Gewalt gegen Neuburger Kita-Personal30-jähriger Vater nach Angriff auf Erzieher in Untersuchungshaft

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In Kitas geht es nicht immer stressfrei zu, es  gebe „schon mal verbale Scharmützel“ mit Eltern. Was sich allerdings jüngst in Neuburg abgespielt hat, ist wohl auch nicht alltäglich. (Symbolfoto)
In Kitas geht es nicht immer stressfrei zu, es  gebe „schon mal verbale Scharmützel“ mit Eltern. Was sich allerdings jüngst in Neuburg abgespielt hat, ist wohl auch nicht alltäglich. (Symbolfoto) Petra Schneider-Schmelzer/Imago

Nachdem ein Vater drei Mitarbeiter einer Neuburger Kita wegen des in seinen Augen falschen Umgangs mit seinem Sohn krankenhausreif geschlagen hatte, haben alle Opfer inzwischen die Klinik wieder verlassen. Die Kita ist seit Mittwoch wieder geöffnet.

Von Alexander Kappen, Neuburg/Donau

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Nach dem tätlichen Angriff eines Vaters auf drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Kindergartens in Neuburg an der Donau sind mittlerweile alle Opfer wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Das teilte Heinz Rindlbacher, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Neuburg, am Mittwoch der SZ mit. Die betreffende Kita hat am Mittwoch wieder ihren Betrieb aufgenommen und damit begonnen, die Vorkommnisse mit professioneller Hilfe aufzuarbeiten. Der mutmaßliche Angreifer sitzt in Untersuchungshaft.

Der 30-Jährige soll nicht damit einverstanden gewesen sein, wie das Kita-Personal nach einem Streit seines Sohnes mit diesem umgegangen ist. Nach Erkenntnissen der Polizei äußerte der Vater am Montagvormittag seinen Unmut auf handgreifliche Art. Er soll – im laufenden Betrieb – einem Mitarbeiter des Kindergartens und dessen Kollegin mit der Faust ins Gesicht und eine weitere Mitarbeiterin mit dem Kopf gegen einen Türstock geschlagen haben. Alle drei mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei nahm den Vater noch am Montag in seiner Wohnung fest.

Nach der Vorführung beim Haftrichter sitzt der 30-Jährige jetzt in Untersuchungshaft. Die Polizei setzt unterdessen ihre Ermittlungen fort. Einen Teil des Kita-Personals habe man bereits vernommen, so der Neuburger PI-Leiter Rindlbacher. Die restlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wolle man im Laufe der Woche befragen. Gegen den mutmaßlichen Angreifer wird zunächst wegen Körperverletzung ermittelt, teilte Oberstaatsanwältin Petra Osthoff, Pressesprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Ingolstadt, auf Anfrage mit.

Ob auch der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllt sei, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen. Mehr könne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Der aggressive Vater soll einen Erzieher und dessen Kollegin, nachdem er sie zu Boden geschlagen hatte, noch mit den Füßen getreten haben, die Frau auch gegen den Kopf.

In Kindertagesstätten gebe es „schon mal verbale Scharmützel“ mit Eltern, berichtete Thomas Hauser, Sprecher des Kita-Zentrums St. Simpert, zu dem auch der betroffene Kindergarten in Neuburg gehört, am Mittwoch am Telefon. Aber eine Auseinandersetzung „in dieser Ausprägung“ sei bisher noch nicht vorgekommen. Von einem entsprechenden Trend könne man – zumindest im zum Bistum Augsburg gehörenden Kita-Zentrum St. Simpert – deshalb nicht sprechen.

Die Katholische Erziehergemeinschaft in Bayern (KEG) weist in einer Mitteilung jedoch darauf hin, dass „die Gewalttaten an Bayerns Bildungseinrichtungen steigen – das belegen nicht nur viele KEG-Mitglieder, sondern auch die amtlichen Daten der Polizei“. Laut dem KEG-Vorsitzenden Martin Goppel stehen „unsere Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher beim Thema Gewalt täglich vor immer größeren Problemen, die sich in den letzten Jahren zunehmend eingeschlichen haben“.  Seitens der Politik gelte es nun, „die Schulen des differenzierten Schulsystems und unsere Kitas, die leider allzu oft von der Politik vergessen werden, dezidiert und differenziert in den Blick zu nehmen“.

„Es ist völlig inakzeptabel, wenn Beschäftigte verletzt werden, nur weil sie ihre Arbeit machen“, sagt die Verdi-Fachbereichsleiterin

Wenn es um den Umgang zwischen oder mit den Kindern gehe, seien Konflikte zwischen Kita-Personal und betroffenen Eltern leider nicht außergewöhnlich, schreibt auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in einer Mitteilung. Es sei jedoch entscheidend, wie sie miteinander gelöst würden. „Es ist völlig inakzeptabel, wenn Beschäftigte verletzt werden, nur weil sie ihre Arbeit machen“, wird Verdi-Fachbereichsleiterin Manuela Dietz in der Mitteilung zitiert.

In dem Neuburger Kindergarten, der nach dem Vorfall am Montag zunächst geschlossen war, wurde der Betrieb am Mittwoch wieder aufgenommen. Einfach zur Tagesordnung ging man aber nicht über. Während die drei Opfer der Gewalttat noch krankgeschrieben sind, habe man „ein kleines Maßnahmen-Paket geschnürt, um alles aufzuarbeiten“, sagte Kita-Sprecher Thomas Hauser. Neben dem Vorstandsvorsitzenden des Kita-Zentrums war auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) mit einem Kriseninterventionsteam in dem Kindergarten im Einsatz. Pädagogische Unterstützung, so Hauser, gebe es zu dem durch das Team von „Kita pastoral“ des Bistums Augsburg und den Caritas-Fachbereich. Diese Hilfe werde man der Einrichtung zur Verfügung stellen, solange es nötig sei.

Am Mittwoch wurden Kinder und Eltern von Mitarbeitern der Kita bereits an der Tür empfangen, um sofort ins Gespräch zu kommen und mit der Aufarbeitung der jüngsten Ereignisse zu beginnen. Um eine Einlasskontrolle handelte es sich dabei nicht, „wobei man jetzt durchaus darüber spricht, aber konkret in Vorbereitung ist noch nichts“, sagt der Kita-Sprecher. Das Kind, dessen Vater das Kita-Personal angegriffen haben soll, war am Mittwoch nicht im Kindergarten. Wie es mit diesem weitergeht, ist noch nicht entschieden. Man werde, so der Sprecher,  „nichts überstürzen“.

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