Es ist wieder Pfingsten – die wohl enttäuschendsten Feiertage für die nicht arbeitende Bevölkerung. Es ist die Zeit nach Ostern und vor St. Martin, die wohl schwierigste des ganzen Jahres – aus Sicht eines Kindes zumindest. Ein Geburtstag im Sommer reißt die Sache vielleicht noch einigermaßen heraus und Pfingstferien sind für die Schulkinder auch nicht schlecht, aber ansonsten: Da ist nichts.
Keine Martinsgans nach dem Laternenumzug, kein tägliches Kalendertürchen, kein Nikolaus mit gefülltem Sack, kein Christkind mit Geschenken, kein Silvester mit Raketen. Kein Faschingsumzug, bei dem man Tonnen an Süßigkeiten absahnen kann, die theoretisch bis zum Sommer reichen müssten, es aber nie tun. Kein Osternest.

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Dazu kommt, dass in den katholisch geprägten Teilen Bayerns Ostern in den Kindergärten (und manchen Schulen) ein Großevent ist, nach dessen Ende die Kinder in ein tiefes Loch fallen. Noch Tage nach Ostern sieht man sie geistesabwesend im Garten nach Eiern suchen und Hasen- und Auferstehungs-Theorien mit ihren Freunden diskutieren. Jesus wird verraten, ans Kreuz genagelt, dann in eine Höhle verbracht, aus der er dann ein paar Tage später wieder aufersteht? Das ist schon ein guter Plot. Pfingsten kann da nicht mithalten. Es wird der Heilige Geist gefeiert, der sich das erste Mal den Jüngern zeigt? Nun ja, man versteht, warum der Kindergarten lieber ein paar Tage vorher die örtliche Polizeidienststelle zum Gartenfest einlädt.
Bis Herbst gibt der Kirchenkalender für raffgierige Kinder nichts her. Vor Sankt Martin gibt es seit Kurzem immerhin eklige Gummibärchen-Glupschaugen zu Halloween, das genau deswegen aus den USA eingekauft wurde, um die Zeit bis Sankt Martin wenigstens ein bisschen zu verkürzen.
Jedes Jahr also wieder – bis Kinder zu Erwachsenen werden und studieren oder arbeiten und sich über einen freien Tag freuen – blickt man in enttäuschte Gesichter, und dann beginnen die Gehirn-Verrenkungen: So ein Pfingstochse … immerhin ein Tier … kann der nicht Schokoriegel verstecken? Ein Pfingsthase quasi? Und wenn man trotzdem einfach eine Sandale abends vor die Tür stellt? Kann „dieser Pfingsten“ da nicht irgendwas aus Schokolade reinstellen? Es gibt doch Pfingstritte … da könnten die Reiter doch genauso gut Süßigkeiten vom Pferd herunterwerfen!
Tun sie aber nicht. Mancherorts wird immerhin mit Wasser gespritzt, beim Wasservogelsingen. Das ist dann aber eher für die Erwachsenen gedacht.
Dabei ist so einiges geboten über Pfingsten, zumal in Bayern auf dem Land. Als letzter Strohhalm also (und Ferien-Programm) bieten sich zu Pfingsten die Wallfahrten an. Man könnte das den Kindern wie eine Ostereiersuche verkaufen. Und ganz am Ende einer Wallfahrt wartet ja auch schon so etwas Ähnliches wie eine Belohnung. Das wäre nicht mal gelogen. Nur aus Schokolade ist sie halt nicht.

