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Unter Bayern:Wenn der Horizont am Weißwurstäquator endet

Schweinebraten mit Kartoffelknödel, 2011

Einmalig 2500 Euro für jeden, der unter freiem Himmel in einem Gastronomiebetrieb bayerische Schmankerl im Wert von mehr als drei Euro verzehrt - dieser CSU-Vorschlag stößt auf viel Kritik.

(Foto: C. Hess)

Unser Autor malt das Bild von einem Kanzler Markus Söder und wie dieser dazu stehen könnte, den Verzehr bayerischer Schmankerl mit einer Biergartenprämie zu belohnen.

Glosse von Roman Deininger

München im Juni 2025. Bundeskanzler Markus Söder (CSU) hat erneut Forderungen seiner eigenen Partei nach einer "Biergartenprämie" zurückgewiesen. "Mit mir wird es keine Biergartenprämie geben", sagte Söder der Neuen Ruhr Zeitung. "Das wäre eine Subvention mit sozial fragwürdiger und regional begrenzter Lenkungswirkung." Das Konzept der CSU-Spitze sieht vor, dass jeder Gast, der in einem Gastronomiebetrieb unter freiem Himmel bayerische Spezialitäten für mehr als drei Euro konsumiert, vom Bund eine Einmalzahlung von 2500 Euro erhält. Bei einem Auftritt in der NDR-Talkshow "Dit und Dat op Platt " verschärfte Söder seine Kritik: "Ich habe manchmal den Eindruck, dass der Horizont mancher Leute in München am Weißwurstäquator endet."

Die CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsidentin Michaela Kaniber sagte daraufhin, sie erwarte, "dass sowohl die Bundesregierung als auch das Bundesverfassungsgericht ihrer Verantwortung für die große Gruppe von Bürgern gerecht werden, die entweder eine Gastronomie betreiben oder dort Kunde sind". Nicht umsonst könnten sich 94 Prozent der Bayern laut einer Umfrage der Hanns-Seidel-Stiftung "gut oder sehr gut vorstellen, eine Biergartenprämie anzunehmen". 99,7 Prozent davon seien sogar bereit, sich die Prämie gleich an der Kasse in bar auszahlen zu lassen. "Im Raumschiff Berlin verliert man offenbar außer Blick, was die Menschen wollen."

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Kaniber wies indes Berichte zurück, wonach die CSU Söder die Unterstützung für die Bundestagswahl im Herbst entziehen könnte: "Wir stehen voll hinter unserem Bundeskanzler Markus Söder. Es ist aber unsere Pflicht als Demokraten, auch die Stärken anderer Bewerber anzuerkennen." Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und der von der FDP nominierte Youtuber Rezo seien "hochkarätige Persönlichkeiten": "Da wäre es vermessen zu sagen, unser Spitzenkandidat ist der Beste und für den geben wir jetzt eine Wahlempfehlung ab", so Kaniber, die in Bayern seit der Landtagswahl 2023 mit der bundesweit einmaligen "Gscheckerten-Kuh-Koalition" aus CSU, Freien Wählern, FDP, ÖDP, Bayernpartei und dem unabhängigen Abgeordneten Ludwig Spaenle regiert.

© SZ vom 13.06.2020/syn
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