Jetzt ist es also offiziell. So verkündet es jedenfalls das internationale Magazin Time Out auf seiner Webseite: Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist Europas bester Weihnachtsmarkt.
„Wir sind genauso schockiert wie Sie“, schreibt der Kultur-, Unterhaltungs- und Veranstaltungsführer aus London, meint damit allerdings nur den Umstand, „dass Weihnachten schon wieder vor der Tür steht“. Wenn man diesen Schock verdaut hat und wieder einen ruhigen Gedanken fassen kann, malt man sich aus, was der Titel eines Weihnachtsmarkt-Europameisters – übers World Wide Web hinausgetragen bis in die entlegensten Winkel der Erde – aus dieser Veranstaltung machen wird. Mutiert dieser kleine, beschauliche Markt mit seinen knapp 200 Ständen und jährlich rund zwei Millionen Gästen jetzt vom Geheimtipp zum internationalen Publikumsmagneten?
Nun gut, in Wahrheit ist der Nürnberger Christkindlesmarkt natürlich einer der ältesten und längst auch berühmtesten Weihnachtsmärkte der Welt. Und die Idee, ihn bei einem europäischen Ranking auf Platz eins zu setzen, ist in etwa so originell wie Schloss Neuschwanstein in einer Liste empfehlenswerter Sehenswürdigkeit ganz oben zu platzieren. Anderseits führt da halt so gut wie kein Weg dran vorbei, schließlich befinden sich beide in Bayern, und das ist, wie der Ministerpräsident nicht müde wird zu betonen, „das schönste Land der Welt“.
Da ist es also nur recht und billig, wenn man im schönsten Land der Welt auch den besten Weihnachtsmarkt Europas besuchen kann. Dieser ist laut Time Out übrigens „ein leuchtendes Beispiel für winterliche Wärme und Gemütlichkeit“. Als Qualitätsmerkmal werden – Überraschung! – auch „leckere lokale Spezialitäten“ wie Nürnberger Rostbratwürste und Lebkuchen aufgeführt.
Weil es sich aber um ein Weihnachtsmarkt-Ranking und keinen Streetfood-Contest handelt, findet schon auch das Kunsthandwerk freundliche Erwähnung: „Denken Sie an Bienenwachskerzen, handgeschnitztes Holzspielzeug und Figuren aus getrockneten Pflaumen, warum auch nicht?“
Ja, warum auch nicht. Diese „Zwetschgenmännla“ taugen schließlich als Staubfänger im heimischen Regal mindestens genauso viel wie eine chinesische Winkekatze, sind allerdings nicht zu verwechseln mit der Art von Zwetschgenmandl, das in einem Stück von Gerhard Polt auf dem Oktoberfest auf acht Metzger trifft und dabei unliebsame Bekanntschaft mit einem Masskrug macht. Ach ja, das Oktoberfest. Das könnte auch mal jemand in irgendeinem Ranking auf Platz eins setzen. Als beliebtestes Volksfest der Welt oder so.

