SZ: Herr Kippes, Sie müssen den Schafen doch dankbar sein, dass die Ihren Markt verwüstet haben. Bessere Werbung gibt’s ja gar nicht.
Jürgen Kippes: Richtig. Das ist die beste Werbung gewesen. Klar haben die Schafe eine Sauerei gemacht, aber es wurde alles professionell gereinigt. Und die Leute haben es gut angenommen, auch im Internet. Wir sind selbst erschrocken, dass es so viral gegangen ist. Das war der Wahnsinn. Da haben wir uns selbst übertroffen.
Und kommen jetzt mehr Kunden?
Ja, das merkt man schon. Die fanden das wirklich gut, dass wir den Schäfer unterstützen. Wir haben ja die Patenschaft für 700 Schafe übernommen und zahlen denen das Winterfutter. Auch die Burgsinner sind wirklich fasziniert. Die ganzen neuen Plakate und Aufkleber mit den Schafen. Das gefällt ihnen, wenn sie reinkommen. Die Leute fahren vorbei, bleiben stehen, machen Bilder, weil es einfach ein Hype ist. Wir sind aktuell vielleicht ein bisschen prominenter als der Penny an der Reeperbahn. Ich denke mal, das wird jetzt noch anhalten. Vielleicht ein Jahr.

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Der Name der Filiale wurde in „Penny Schafsinn“ geändert. Es wird eine Schafplastik in Bronze geben. Bleibt das jetzt für immer?
Für die nächsten vielleicht fünf Jahre bleibt das jetzt schon, weil ich ja auch neue Werbeschilder mit dem neuen Namen bekomme. Aktuell sind die nur überklebt.
Wie wurden Sie bei dem Medienrummel von Penny unterstützt?
Wir haben viel per Telefon abgesprochen. Aber Penny hat gesagt: Herr Jürgen Kippes kann das, der soll das machen. Ich glaub', das ist viel besser, als wenn man einen Regionsleiter hinstellt, der eine Geschichte erzählt, die er gar nicht mitbekommen hat. So machen das ja meistens die großen Firmen. Nee, mir haben sie freie Wahl gelassen, das war das Gute. Einfach ehrlich sein, das ist das A und O. Das mögen die Leser und Kunden. Im Betrieb bin ich jetzt der Schäfer Jürgen. Alle sagen: Ah, der Schäfer kommt, der Schäfer, hast du Schafe bei dir? Oh Mann! Ja, das ist doch schön. Also für mich ist es nett.
Internationale Medien wie The Guardian und die BBC haben berichtet. Auch die deutsche Botschaft in London macht Witze über Schafe in „Baa-varia“. Über die Schafe in Ihrem Markt. Wie sind Sie mit dem Rummel zurechtgekommen?

Letzte Woche war es ganz schlimm. Oh Gott, wir hatten bestimmt zehn bis 15 Interviews. Und jetzt noch mal so viele. Ich hab’ gedacht, ich bin ein Oberstar, das gibt’s doch gar nicht. Das ist schon ein Trubel, um Gottes willen. Die sind hereingestürmt in den Markt, die Leute, die Medien. Aber eigentlich fand ich es super, dass uns das passiert ist. Endlich passiert so was bei uns im Markt. Meistens ist so was im Ausland oder anderswo in Deutschland. Es ist niemand verletzt, wir haben keinen richtig großen Schaden und die Kommunikation lief super. Es war wirklich überall im Internet, in Zeitungen, im Fernsehen, im Handy mit drin. Jetzt haben wir die Sache ziemlich gut überstanden. Das war etwas ganz Neues für mich.
Angesichts des Hypes kann man sich schon fragen: Haben wir denn keine anderen Sorgen?
Es ist eine gute Nachricht, sage ich mal. Was Lustiges, klar. Da kommt etwas Positives in den Nachrichten zu all dem Negativen. Zum Beispiel Donald Trump oder die Lage in Iran, das sind halt alles so schlechte Nachrichten. Überall Krieg, Trump will Grönland und wir haben halt was Schönes und Lustiges. Ich nehme mal an, dass es darum diesen Hype gegeben hat. Aber wie groß das geworden ist, ist schon Wahnsinn. Hätte ich nie gedacht.

