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Wasserstoff-Technik:Der bemerkenswerte Zukunftsplan von Nürnberg

Gründung des Zentrums Wasserstoff Bayern auf dem AEG-Gelände in Nürnberg

H₂, also Wasserstoff - auf diese Zukunftstechnologie setzt Bayerns Staatsregierung.

(Foto: Nicolas Armer/dpa)
  • In Nürnberg soll ein "Zentrum Wasserstoff Bayern H2.B" entstehen - auf dem alten AEG-Gelände.
  • Die Liste der Gründungspartner im "Wasserstoffbündnis Bayern" wirkt imposant: Audi, BMW, MAN, Bosch, Schaeffler und Siemens sowie das Helmholtz-Institut für Erneuerbare Energien.
  • Was das kostet und wie viele Menschen dort arbeiten - dazu gibt es allerdings erst nur sehr vage, und später eher ernüchternde Auskünfte.

Gleich drei Kabinettsmitglieder auf AEG, war da nicht mal was? Doch, und zwar im Dezember 2013. Erschienen waren der damalige Finanzminister Markus Söder, Innenminister Joachim Herrmann und der damalige Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle. Gemeinsam verkündeten sie einen epochalen Durchbruch für das Gelände im Westen Nürnbergs, wo bis 2006 Waschmaschinen vom Band gegangen sind.

Als der Plan der Minister - von Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly als die "Heiligen drei Könige" verulkt - 2015 durchs Kabinett ging, war gar von einer "Jahrhundertchance" die Rede. Teile der Technischen Fakultät der Erlanger Friedrich-Alexander-Universität sollten auf das Areal ziehen. Was draus geworden ist? Nun, der Plan zerschlug sich sehr viel leiser, als er zelebriert worden war. Im Dezember 2016, exakt drei Jahre nach den epochalen Worten auf AEG, wurde kleinlaut mitgeteilt, dass es nun doch nichts werde mit der Fakultät auf dem Gelände. Zu klein, zu teuer.

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Vergangene Woche waren wieder drei Kabinettsmitglieder auf AEG: erneut Markus Söder, diesmal als Ministerpräsident, flankiert vom Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, dem Wissenschaftsminister Bernd Sibler und mehreren Dutzend Spitzenvertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Wieder war von epochalen Dingen die Rede. Mit der Gründung des "Zentrums Wasserstoff Bayern H2.B" bringe man "ganz Besonderes" auf den Weg, von einem veritablen "Leuchtturm" war zu hören, von einem "guten Tag für Nürnberg und ganz Bayern", von einem "Hotspot" für eine große Entwicklung und gar von einem "historischen Tag für Bayern" (Aiwanger).

Besagtes Zentrum soll der "Entwicklung einer Wasserstoff-Strategie" in Bayern dienen, zweifellos ein großes Ziel. Und fraglos eine gute Vorstellung: ein bedeutendes Zentrum auf einer ehemaligen Industriebrache, auf dem Wissenschaft und Wirtschaft für eine Zukunftstechnologie zusammenarbeiten. Allein schon die Liste der Gründungspartner im "Wasserstoffbündnis Bayern" wirkt imposant: unter anderem Audi, BMW, MAN, Bosch, Schaeffler und Siemens sowie das Helmholtz-Institut für Erneuerbare Energien.

Der Überschwang war also groß bei der festlichen Zusammenkunft. Flaute dann allerdings leicht ab, als der erste Journalist etwas über die finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung dieses "Zentrums" wissen wollte. Ziemlich naheliegende Fragen, könnte man meinen. Die aber in der ersten Antwortrunde - wie gesagt: ein Ministerpräsident und zwei Minister auf dem Podium, dazu zwei Professoren - nicht beantwortet wurden. Ah, doch: "Zweistellig" sei der Millionenbetrag, mit dem sich der Freistaat nun engagiere, sagte Söder. Das hatte er allerdings schon in der ersten Runde betont.

Verzeihung also und nochmals: Wie viel Personal? Mit wie viel Geld? Auf welcher Fläche? Wieder mäandern die Antworten, bis sich Aiwanger ein Herz nimmt und etwas von "drei bis vier Mitarbeitern" murmelt. Die seien allerdings bereits auf dem Areal tätig, am sogenannten Energie Campus. Jene "drei bis vier" Mitarbeiter würden "demnächst umgeswitcht". Bekommen also offenbar eine neue Visitenkarte. Finanzielle Ausstattung? "Zehn Millionen", sagt Söder endlich. Und, bitte, auf welcher Fläche? Das habe "in den Unterlagen irgendwo gestanden", habe man aber leider nicht parat. Werde natürlich nachgereicht. Es sind dann "etwa 200 Quadratmeter", aber "nicht abgemessen", sagt ein Sprecher.

200 Quadratmeter auf AEG, das ist mehr als das Wärterhäuschen. Allerdings nicht viel mehr. Die bestehenden Strukturen existierten bereits, da brauche man nicht viel Fläche, beruhigt Peter Wasserscheid, einer der Gründungsdirektoren des Zentrums. Wasserstoff spiele hochwahrscheinlich eine zentrale Rolle bei der Energiewende in Bayern - und weltweit. Die Grundlagen dafür seien in Bayern bereits "exzellent", ergänzt seine Kollegin Veronika Grimm.

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