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Lebensgefährlicher Hautpilz:Der Salamanderfresser

Erstmals Hautpilz bei Feuersalamander in Bayern nachgewiesen

Dem einst weit verbreiteten Feuersalamander fehlt es inzwischen am passenden Lebensraum - jetzt bedroht sie auch noch ein Pilz.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Ein aus Ostasien stammender Pilz befällt Feuersalamander, die daran eingehen. Experten fürchten massive Verluste bei der geschützten Tierart.

Schon sein Name verheißt wenig Gutes: Salamanderfresser nennen Forscher den Hautpilz, der seit etlichen Jahren in Holland, in Belgien und in Deutschland in der Eifel und nahe Essen grassiert und reihenweise Feuersalamander sterben lässt. Jetzt ist Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), wie sein wissenschaftlicher Name lautet, erstmals in Bayern nachgewiesen worden - an einem toten Feuersalamander im fränkischen Steigerwald.

Der Kadaver wurde in Ebrach entdeckt. Wissenschaftler der Unis Braunschweig und Trier, wo über den Pilz geforscht wird, haben dem Landesamt für Umwelt (LfU) bestätigt, dass der Feuersalamander an Bsal eingegangen ist. Naturschützer befürchten jetzt ein Massensterben unter den bayerischen Feuersalamandern.

Feuersalamander sind tief schwarz und tragen auf dem Rücken ein auffälliges gelbes Fleckenmuster. Die bis zu 20 Zentimeter großen Amphibien, die zu den gefährdeten Tierarten zählen, leben vor allem in den feuchten Laubwäldern der Mittelgebirge. Dort halten sie sich zumeist unter abgestorbenen Bäumen, Baumwurzeln oder flachen Steinen, aber auch zwischen Felsblöcken auf. Sie fressen Regenwürmer, kleine weiche Käfer, Schnecken, Spinnen und alle möglichen Insekten.

Die Weibchen legen die Larven von Februar bis Mai lebend in Quellbäche und andere kühle, saubere Kleingewässer ab. Einst waren Feuersalamander weit verbreitet. Inzwischen sind die Vorkommen stark geschrumpft und zumeist weit voneinander isoliert. Die wichtigsten Gründe für den Schwund sind laut LfU die Verluste an Mischwäldern in der Vergangenheit sowie die Kanalisierung vieler Bäche.

"Bsal stammt ursprünglich aus Ostasien", erklärt der Zoologe Josef H. Reichholf. Dort lebt der Pilz seit jeher auf der Haut aller möglichen Salamander und Molche - und zwar ohne schlimme Folgen für die Tiere. Der Grund: Sie haben sich im Lauf der Evolution aneinander angepasst. Ganz anders ist das bei den europäischen Salamandern und Molchen. Sie haben keinen solchen Anpassungsprozess hinter sich. Deshalb können sie an dem Pilz erkranken, der sich von Proteinen in ihrer Haut ernährt. Aber während heimische Berg-, Kamm- und Teichmolche einen Befall oft überleben, sterben Feuersalamander fast immer binnen kurzer Zeit daran.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der Salamanderfresser hauptsächlich durch einen direkten Körperkontakt der Tiere etwa bei der Paarung ausbreitet. Der Pilz selbst ist auf eine kühle, feuchte Umgebung angewiesen. Die Sporen können sich einkapseln. Als sogenannte Dauersporen können sie dann sogar längere Zeit ohne Wirt überleben, sagen die LfU-Experten. Aber auch Forstleute und Wanderer können den Erreger weitertragen, zum Beispiel über die Erde, die an ihren Schuhen oder Arbeitsgeräten haftet. Um eine weitere Ausbreitung des Schädlings möglichst zu verhindern, sollen Wanderer und Spaziergänger im Steigerwald nun auf den Wegen bleiben und keinesfalls die Lebensräume von Amphibien betreten.

Nach wie vor ist nicht genau geklärt, wie Bsal nach Europa eingeschleppt worden ist. "Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es durch den Import exotischer Amphibien passiert ist", sagt Reichholf. "Das ist der Gang der Dinge; im Zuge der Globalisierung kommen immer häufiger exotische Tier- und Pflanzenarten zu uns nach Europa, auf die unsere heimische Flora und Fauna nicht vorbereitet ist. Wir werden damit leben müssen."

Gleichwohl ist Reichholf nicht so pessimistisch wie mancher Naturschützer, der befürchtet, dass die Feuersalamander über kurz oder lang aussterben könnten in Bayern. "Denn inzwischen hat man festgestellt, dass es auch Feuersalamander gibt, die eine Bsal-Erkrankung überleben", sagt der Zoologe. "Die wenigen resistenten Tiere werden das Fortbestehen der Art ermöglichen, selbst wenn die regionalen Verluste womöglich massiv sein werden."

© SZ vom 27.06.2020/lfr
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