Kanzler-Besuch in OberbayernWas Merz nach Miesbach verschlägt

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Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte die CSU in Miesbach, da traf er auf Landtagspräsidentin Ilse Aigner, mit der Merz und seine Frau befreundet sind.
Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte die CSU in Miesbach, da traf er auf Landtagspräsidentin Ilse Aigner, mit der Merz und seine Frau befreundet sind. (Foto: Quelle: BR24)

Bei politischen Neujahrsempfängen kann die Gästeliste spannender sein als die Veranstaltung selbst. Etwa, wenn der Kanzler bei Landtagspräsidentin Aigner vorbeischaut oder Ministerpräsident Söder Sängerin Vicky Leandros einlädt.

Kolumne von Katja Auer

Das neue Jahr beginnt vielerorts mit Neujahrsempfängen. Bürgermeister, Bischöfe, Verbände und Parteien laden zum geselligen Beisammensein bei Getränken und Häppchen, gerne mit einem prominenten Redner oder, seltener, einer Rednerin. Dem oder der obliegt es dann, ein bisschen Zuversicht zu verbreiten für das neue Jahr, auch wenn dieses wenig erfreulich begonnen hat.

Der prachtvollste aller Neujahrsempfänge ist der des Ministerpräsidenten in der Münchner Residenz. Heuer ohne Defilee, Markus Söder sparte sich das mindestens zweistündige Händeschütteln, da er wegen seiner Hüftoperation unmöglich so lange hätte stehen können. Die Rede hielt er freilich dennoch selbst, wer braucht einen Gastredner, wenn der medienwirksamste aller Ministerpräsidenten des schönsten aller Bundesländer selbst der Gastgeber ist.

Weil Söder auch der unterhaltsamste aller Ministerpräsidenten ist, andere nennen ihn den schillerndsten, was nicht ausschließlich positiv konnotiert ist, darf es bei seiner Veranstaltung auch etwas bunter zugehen. Die Spider Murphy Gang ist schon in der Residenz aufgetreten, im vergangenen Jahr war es eine ABBA-Cover-Band und heuer Vicky Leandros. „Ich liebe das Leben“, heißt einer ihrer Titel. Wenn das keine gute Botschaft zum Jahresbeginn ist.

Sängerin Vicky Leandros trifft immer wieder auf Ministerpräsident Markus Söder, wie im November, als sie den Bayerischen Verdienstorden von ihm bekam. Nun war sie beim Neujahrsempfang als Show-Act geladen.
Sängerin Vicky Leandros trifft immer wieder auf Ministerpräsident Markus Söder, wie im November, als sie den Bayerischen Verdienstorden von ihm bekam. Nun war sie beim Neujahrsempfang als Show-Act geladen. (Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images)

Während sich der CSU-Chef also einen Schlagerstar einlud, kam zwei Tage später der Bundeskanzler zu einem anderen Neujahrsempfang nach Bayern. Friedrich Merz war zu Gast bei der CSU Miesbach. Deren Vorsitzender ist der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan, allerdings kam der CDU-Chef mutmaßlich nicht vor allem seinetwegen.

Sondern wegen Ilse Aigner, Bayerns Landtagspräsidentin und örtliche Stimmkreisabgeordnete, die mit Merz und seiner Ehefrau Charlotte seit vielen Jahren befreundet ist. Gut befreundet, wie sie selbst sagt. Was sie über Markus Söder so nicht dauernd sagt. Der war übrigens zu der Zeit beim Neujahrsempfang in Eichstätt und hernach in Straubing.

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Merz hat in Oberbayern ein Ferienhäuschen, das ist das eine, das andere ist jedoch, dass er gerne eine Frau im Amt des Bundespräsidenten sehen möchte, wenn im Februar 2027 gewählt wird. Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier darf nicht mehr antreten, die Union beansprucht das Amt für sich, Merz und Aigner mögen sich – seit Monaten befeuert das die Spekulationen um eine mögliche Präsidentin Aigner.

Freilich wird das nicht bei der CSU Miesbach entschieden. Auch nicht am Neujahrsempfang. Aber es kann gut sein, dass die Oberbayern-CSU aus dem Besuch von Merz ein wenig Zuversicht geschöpft hat. Und auch jene, denen eine Bundespräsidentin Aigner schon deswegen gelegen käme, weil sich jeder Rest-Kanzlertraum von Markus Söder damit ein für alle Mal erledigt hätte. Oder, um es mit Vicky Leandros zu sagen: „Das Karussell wird sich weiterdrehen.“

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