Süddeutsche Zeitung

Klimawandel:Moorrenaturierung kommt nicht voran

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Vor zwei Jahren hat Söder ein millionenschweres Projekt im Donaumoos angekündigt. Bislang ist jedoch noch nicht viel passiert. Jetzt fordern Naturschützer die Umsetzung ein.

Von Christian Sebald

Was war das für ein Auftrieb an Politprominenz vor zwei Jahren in Langenmosen im Donaumoos. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war mit Umweltminister Thorsten Glauber (FW) und Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) aus München angereist und verkündete das größte Moorrenaturierungsprojekt, das es jemals im Freistaat gegeben hat. Binnen zehn Jahren, so Söder damals, sollten 2000 Hektar des ehemals größten Niedermoors in Bayern wiedervernässt werden. "Klimaschutz daheim", sagte Söder. "Wir wollen in Bayern vorangehen und bis 2040 klimaneutral sein. Ein zentraler Aspekt ist die Verbesserung natürlicher CO₂-Speicher." 200 Millionen Euro, so versprach Söder, werden bis 2031 in das Projekt gepumpt, pro Jahr also 20 Millionen Euro. Die Naturschutzverbände, insbesondere der Landesbund für Vogelschutz (LBV), waren begeistert.

Umso größer ist jetzt die Enttäuschung. Denn außer der Ankündigung und Vorarbeiten ist bisher nichts passiert - zumindest nichts Sichtbares. "Das Projekt bietet die einmalige Chance, Maßnahmen zum Klima- und zum Artenschutz großflächig umzusetzen", sagt LBV-Chef Norbert Schäffer. "Deshalb ist es unverständlich, dass noch kein Quadratmeter Donaumoos wiedervernässt worden ist." Seine Forderung: Für die Renaturierung natürlicher CO₂-Speicher müsse das gleiche Tempo gelten wie für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Außerdem brauche es den "ernsten Willen aller zum Mitmachen", Landwirte, Behörden und Kommunalpolitiker, aber auch die Bevölkerung insgesamt müssten an einem Strang ziehen. Dieses Jahr müssten endlich die ersten Wiedervernässungen stattfinden.

Zugleich kritisiert der LBV-Chef, dass das Donaumoos aktuell vor allem als Standort für riesige Solarparks im Fokus stehe. "Wenn schon ein Solarpark auf einem Moorstandort errichtet werden soll, müssen die Planungen zwingend mit dem Moorbodenschutz verbunden werden", sagt Schäffer. Außerdem sei angesichts der vielen Projekte im Donaumoos ein Gesamtkonzept nötig. Auch der Artenschutz müsse gestärkt werden - etwa indem ausreichend Flächen für gefährdete Wiesenbrüter-Arten wie den Brachvogel und den Kiebitz renaturiert werden.

Das Donaumoos im Südwesten von Ingolstadt war einst mit einer Fläche von 17 000 Hektar und Torfmächtigkeiten von bis zu vier Metern das bedeutsamste süddeutsche Niedermoor. Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde es systematisch trockengelegt, damit es landwirtschaftlich genutzt werden kann. Heutzutage bauen die Bauern dort vor allem Kartoffeln und Mais an. Durch die fortschreitende Zersetzung der Torfschicht werden etwa 400 000 Tonnen CO₂ pro Jahr freigesetzt. Das von Söder angekündigte Programm sieht vor, dass auf 2000 Hektar Fläche der Ackerbau einer Wiesenwirtschaft weichen soll. Dadurch soll auf ihnen der weitere Verlust an Moorboden und der Austritt des Klimagases CO₂ verhindert werden. Unter den Bauern gibt es starke Vorbehalte gegen das Projekt. Als Söder es in Langenmosen verkündete, fand gleichzeitig eine lautstarke Traktoren-Kundgebung statt.

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