Süddeutsche Zeitung

Rappenalpbach:Renaturierung verzögert sich

Die Staatsanwaltschaft hat ein umfangreiches Gutachten über den Naturfrevel am Oberlauf beauftragt. Vorher kann die Wiederherstellung des Baches nicht beginnen.

Das Rappenalptal südwestlich von Oberstdorf kommt nicht zur Ruhe. Schon Monate bevor die Kraftwerkspläne an der Stillachklamm bekannt geworden sind, die seinen Abschluss bildet, kochte deutschlandweit die Empörung über einen Naturfrevel in seinem oberen Bereich hoch. Oberstdorfer Alpbauern hatten dort den Rappenalpbach auf 1,6 Kilometer Länge bis zu zweieinhalb Metern Tiefe ausgebaggert, begradigt und kanalisiert. Bis aus Norddeutschland meldeten sich Naturliebhaber und taten ihr Entsetzen kund. Die Zerstörungen galten schnell als der schlimmste Naturfrevel seit Jahren in Bayern, auch wenn die Alpbauern das nicht einsehen wollen und sich damit rechtfertigen, dass sie nur Schäden beseitigen wollten, die ein Sommerhochwasser in dem streng geschützten Gebiet hinterlassen hat.

Wenig verwunderlich also, dass das Rappenalptal auch schon die Landespolitik beschäftigt hat. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) eilte aus München herbei und begutachtete die Schäden. Sein Urteil stand schnell fest. "So ein Eingriff in ein Schutzgebiet ist nicht hinnehmbar, das war sicher kein Versehen", sagte er mehrfach. Zugleich wies er darauf hin, dass Tätern bei schweren Umweltdelikten Bußgeld von bis zu 50 000 Euro Höhe und sogar Haftstrafen von bis zu zehn Jahren drohen. Außerdem kündigte er an, dass die Zerstörungen möglichst schon von diesem Frühjahr an rückgängig gemacht und der vormalige Bachlauf wiederhergestellt werden soll. Letzteres wird nun doch nicht so schnell möglich sein. Die strafrechtlichen Ermittlungen in dem Fall dauern an, die Staatsanwaltschaft Kempten hat ein umfangreiches Gutachten zu den Schäden beauftragt. Deshalb verzögert sich der Beginn der Renaturierung bis auf Weiteres.

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