So viel immerhin scheint klar zu sein, dass von Freitagabend an diverse Bauarbeiten an der wichtigen Bahnstrecke zwischen München und Salzburg laufen sollten. Definitives ist für Fahrgäste schwer herauszufinden, zumal sich die Angaben der Deutschen Bahn und anderer Bahnunternehmen wie der österreichischen Westbahn, welche die Strecke ebenfalls bedient, fallweise sehr unterscheiden. Der Geschäftsführer der privaten Bayerischen Regiobahn (BRB), die auf dem ganzen Streckennetz zwischen München, Holzkirchen, Rosenheim, Salzburg und Kufstein den Regionalverkehr fährt, hat seinem Frust mit dem Baustellenmanagement der DB nun in einer deutlich formulierten Erklärung Luft gemacht.
„Wir sind kurz davor, alles hinzuschmeißen und gar nicht mehr zu fahren“, wettert BRB-Chef Arnulf Schuchmann. „Verlässliche Zugfahrten“ seien jedenfalls „nicht mehr möglich“. Denn was man mit den Bauarbeiten und der Kommunikation des bahneigenen Netzbetreibers DB InfraGO seit geraumer Zeit erlebe, sei schlicht nicht mehr zumutbar – „weder für die Fahrgäste noch für unsere Mitarbeitenden“.
Auch aus Sicht der Deutschen Bahn sollten andere Bahnbetreiber und sämtliche Fahrgäste „rechtzeitig über Fahrplanänderungen und Ersatzverkehre informiert werden können“. Man bitte „um Verständnis, wenn dies angesichts der Vielzahl der Baumaßnahmen und bei Verzögerungen nicht immer gelingen kann“.

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Dass es zuletzt oft nicht gelungen ist, führt Schuchmann auf den maroden Zustand des lange vernachlässigten Gleisnetzes und auf die schiere Zahl der Baustellen zurück. Allein auf den 840 Kilometern, auf denen die BRB unterwegs sei, gebe es seit Monaten kaum mehr einen Abschnitt ohne Probleme. Die DB plane überall Arbeiten, komme aber mit der Realisierung nicht hinterher. So würden die einen Baustellen nicht rechtzeitig fertig und die anderen nicht einmal pünktlich begonnen oder gleich ganz abgesagt. Und all das erfahre die BRB erst drei Tage im Voraus und nicht volle zwei Monate, wie es üblich und zum Disponieren von Zügen, Personal und Bussen nötig wäre: „Unsere Betriebsplanung plant derzeit nur ungefähr. Das ist kein Witz, sondern bittere Realität.“
Dass die doch noch ausgearbeiteten Ersatzpläne nicht bei den Fahrgästen ankommen, liegt laut Schuchmann daran, dass die digitalen Auskunftssysteme der DB völlig veraltet und viel zu schwerfällig seien – besonders für das extrem kurzfristige Ankündigen von Bauarbeiten. Denn eine Aktualisierung erfolge „nur alle paar Tage“ und dazwischen sei jede Änderung ausgeschlossen.

Die Klagen über die kurzfristige Information durch die DB haben längst auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) erreicht, die für den Freistaat den Regionalverkehr bestellt und überwacht. Die DB habe zugesagt, dass beim „fristgerechten Bereitstellen von Informationen zu geplanten Baumaßnahmen“ ab Mitte November „eine Verbesserung zu erwarten“ sei, heißt es auf Anfrage von der BEG. So können die Verkehrsunternehmen „rechtzeitiger in die Planung und Kommunikation geänderter Fahrpläne oder Ersatzkonzepte einsteigen“. Bisher ist die Besserung nach Ansicht der betroffenen Unternehmen aber nicht eingetreten.
Das eigene Schienennetz sei „zu alt, zu voll und zu störanfällig“, sagt dazu eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Zugleich verweist sie darauf, dass man die Infrastruktur massiv modernisiere „und wir es in diesem Jahr erstmals geschafft haben, die weitere Verschlechterung des Infrastrukturzustands zu stoppen“. Die Zahl der Baustellen im Schienennetz werde aber „weiter hoch“ bleiben. Nach aktuellem Stand werde die DB InfraGO 2026 allein in Bayern rund 500 Kilometer Gleise und mehr als 200 Weichen erneuern. „Wir wissen, dass die vielen Baustellen den Reisenden viel Geduld abverlangen und bitten um Verständnis.“

