Bildungspolitik in BayernMehr Geld, mehr Personal, mehr Zeit: Was sich Mittelschullehrer wünschen

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Bayerische Mittelschulen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Der BLLV hat jetzt fünf konkrete Forderungen aufgestellt, damit diese auch bewältigt werden können.
Bayerische Mittelschulen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Der BLLV hat jetzt fünf konkrete Forderungen aufgestellt, damit diese auch bewältigt werden können. Imago
  • Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband fordert eine bessere finanzielle Ausstattung, mehr Personal und eine höhere Wertschätzung für Mittelschulen.
  • Mehr als 50 Prozent der Mittelschüler in Bayern haben Migrationshintergrund, was Chancen bietet, aber auch große Herausforderungen schafft.
  • Viele Mittelschullehrkräfte arbeiten dauerhaft am Limit, 34 Prozent gingen wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand.
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Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler an Mittelschulen in Bayern haben einen Migrationshintergrund. Das ist eine Chance - und eine Herausforderung.

Von Lea Ehrenberg

Zu große Klassen, zu wenig Fachkräfte, wenig gesellschaftliche Anerkennung: Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) wünscht sich „echte Verbesserungen“ für die Mittelschulen. Gerd Nitschke, Vizepräsident des BLLV, stellte am Montag fünf konkrete Forderungen auf: eine bessere finanzielle Ausstattung der Schulen, die Aussetzung des geplanten Stellenmoratoriums für das Jahr 2026, eine höhere Wertschätzung der Lehrkräfte, mehr Unterstützungskräfte und für die Schulleiter mehr Entlastung und auch eine bessere Bezahlung.

Im Durchschnitt würden etwa 20,2 Schülerinnen und Schüler in einer Mittelschulklasse unterrichtet, sagte Nitschke. Das sei zu viel. Hätten doch viele Schüler individuellen Förderbedarf. Mehr als die Hälfte der Schüler an Mittelschulen in Bayern hätten einen Migrationshintergrund. Das sei zum einen eine „Riesenchance“, weil man so verschiedene Kulturen kennenlernen könne, gegenseitigen Respekt lerne, Toleranz entwickle und Integration leiste. Auch das Lehrerzimmer sei diverser, was neue Ansätze und Methoden aufzeige.

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Zum anderen sei es aber auch eine „Riesenaufgabe“. Für viele Kinder sei Deutsch die Zweitsprache, erläuterte Christian Karrasch, Förderlehrer aus Ingolstadt, was oft besonderer Förderung bedürfe. Förderung, für die es nicht genug Personal und Zeit gebe.

Der Unterricht gestalte sich unter diesen Bedingungen auch schwierig in einer Kleingruppe mit vier, sechs oder zehn Kindern. Denn die Zusammensetzung sei sehr heterogen. Hier träfen Kinder, die noch nie zuvor eine Schule besucht hätten, weil in ihrem Heimatland gerade Krieg herrsche, auf Kinder, die in ihrem Heimatland ein Gymnasium besucht hätten und bereits vier Sprachen sprechen würden. Das sei im Unterricht schwer unter einen Hut zu bringen.

Außerdem hätten fünf Prozent der Kinder an einer Mittelschule einen sonderpädagogischen Förderbedarf, informierte BLLV-Vize Nitschke weiter. Nicht allen Schülerinnen und Schülern könne man den Förderunterricht ermöglichen – es gebe zu wenig Stunden, zu wenig Personal. Am Anfang des Schuljahrs müsse man auswählen: Welches Kind bekommt eine Chance, welches nicht? Karrasch forderte darum, das Berufsbild attraktiver zu machen.

Gespräche über eine Weiterentwicklung der Mittelschule seien „ernüchternd“ verlaufen, sagt die BLLV-Präsidentin

Dazu beitragen würde, Lehrern und Schülern der Mittelschule mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Florian Schmidt, Schulleiter der Rockefeller Mittelschule in München, sagte, er sei einmal von einem Sechstklässler gefragt worden, warum er denn „nur“ Direktor einer Mittelschule geworden sei. Das sage viel über das Selbstbild dieses Schülers, sagte er.

Viele Mittelschullehrerinnen und -lehrer würden dauerhaft am Limit oder darüber arbeiten und sich erst krankmelden, wenn es gar nicht mehr anders gehe, so Florian Schmidt. Denn bei Krankheit falle Unterricht oft aus.

Von der Mittelschulwerkstatt, einem von Kultusministerin Anna Stolz initiierten Dialogformat zur Weiterentwicklung der Mittelschule, das Ende 2025 lief, habe sich der BLLV viel erhofft, erklärte Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV. Das Ergebnis sei jedoch „ernüchternd“ gewesen. Denn über Personal habe Stolz nicht sprechen wollen.

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