bedeckt München 32°

Landwirtschaft:"Wir können ja nicht an jedem Maisfeld einen Polizisten abstellen"

"Maismonokulturen sind für Boden und Artenvielfalt nicht gut. Und sie sind sehr verknüpft mit konzentrierter Tierhaltung", befindet Jutta Sundermann. Die Journalistin und Aktivistin ist in der Szene der Agrarkritiker gut vernetzt. Sie wundert sich über die Attacken. "Ich weiß, dass es Aktivisten gibt, die auch mal zu Sabotage greifen. Die wählen aber etwas aus, das sich gegen größere Machtpositionen richtet. Da geht es auch manchmal um die Tierhaltung", sagt sie.

Auch Josef Schmid, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, kennt die Maisproblematik. Die Körnerfrucht sei Teil eines "verfluchten Wettbewerbs", sagt er. Maissilage für Biogasanlagen statt als Rinderfutter bringe mehr Geld. Das - und eine auf Wachstum ausgerichtete Agrarpolitik - verschärfe die Konkurrenz um wertvollen Pachtgrund. Dass sich daraus immer wieder Streitereien ergeben, berichten auch andere Landwirte der SZ.

Für Markus Kühnle ist das keine Erklärung. Wegen seiner Maisfelder habe ihn niemand angegangen. Seine Silage landet ausschließlich als Futter im Kuhstall. Auch in der zuständigen Polizeiinspektion Neustadt/Aisch tun sich die Beamten mit der Tätersuche zu den aktuellen Vorfällen schwer. "Wir können ja nicht an jedem Maisfeld einen Polizisten abstellen", sagt Dienststellenleiter Siegfried Archut. Seinen Kollegen und ihm sei wichtig, "dass wir in alle Richtungen ermitteln". Er unterstellt dem oder den Tätern aber zumindest "eine gewisse Fachkenntnis, wie eine Erntemaschine funktioniert". Ansonsten gebe es kaum Gemeinsamkeiten. "Wir haben alles geprüft", sagt Archut.

Weder das verwendete Material, noch Ort und Vorgehensweise ergäben ein Muster. Mal wurden Maisfelder für Biogasanlagen, mal für Futtermais attackiert. Mal treffe es Großbauern, mal kleine Landwirte. Der Sachschaden liege inzwischen im fünfstelligen Bereich. Und für Markus Kühnle kann noch etwas folgen: Möglicherweise seien bei der Ernte Nägel unentdeckt geblieben und in die Silage gelangt, fürchtet er. Frisst eine Kuh das Eisenteil, "ist das ihr Todesurteil".

Für kommendes Jahr will Kühnle Abhilfe schaffen: Zusammen mit den anderen Maisbauern im Landkreis hat er für Hinweise eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt. Außerdem sollen an Feldern insgesamt 1000 Wildkameras aufgestellt werden, sichert Jürgen Dierauff vom Bayerischen Bauernverband zu.

Vom Maisanbau kann Kühnle nicht ohne Weiteres lassen. Gerade in trockenen Gebieten sei der "die Rettung". So wird Kühnle auch im nächsten Jahr wieder auf dem Maishäcksler sitzen - und nicht wissen, was der nächste Meter für ihn bereithält.

© SZ vom 11.10.2019/syn
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB