Der Mai macht einer Volksweise zufolge alles neu, allerdings folgt er dabei einigen Routinen. Erst wird hineingetanzt, bevor er kämpferisch startet mit dem Tag der Arbeit. Dann wird traditionell ein Maibaum aufgestellt und in der Mitte des Monats warten die Gartenbesitzerinnen und Balkonbegrüner auf die Eisheiligen, weil sie danach endlich die Tomaten und Chilis hinauspflanzen können.
Der Vatertag ist heuer auch im Mai, da muss gewandert und Bier getrunken werden. Freilich erst in zweiter Linie, zunächst ist Christi Himmelfahrt zu feiern. Und dann gilt es auch noch der Muttergottes zu huldigen, schließlich ist der Mai in der katholischen Kirche der Marienmonat. Die Maiandachten und Marienwallfahrten werden zwar weniger in Bayern, aber es gibt sie noch.
Wer dann auch noch heiraten möchte, weil sich der Mai als Wonnemonat geradezu aufdrängt dafür, der könnte beinahe in Terminschwierigkeiten kommen. Im Jahr 2024 war der Mai dennoch der beliebteste Hochzeitsmonat in Bayern. 7513 Paare haben sich im Mai das Ja-Wort gegeben, davon 1104 am 24. Mai 2024, vermutlich der Schnapszahl wegen, das merkt man sich einfach leichter.
Sogar 1264 Paare waren es am 2. Mai 2025, ein Ausreißer allerdings, denn der Trend zum Bund fürs Leben ist in Bayern dem Landesamt für Statistik insgesamt leicht rückläufig. Der 2.5.25 ergab aber auch eine Schnapszahl, noch dazu an einem Freitag, der Statistik nach der beliebteste Tag zum Heiraten. Es darf also die Prognose gewagt werden, dass in diesem Jahr am 6.5.26 nicht ganz so viele Trauungen anstehen, trotz eingängigen Datums, er fällt nämlich auf einen Mittwoch.
Insgesamt wird in den vergangenen Jahren immer weniger geheiratet, das mag an der demografischen Entwicklung liegen und an neuen Lebensentwürfen, vielleicht wird es den Paaren aber auch einfach zu anstrengend. So eine Hochzeit verlangt Ausdauer.
Erst ein Polterabend, dann kommen mancherorts in aller Frühe die Böllerschützen zum Wecken, denen bestenfalls Weißwürste serviert werden müssen. Nach der Trauung muss das Brautpaar einen Baumstamm zersägen, dann wird ein Brautschuh versteigert und die Braut entführt. Das ist nicht erst einmal völlig eskaliert, sodass sich das Paar erst Stunden später wiedergefunden hat, im schlechtesten Fall mit deutlich höherem Alkoholpegel als zuvor. Dann muss noch die Hochzeitstorte angeschnitten werden, ein Hochzeitswalzer getanzt und der Brautstrauß geworfen werden.
Kein Wunder, dass sich die Bayern inzwischen lieber im Sommer verheiraten, wenn nicht ganz so viel los ist wie im Mai. Da ist übrigens heuer auch noch Pfingsten. Nur gut, dass kaum einer so genau weiß, was da überhaupt gefeiert wird. Und wie. Das lässt sich also ganz entspannt angehen.


