Impfstandortes profitiert", so Schieder. Am Zentrum für polizeiliches Einsatztraining in Bayreuth wurden Räumlichkeiten temporär umgebaut, Personal und Ausstattung wird in Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Dienst der bayerischen Bereitschaftspolizei organisiert; online registrieren können sich Beamte bereits. Der Impfstandort in Oberfranken wäre nach einem Probelauf im Februar "vollständig betriebsbereit", heißt es. Nur wann genau herrscht Betrieb?

10 000 Dosen sollen bayernweit Anfang März zunächst bereitstehen. Alles weitere hängt auch an der Reihenfolge. Die Polizisten haben "hohe" Priorität, aber nicht die "höchste". Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte sich schon bei der Debatte dazu im Dezember über die Innenministerkonferenz zu Wort gemeldet. Für ein Vorziehen. Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) betonte dieser Tage in der Bild: "Wir müssen die schützen, die uns schützen. Neben Lehrern und Erziehern muss auch unsere Polizei früher geimpft werden." Das Ministerium in München verweist darauf, dass es sich bei den Beamten um Personen mit besonders hohem "arbeitsbedingten Ansteckungs- und Erkrankungsrisiko" handele, die darüber hinaus die "Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen und des öffentlichen Lebens gewährleisten".

Wie hoch die Impfbereitschaft bei den Polizisten ist, lässt sich nicht eindeutig beurteilen

Die DPolG spricht von einem bis zu 1,9-fach höheren Ansteckungsrisiko. Wobei dies vor allem Kräfte im Einsatz draußen, im Streifen- oder Kriminaldauerdienst betreffen dürfte. GdP-Chef Pytlik führt auf, dass Beamte "körperlich angegangen, angehustet und angespuckt werden", sie könnten direkten Körperkontakt oft nicht vermeiden. Im Frühjahr werden seiner Einschätzung nach Aktivitäten auf der Straße und private Feiern zunehmen, dazu wohl Demonstrationen wie von den "Querdenkern". Das bedeutet mehr Arbeit für die Polizei - verbunden mit eben einem deutlich höheren Infektionsrisiko.

Eine unsichere Komponente in den Plänen ist wiederum die Frage nach der Impfbereitschaft. Die lasse sich nicht abschließend beurteilen, heißt es im Ministerium. Man habe den Eindruck, dass die Mitarbeiter "ihre Impfentscheidung mit Bedacht treffen und jedenfalls die meisten gegenüber einer Impfung grundsätzlich positiv eingestellt sind". Und, auf Nachfrage zum jüngsten Disput der Gewerkschafter: Den Impfstoff von Astra Zeneca sehe man "gleichermaßen als individuellen Schutz wie auch als persönlichen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie".

© SZ vom 27.02.2021/sonn
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