Wie schön wäre es jetzt in Lübeck statt in Regensburg, in Husum statt in Straubing, auch in Büsum statt im Lechfeld. Da könnte man aufstehen, aus dem Fenster blicken und höchstwahrscheinlich sogar etwas erkennen von der Welt, auch wenn diese Welt aus Meer und Sand besteht. In Bayern dagegen: nichts mit Blau und Weiß, stattdessen nur Weiß, ein schweres, kaum zu durchdringendes Weiß. Der Nebel hat sich über den Freistaat gelegt, seit Tagen, gefühlt seit Wochen, eigentlich den ganzen Winter schon. Man kann der Sonne täglich zusehen, wie sie sich vormittags mühsam durchkämpft, um gegen Mittag wenigstens so etwas wie einen Teilsieg zu erringen.

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15 bis 20, je nach Region auch mal 30 Nebeltage kann es in Schleswig-Holstein pro Jahr haben, dem nebelärmsten deutschen Bundesland. Da schauen die Passauer neidisch mit ihren bis zu 100 Nebeltagen. Überhaupt ist es ja ein Wunder, dass die Menschen im Donautal nicht in kollektive Depression versinken nach so einem Winter, kaum irgendwo in Deutschland gibt es mehr Nebel.
Da freuen sich höchstens Atmosphärenphysiker, die mit Vorliebe Strahlungsnebel von Talnebel, Kaltseeluftnebel, Advektionsnebel, Mischungsnebel, Verdunstungsnebel oder auch Hochnebel unterscheiden und dann einen Vortrag über Inversionslagen halten, die Feuchtigkeit in Bodennähe stauen, weil die kalte, schwere Luft am Boden bleibt und die warme drüber liegt wie ein Deckel auf dem Topf. Solche Details sind dem durchschnittlichen Niederbayern aber vollkommen egal, solange er vormittags in der Suppe wieder die Orientierung verliert.
„Trocknet der Nebel vor neun, wird’s ein schöner Tag heut’ sein“, besagt eine Bauernregel. Was mit dem Tag passiert, wenn der Nebel erst gegen zwölf trocknet, haben die alten Bauersleut offenkundig nur unzureichend studiert. „Hält sich Nebel bis Mittag fest, dann Regen sich bald sehen lässt“, haben sie zwar gedichtet, aber das ist nun meteorologisch eindeutig widerlegt: Regen sehen die gängigen Wettermodelle auf absehbare Zeit nicht vor in Bayern, stattdessen die schönste Frühlingssonne – aber halt erst von Mittag an zu erkennen, eher gegen Nachmittag. Fachleute sprechen in solchen Fällen von Strahlungsnebel, auch Frühnebel genannt, typisch fürs Donautal, das Isartal oder auch das Lech- und Illertal. Die Hoffnung bleibt, dass die Volksweisheit darin zu Recht eine verheißungsvolle Prognose für den Sommer sieht: „Fällt im März der Nebel dicht, wird’s im Sommer Sonnenlicht.“

