Gerichtsentscheid:Ehemaliger Schulleiter verliert Beamtenstatus

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Verfahren Schulleiter

Oberlandesanwalt Robert Kirchmaier (links) und der Verteidiger von Max L., Martin Rademacher (rechts).

(Foto: Viktoria Spinrad)

Er hatte mehr als 20 000 Euro Schulfahrtgeld auf Konten seiner Kinder weitergeleitet. Nun verliert er den Kampf gegen die Aberkennung seiner Pensionsansprüche.

Von Viktoria Spinrad

Keine zehn Minuten ziehen sich die Richterinnen und Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof am Montag zur Beratung zurück, dann geht es ganz schnell. Max L. habe sich "untragbar" gemacht, sagt der Vorsitzende Richter, die Berufung werde zurückgewiesen. Max L. ist selber nicht da, für ihn ist es ein bitteres Ende seiner Schullaufbahn: Nach mehr als 20 Jahren Schuldienst verliert der ehemalige Schulleiter seine Pensionsansprüche. Er wird nie wieder an einer staatlichen Schule arbeiten können.

Insgesamt 20 400 Euro, die eigentlich für Klassenfahrten vorgesehen waren, hatte der ehemalige Schulleiter auf Konten seiner Söhne umgeleitet. Dafür war er vor vier Jahren zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zwei Monate mehr, und er hätte qua Gesetz seinen Beamtenstatus verloren. Das übernahm ein Jahr später dann das Regensburger Verwaltungsgericht. Die Berufung hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof nun zurückgewiesen: Damit hat L. alle seinen rechtlichen Optionen ausgeschöpft.

Was in der Justiz ein Beschluss mit enormem Seltenheitswert ist, das ist für Max L. vor allem der letzte Akt eines beruflichen Dramas. Denn eigentlich war der Schulleiter ein Überflieger. Ein Musterbeamter mit überdurchschnittlichen Noten. Einer, der Bücher schrieb und viel Lob einheimste. So auch bei seinem Wechsel an das Mainburger Gabelsberger-Gymnasium (Landkreis Kelheim). So kompetent, so verlässlich, so einfühlsam sei er, ist nachzulesen. Er selber gab sich bescheiden: "Ich bin nicht perfekt", sagte Max L.

Da hatte er an seiner vorherigen Schule, dem Maristen-Gymnasium in Furth bei Landshut, bereits Tausende Euro veruntreut. Möglich war das, weil er auf der Privatschule der Schulstiftung des Bistums Regensburg das Konto für Klassenfahrten verwaltete. Dort wurden unter anderem Erlöse aus Pausenverkäufen und anderen Events eingezahlt. Doch statt entsprechende Überschüsse an die Schulstiftung zu überweisen, leitete er das Geld unter anderem auf die Konten seiner vier Kinder weiter. Das Geld war also noch theoretisch vorhanden - nur eben nicht dort, wo es sein sollte.

Das betonte am Montag denn auch der Vorsitzende Richter. Alleine der Umstand, dass das Vermögen noch vorhanden war und man es für den ursprünglichen Zweck hätte verwenden können, räume den Vorwurf der Untreue nicht aus, sagte Ludwig Wagner. Zwar hatte Max L. das Geld zurückgezahlt, nachdem die Lücken an seiner alten Schule aufgefallen waren. Eine lückenhafte Überwachung sei aber "kein Freibrief", sagte der Richter. Zumal Max L. zunächst versucht hatte, die Geldflüsse zu verschleiern. Das Geld solle in einen neuen Schulbus fließen, behauptete er stets.

Auch eine Selbstanzeige konnte ihn schlussendlich nicht retten. Nach seiner strafrechtlichen Verurteilung suspendierte ihn die Disziplinarbeamten der bayerischen Landesanwaltschaft im Juni 2017 vom Dienst. Nach den Pfingstferien tauchte er nicht mehr auf, sodass der stellvertretende Schulleiter einspringen musste. Die Schüler wollten von ihrem vermeintlichen Vorzeige-Schulleiter nichts mehr wissen: Sie luden ihn kurzerhand vom Abiball aus.

Auch am Tatort 20 Kilometer südöstlich von Mainburg zog man Konsequenzen. Mittlerweile sei die Finanzverwaltung nicht mehr an der Schule angesiedelt, berichtet Schulleiter Christoph Müller. Diese liege nun zentral bei der Schulstiftung in Regensburg. Fünfeinhalb Jahre nach der ersten Verurteilung wirkt er überrascht, dass die Causa Max L. immer noch die Gerichte beschäftigt: "Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass da noch was kommt", sagt er.

Dass da nun noch etwas kam, dürfte auch mit dem Versuch zu tun haben, neben der Pension auch ein Lebenswerk zu retten. Max L. sei persönlich sehr mitgenommen, deutete sein Anwalt am Montag an. Warum ein Vorzeige-Pädagoge ohne strafrechtliche Vorgeschichte Geld auf die Konten seiner Söhne verschiebt? Es ist eine Frage, auf die auch er keine Antwort hat. Wie es weitergehen soll, darauf hat sich Max L. in der Zwischenzeit selber eine Antwort gegeben: Er arbeitet mittlerweile als Post-Doc in der Mathematik.

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