Süddeutsche Zeitung

Bayern:Staatsregierung zahlt nicht mehr nach Naturkatastrophen

  • Wer keine spezielle Versicherung hat, bleibt in Zukunft womöglich auf dem Schaden sitzen, der ihm durch eine Naturkatastrophe entstanden ist.
  • Von 2010 bis zum Frühjahr 2018 zahlten die bayerischen Behörden insgesamt fast 900 Millionen Euro aus.
  • Vor allem die unkalkulierbaren Kosten sind der Grund, warum Bayern und mehrere andere Bundesländer ihre Hilfsprogramme einstellen.

Auf Bürger und Gemeinden in Bayern kommt eine in Zeiten des Klimawandels bedeutende Rechtsänderung zu: Vom 1. Juli an zahlt die Staatsregierung bei Naturkatastrophen keine Hilfen mehr - wer sich nicht versichert hat, muss künftig fürchten, auf dem Schaden sitzen zu bleiben. Denn die 2011 eingeführten Richtlinien für die Soforthilfen der Staatsregierung laufen am 30. Juni aus, wie in dem Dokument nachzulesen ist.

"Wie in anderen Lebensbereichen gelten auch beim Schutz gegen Elementargefahren die Grundsätze der Eigenverantwortung und Eigenvorsorge", erklärte ein Sprecher des Finanzministeriums. "Die bayerische Staatsregierung fordert daher alle Bürgerinnen und Bürger in Bayern eindringlich dazu auf, den eigenen Versicherungsschutz gegen die zunehmenden Naturgefahren zu überprüfen und Immobilien und Hausrat umfassend zu versichern."

Von 2010 bis Frühjahr 2018 zahlten die bayerischen Behörden insgesamt fast 900 Millionen Euro aus, wie aus der Antwort auf eine Grünen-Anfrage im Landtag zu entnehmen ist. Vor allem die unkalkulierbaren Kosten sind der Grund, warum Bayern und mehrere andere Bundesländer ihre Hilfsprogramme einstellen.

Eine Standard-Gebäudeversicherung beinhaltet zwar Schutz gegen Sturm und Hagel, nicht aber gegen Überschwemmung und Starkregen. "Nach den Unwetterereignissen der zurückliegenden Jahre wird künftig kaum einer behaupten können, dass man das Unglück nicht voraussehen konnte", sagte Joachim Müller, Chef der Sachversicherung bei der Allianz Deutschland. "Man muss schlichtweg in Zukunft mit schlimmen Naturkatastrophen rechnen."

dpa

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SZ vom 27.06.2019/kaal
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