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Naturschutz:Bevölkerung befürwortet neue Nationalparks

Unterstützung für zwei Nationalpark-Projekte

Im Steigerwald geht es um den Schutz der uralten Buchenwälder in der Region.

(Foto: David Ebener/dpa)

Die Grünen fordern mindestens ein weiteres Großschutzgebiet in Bayern. Die Staatsregierung lehnt das bisher ab und verweist auf mangelnde Zustimmung der Einheimischen in den betroffenen Gebieten. Neue Umfragen widerlegen das.

Von Christian Sebald

Die Grünen haben im Verbund mit Naturschützern ihre Forderung nach mindestens einem weiteren, besser zwei neuen Nationalparks in Bayern erneuert. "Knüpfen wir an die Erfolgsgeschichten der beiden Nationalparks im Bayerischen Wald und in Berchtesgaden an", sagte der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Ludwig Hartmann, am Montag. "Es wird Zeit, dass Bayern als das mit Abstand größte Flächenland Deutschlands seiner Verantwortung für Natur- und Umweltschutz gerecht wird und einen weiteren Brutkasten für mehr Artenvielfalt schafft." Als Standorte für neue Großschutzgebiete kommen aus Sicht der Grünen der fränkische Steigerwald und das Ammergebirge in Frage, das von Garmisch-Partenkirchen bis nach Füssen im Landkreis Ostallgäu reicht.

Hartmann beruft sich bei der Forderung auf neue Umfragen in der Bevölkerung der beiden Gebiete, die seine Fraktion zusammen mit den Pro-Nationalpark-Vereinen dort in Auftrag gegeben hat. Sie ergaben sehr hohe Zustimmungsraten. Im Steigerwald begrüßen demnach inzwischen 75 Prozent der örtlichen Bevölkerung die Ausweisung eines Nationalparks. Im Ammergebirge sind es sogar 81 Prozent. Die Staatsregierung lehnt weitere Großschutzgebiete in Bayern bisher mit der Begründung ab, dass die Mehrheit der Einheimischen dagegen sei. "Mit unserer Umfrage wird dieses Argument nun eindrucksvoll widerlegt", sagte Hartmann.

In beiden Regionen wird seit Langem über die Ausweisung von Nationalparks gestritten. Im Steigerwald geht es um den Schutz der uralten Buchenwälder in der Region, im Ammergebirge wächst ein einzigartiger, vielerorts nahezu unberührter Bergmischwald. Die Besonderheit der Wälder in beiden Regionen hat auch die Staatsregierung erkannt. Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) hat erst unlängst sowohl im Steigerwald als auch im Ammergebirge Naturwälder ausgewiesen und damit unter einen umfassenden Schutz gestellt. Für Florian Tully vom Verein Nationalpark Steigerwald und Hubert Endhardt vom Förderverein Nationalpark Ammergebirge sind die Ergebnisse der Umfragen denn auch Ansporn, nicht nachzulassen in ihrem Einsatz. "Die Menschen haben verstanden, dass Nationalparks keine Käseglocke für eine Region sind", sagte Endhardt, "sondern eine große Chance."

© SZ vom 19.01.2021/syn/van
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