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Bayern:Ohne Abstand auf dem Weg zur Schule

Abstandsregeln im ÖPNV

In Bussen, in denen Schüler mitfahren, herrscht oft dichtes Gedränge.

(Foto: dpa)

In der Schule müssen Schüler Abstand halten, in Bussen und Bahnen auf dem Weg zur Schule herrscht aber dichtes Gedränge. Die Kommunen könnten zusätzliche Fahrzeuge einsetzen, sie schöpfen das Kontingent aber nicht aus.

Von Matthias Köpf, Rosenheim

In der Schule wird Jonas Bettger von seinen Mitschülern ferngehalten, so gut es eben geht, und natürlich sollen auch alle anderen Abstand voneinander wahren und außerhalb der Klassenräume Mundschutz tragen. Jonas Bettger, der den sozialen Zweig der Fachoberschule Rosenheim besucht, steht voll hinter diesen Regeln, denn die sollen schließlich helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Doch wenn der 20-Jährige das Schulhaus verlässt, um mit der Bahn vom Haltepunkt Hochschule heim nach Schechen oder auch mal in die andere Richtung zum Rosenheimer Hauptbahnhof zu fahren, dann fragt er sich schon manchmal, ob all das Abstandhalten in der Schule nicht fast sinnlos ist. Denn in der Bahn drängen sich die Schüler seiner Beobachtung nach dicht an dicht, und beileibe nicht alle Fahrgäste halten sich streng an die Maskenpflicht. Ähnlich geht es auch in vielen Schulbussen zu, immer wieder kommt es da und dort zu Protesten von Schülern oder Eltern.

Dass in Bussen und Bahnen auch das Coronavirus gut vorankommen könnte, haben Schüler, Eltern und auch die Staatsregierung schon früh befürchtet. Noch ehe die Schulen nach dem zeitweiligen Lockdown, dem zwischenzeitlichen Schichtbetrieb und den erlösenden Sommerferien den vollen Präsenzbetrieb wieder aufgenommen haben, hatte die Staatsregierung ein Förderprogramm für zusätzliche Schulbusse aufgelegt. Man werde 100 Prozent der Kosten für Verstärkerfahrten im Schülerverkehr übernehmen, kündigte das Kabinett an und stellte dafür allein bis zu den Herbstferien 15 Millionen Euro bereit. Eine eigene Vermittlungsplattform soll die Busunternehmen mit den einzelnen Landkreisen und Gemeinden zusammenbringen, die als Träger ihrer jeweiligen Schulen die Verstärkerbusse bestellen müssen. 650 zusätzliche Fahrzeuge stünden dafür bereit, hieß es Anfang September vom Verband der Busunternehmen.

Von diesem Kontingent haben die Kreise und Kommunen nach Angaben des Verkehrsministeriums bisher nur etwas mehr als die Hälfte genutzt. Aktuell seien rund 350 der zusätzlichen Busse abgerufen worden, entsprechend stünden noch etwa 300 weitere zur Verfügung. Kommunen und Bezirksregierung hätten dem Ministerium bisher von keinem Fall berichtet, in dem ein Wunsch nach einem Verstärkerbus nicht erfüllt werden konnte. Von geballten Elternprotesten weiß das Verkehrsministerium nach eigener Auskunft nichts, und auch im für die Schulen zuständigen Kultusministerium gibt es dazu nach Angaben eines Sprechers keinen Überblick.

Gleichwohl kommt es immer wieder zu Protesten von Eltern wegen überfüllter Busse, zuletzt im schwäbischen Thannhausen und in der Nähe der niederbayerischen Stadt Bogen. Dass sich die Schüler speziell morgens und mittags in den Bussen drängen und viele von ihnen während der Fahrt stehen müssen, gehört jedoch seit langem zur Normalität, und auch dagegen regten sich schon immer Proteste von Eltern. Die gewinnen mit der Corona-Gefahr allerdings eine neue Dringlichkeit - und den Kommunen bietet sich die Gelegenheit, etwaige Engpässe zumindest zeitweise auf Kosten des Freistaats zu beseitigen.

Ob das in jedem Einzelfall gelingt, hängt unter anderem von einer genauen Planung ab. So heißt es etwa aus dem Landratsamt im oberbayerischen Traunstein, man habe sich wochenlang Gedanken gemacht, wo Verstärker gebraucht würden. Die Busunternehmen hätten Hygienekonzepte vorgelegt, in denen es nicht nur um die Desinfektion der Sitze gehe, sondern auch darum, dass die Fahrer "appellativ" auf die Einhaltung der Maskenpflicht dringen sollen. Von größeren Problemen im Schülerverkehr sei nichts bekannt, berichtet das Landratsamt - weder über Beschwerden von Eltern noch aus eigenen Stichproben. In die Verstärkerbusse stecke der Landkreis Traunstein aber "auch eigenes Geld über die Förderung des Freistaats hinaus".

Was Verstärkerzüge betrifft, so hat Jonas Bettger trotz mehrerer Beschwerden bei der regionalen DB-Tochter und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft als Aufsichtsorgan auf Granit gebissen. Die kaum zweieinhalb Schienenkilometer vom Haltepunkt Hochschule zum Hauptbahnhof ließen sich notfalls zu Fuß bewältigen, sagt Bettger - dann aber um den Preis, den Anschluss zu verpassen.

© SZ vom 25.09.2020/lot
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