Hochschulen in Bayern:Die Studiengänge der Zukunft

Climate Change Management, Bio Electrical Engineering und alles rund um den Tod. An Bayerns Hochschulen werden ab dem Wintersemester 50 neue Studiengänge angeboten - eine Auswahl.

Von Paula L. Trautmann

Die bayerischen Hochschulen und Universitäten bieten in diesem Wintersemester 50 neue Studiengänge an. Eine Auswahl.

Motorsport Engineering

Schnell, aufregend und voller Emotion - der Motorsport begeistert viele. Doch nicht nur die Fahrer selbst spielen eine Rolle, sondern auch die Fahrzeugentwickler. Interessierte können nun Motorsport Engineering an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) in Amberg-Weiden studieren. Sie lernen, die Rennwagen der Profis zu entwickeln und zu bauen. Bei Praktika oder Motorsport-Projekten können Studenten erste Erfahrungen sammeln und sich im Running Snail Racing Team der OTH sogar am Bau eines Rennwagens beteiligen.

Die Grundlage des Studiums bilden Fächer aus Naturwissenschaften und Maschinenbau: Mathematik, Physik, Werkstofftechnik, Konstruktion und technische Mechanik. Die Absolventen können mit ihrem Abschluss beim Formelsport, Tourenwagen-Rennen oder im Rallyebereich arbeiten. Neben technischen Kenntnissen stehen auch E-Mobilität und umweltfreundliches Fahren im Mittelpunkt.

Climate Change Management

Ganz im Zeichen des Umweltschutzes steht der neue internationale Master Climate Change Management an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HaW) Weihenstephan-Triesdorf in Freising. Wie schafft man es, sich an den Klimawandel anzupassen und Klimaschutzmaßnahmen zu etablieren? Das ist die zentrale Frage des Studiengangs. Fokussiert werden Lösungen für den Klima- und Naturschutz und wie Studierende diese in der Betriebs- und Landschaftsebene anpassen und einbringen können.

Weil interdisziplinäre Erkenntnisse gefragt sind, arbeiten die Fakultäten Landschaftsarchitektur, Nachhaltige Agrar- und Energiesysteme sowie Wald- und Forstwirtschaft zusammen. Es geht um ökologische Lösungen in allen Bereichen der Landnutzung. "Die Studierenden sollen lernen, was es für Möglichkeiten gibt und diese in einem konkreten Beispiel in der Landschaft planen", sagt Matthias Drösler, Professor und Studienfachberater. Der dreisemestrige Studiengang wird auf Englisch unterrichtet und durch ein Praktikum ergänzt.

Bio-Electrical Engineering

Statt mit der Landschaft beschäftigt sich der Bachelor Bio-Electrical Engineering an der TH Ingolstadt mit dem Menschen und mit innovativen Technologien. Damit sind sogenannte Wearables, also kleine Gerätschaften wie etwa Smartwatches, Fitnesstracker oder tragbare Biosensoren gemeint, die Schweiß, Blut, Tränen und Speichel messen und so physiologische Informationen über den Gesundheitszustand einer Person liefern. Mit diesen Daten können Ärzte ihre Patienten dann besser behandeln.

Am Ende des Studiums sollen die Studenten "innovative elektronische Geräte oder Verfahren zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten, zur Rehabilitation von Patienten und zur Verbesserung der Gesundheit" entwickeln können, heißt es auf der Hochschulwebsite. Der Studiengang vereint deshalb naturwissenschaftliche, ingenieurwissenschaftliche und nichttechnische Disziplinen. Mit Themen wie Medizinrobotik, Wearables, Prothetik und Bionik beinhaltet er viele verschiedene, zukunftsorientierte Aspekte der Medizin.

Hebammenwesen

Weniger technisch, aber ebenfalls im Gesundheitswesen angesiedelt ist der neue Bachelor Hebammenwesen an der Hochschule Landshut. Bereits ausgebildete Hebammen können sich dort weiterbilden, um mit jüngeren Kolleginnen gleichzuziehen. Denn seit Januar 2020 gilt das neue Hebammengesetz, das den Beruf akademisiert. Landshut ist der einzige Standort in Bayern, der eine solche Weiterbildung anbietet.

In diesem Studium lernen die Hebammen kommunikative Kompetenzen zur Praxisanleitung und vor allem wissenschaftlich zu arbeiten. Es geht zudem um Themen wie Entwicklungspsychologie, Frauengesundheit, Adaptionsprozesse in der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit. Den Hebammen wird ihre Ausbildung auf das Studium angerechnet.

Perimortale Wissenschaften

Nicht mit der Geburt, sondern mit Sterben, Tod und Trauer beschäftigt sich der deutschlandweit einzigartige Masterstudiengang Perimortale Wissenschaften an der Universität Regensburg. Der Begriff "perimortal" bedeutet "um den Tod herum". In Deutschland sterben jährlich etwa 900 000 Menschen. "Sterben ist Zukunftsthema einer alternden Gesellschaft", heißt es deshalb auf der Hochschulwebsite.

Die Studenten lernen, Betroffene zu begleiten, die Grundzüge der perimortalen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpädagogik sowie den Tod in verschiedenen Religionen, Naturwissenschaft und Kultur zu deuten. Auch ethische, rechtliche, ökonomische und organisatorische Fragen rund um den Tod sollen sie nach dem Studium beantworten können. Der Master ist stark praxisorientiert und beinhaltet Projektarbeiten sowie ein Praktikum, das in einem Hospiz, einer Trauereinrichtung oder bei einem Bestatter absolviert werden kann.

Food Quality and Safety

Einer ganz anderen Problemstellung widmet sich der englischsprachige Master Food Quality and Safety an der Universität Bayreuth. Er ist der erste Studiengang an der neuen Fakultät auf dem Campus Kulmbach und verbindet einen biowissenschaftlichen Schwerpunkt mit juristischen und ökonomischen Studien. Die Module umfassen neben Biologie und Biochemie von Lebensmitteln auch Humanbiologie, Bioinformatik, Lebensmittel- und Lebensmittelhandelsrecht, Qualitätsmanagement und Wissenschaftskommunikation.

Die Studenten beschäftigen sich laut Hochschulwebsite mit hochaktuellen Fragen: "Wie versorgen wir möglichst viele Menschen auf möglichst nachhaltige Weise mit qualitativ hochwertigen, gesunden Lebensmitteln?" Der Abschluss befähigt die Absolventen, im Bereich der Lebensmittelqualität und -sicherheit zu arbeiten. Vorausgesetzt wird ein erster Studienabschluss in naturwissenschaftlichen Fächern wie zum Beispiel Biologie oder Biochemie.

© SZ vom 31.10.2020/van/infu
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