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Landkreis Miltenberg:Drei Sprengungen in einem Monat

Geldautomat

Gesprengte Geldautomaten sehen Experten als neue Art des Banküberfalls.

(Foto: dpa)

Erneut explodiert in Unterfranken ein Geldautomat, der oder die Täter rasen der Polizei davon und entkommen in der Nacht. Auch im Rest Bayerns steigt die Zahl der Fälle.

Von Kassian Stroh

Erneut ist in Unterfranken ein Geldautomat gesprengt worden - zum dritten Mal binnen drei Wochen. In Sulzbach am Main, einer Gemeinde im Landkreis Miltenberg, explodierte am Donnerstagmorgen gegen 2.30 Uhr der Automat einer Bankfiliale an der Hauptstraße, wie die Polizei in der Nacht mitteilte. Sie geht von drei Tätern aus, die ein Gasgemisch genutzt hätten. Ein Zeuge hatte das Geschehen beobachtet und sie alarmiert.

Er beobachtete nach Angaben der Polizei einen Mann, der nach der Explosion in einen schwarzen Audi A6 gestiegen und gen Süden Richtung Kleinwallstadt davon gefahren sei. Polizisten hätten zeitweilig auch ein verdächtiges Auto verfolgt. Das aber sei so schnell gefahren, dass sie die Verfolgung abgebrochen hätten, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. Der Täter habe Bargeld in noch unbekannter Höhe erbeutet. Die Polizei fahndete in der Nacht mit einem Großaufgebot nach ihm, auch mit Hilfe von Polizisten aus Hessen und einem Hubschrauber - bis zum Morgen aber ohne Erfolg.

Es ist dies die dritte Geldautomaten-Sprengung in Unterfranken im September - ob die Taten miteinander in Verbindung stehen, werde nun geprüft, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken. Erst vor sechs Tagen sprengten laut Polizei zwei Männer einen solchen in Geiselbach im Landkreis Aschaffenburg. Am 2. September meldete sie einen solchen Fall aus Kist bei Würzburg; dort war von mindestens zwei Tätern die Rede. Und die Zahl der Fälle scheint erneut zuzunehmen. Mindestens 20 hat die bayerische Polizei in diesem Jahr bereits gezählt, 14 von ihnen in Franken, vier in Oberbayern. Meist in kleineren Orten auf dem Land, aber nicht nur. Erst im Juni wurde eine entsprechende Serie von drei Taten in Oberfranken registriert.

Die Zahl der gesprengten Geldautomaten in Bayern wächst von Jahr zu Jahr: 2017 waren es nach Angaben des Landeskriminalamts noch elf, 2018 dann 22 Fälle und im vergangenen Jahr 27 Fälle. "Die Sprengung von Bankautomaten ist der Bankraub des 21. Jahrhunderts, so hat das der bayerische Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Robert Krieger, einmal formuliert. Da in vielen Banken am Schalter kaum noch Geld zu bekommen ist, ist der klassische Banküberfall für mögliche Täter weniger attraktiv geworden. Bundesweit wurden laut Bundeskriminalamt im vergangenen Jahr 349 Geldautomaten gesprengt, die Täter erbeuteten dabei insgesamt gut 15 Millionen Euro.

© SZ.de/vewo

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