Öffentlicher Nahverkehr:Nirgends fahren weniger Busse und Bahnen als in Ostbayern

Lesezeit: 2 min

ÖPNV Bus bei Alxing

In fünf bayerischen Landkreisen ist die Erreichbarkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln besonders schlecht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das geht aus einem bundesweiten Vergleich hervor. Erst auf dem sechstletzten Platz steht ein nicht-bayerischer Landkreis. Verkehrsverbände mahnen mehr Bemühungen beim ÖPNV-Ausbau an.

Von Maximilian Gerl

In gleich fünf bayerischen Landkreisen ist die Erreichbarkeit von Bus und Bahn besonders schlecht. Das geht aus einem bundesweiten Vergleich des Verkehrsbündnisses Allianz pro Schiene hervor, der am Freitag veröffentlicht wird und der SZ bereits vorliegt. In dem Ranking bildet der niederbayerische Landkreis Dingolfing-Landau das ÖPNV-Schlusslicht. Nur wenig besser ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr in Straubing-Bogen, Cham, Rottal-Inn und Kronach.

Erst auf dem sechstletzten Platz steht mit dem Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz ein nicht-bayerischer Landkreis. "In vielen Bundesländern haben wir Gegenden mit einer geringen Bevölkerungsdichte", sagt Dirk Flege, Geschäftsführer von Allianz pro Schiene. "Nirgends aber ist der Nahverkehr so weit weg von den Menschen wie in Ostbayern."

Das Erreichbarkeits-Ranking basiert laut Allianz pro Schiene auf Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Dabei wurde der Anteil der Bevölkerung berechnet, der innerhalb eines Radius von 600 Metern Luftlinie um die nächste Bushaltestelle oder innerhalb von 1200 Metern um den nächsten Bahnhof lebt. Die Stopps müssen werktags mindestens zehn Fahrten in jede Richtung anbieten. "600 Meter entsprechen einem Fußweg von etwa acht bis zehn Minuten, was das BBSR als noch zumutbar bewertet", heißt es in dem Vergleich.

Demnach leben in Dingolfing-Landau 29 Prozent der Menschen nah genug am nächsten ÖPNV-Halt. In Straubing-Bogen beträgt der Anteil 39 Prozent, in Cham 45 Prozent, in Rottal-Inn 48 Prozent und in Kronach 49 Prozent. Alle anderen Landkreise in Deutschland liegen teils deutlich über der Marke von 50 Prozent. Spitzenreiter ist der Main-Taunus-Kreis mit 99 Prozent; allerdings ist der hessische Landkreis vergleichsweise klein und wird von den Städten Mainz, Wiesbaden und Frankfurt begrenzt.

In Ostbayern sind viele Landstriche dünn besiedelt, die Wege oft weit. Das erschwert es, einen halbwegs rentablen Nahverkehr zu etablieren. Zudem wurden in den vergangenen Jahrzehnten auf der Schiene zahlreiche Verbindungen eingestellt, so etwa die Bockerlbahn, die einst von Landau nach Arnstorf im Landkreis Rottal-Inn schnaufte. Allein seit 1994 wurden in Bayern 59 Strecken stillgelegt - und nur vier wieder in Betrieb genommen. Verkehrsverbände mahnen deshalb mehr Bemühungen beim ÖPNV-Ausbau an. "Der Rückzug von Bus und Bahn aus ländlichen Regionen war ein Riesenfehler, der rasch korrigiert werden muss", sagt Flege von Allianz pro Schiene: Gleichwertige Lebensverhältnisse seien nur möglich, wenn öffentliche Verkehrsmittel "auch auf dem Land den Einwohnern eine Alternative zum Auto bieten".

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