Kürzlich meinte eine Kollegin ein hübsches Thema entdeckt zu haben, unterhaltsam und noch dazu offenbar ganz aktuell: In Augsburg solle ein Spezi-Museum entstehen, das erste der Welt, und dafür der Gaskessel in Oberhausen in eine überdimensionale Spezi-Dose verwandelt werden. Im Internet war das zu lesen, diesem schier bodenlosen Reservoir nützlichen wie überflüssigen Wissens. Und Sammelbecken für Falschinformationen aller Art.
Das Thema war in kürzester Zeit tot recherchiert. Ein Blick aufs Datum offenbarte schnell, warum noch niemand von der vermeintlichen Sensation je gehört hatte: Es war der 1. April, die Stadtwerke Augsburg hatten sich einen Aprilscherz erlaubt. Und dafür die einzig zulässig Art der Fake News verwendet.
Bevor das Internet erlaubte, sich schnell und nahezu überall zu informieren, bedeutete es einen gewissen Aufwand, Wissenslücken zu füllen. In der Bibliothek zum Beispiel. Wer keine daheim hatte, suchte eine öffentliche Bücherei auf, in der Universität idealerweise oder wenigstens im Gemeindehaus. Oder man musste halt jemanden fragen, der Bescheid wusste.
Ein besonderes System der Informationsbeschaffung pflegte die Oma der Autorin. Tauchten beim Fernsehen oder beim Zeitunglesen Begriffe auf, die ihr unbekannt waren, notierte sie diese fein säuberlich auf kleine Zettel. Kam dann eines der zahlreichen Enkelkinder zu Besuch, die erste Generation der Familie mit Abitur und Studium, holte die Großmutter ihre Zettel hervor.
„Ihr habt’s doch studiert“, hieß es dann, deswegen wisse man ja wohl, was es mit diesem oder jenen Wort auf sich habe. „Inuit“, stand da einmal geschrieben und ein Enkel wusste zu erklären, dass es sich um die indigenen Ureinwohner Grönlands handle. Was die Frage nach sich zog, wo denn da bitte schön der Unterschied zu den Eskimos sei und als es darauf keine befriedigende Erklärung gab, die Schlussfolgerung gezogen wurde, dass es mit so einem Studium doch nicht so weit her sein könne.
Gegenargumente, dass derlei Themen weder im Germanistik- noch im BWL-Studium behandelt würden, überzeugten nicht vollumfänglich. Wenn die Kinder schon freiwillig so lange „in d’Schui“ gehen wollten, sollten sie doch wohl angemessen gescheit werden dabei.
Kürzlich, viele Jahre nach ihrem Tod, ist zwischen alten Bildern wieder ein Zettelchen aufgetaucht. „Modem“ hatte sie darauf notiert, ob das Thema zu ihrer Zufriedenheit besprochen werden konnte, lässt sich nicht mehr feststellen. Wenn ein solches vielleicht sogar installiert worden wäre! In den Weiten des Internets hätte sie viele rätselhafte Wörter entdeckt. Und im besten Fall sogar die Erklärung dafür. Es wäre aber doch schade um die Zettelchen gewesen.

