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Öffnungen in Bayern:Der Mahner Söder zeigt Nerven

Videokonferenz des CSU-Vorstands

Der schwierigste Teil der Pandemie hat für Ministerpräsident Söder gerade erst begonnen.

(Foto: dpa)

Das Zusperren war eine vergleichsweise einfache Übung - doch das Aufsperren ist der schwierigste Teil der Pandemiebekämpfung. Der Ministerpräsident muss seine Strategie ändern.

Kommentar von Sebastian Beck

Viele Menschen in Bayern haben keine Lust mehr auf Pandemie. Sonnenschein und 19 Grad - das klingt eindeutig nach Frühling, aber nicht nach Kontaktbeschränkung oder gar verschärftem Lockdown wegen neuer Mutanten. Wer am vergangenen Wochenende die Massen von Ausflüglern in Parks oder an Flussufern beobachtet hat, den beschlich ein mulmiges Gefühl angesichts des Leichtsinns. Andererseits: Wer will es etwa den Menschen in Berchtesgaden verdenken, wenn sie nach vier Monaten des Lockdowns die Nase voll haben? Nach wie vor plädiert in Umfragen eine Mehrheit für die Beibehaltung der Restriktionen, was aber nicht heißt, dass sich die Mehrheit noch an die Auflagen hält - siehe Staatsminister Bernd Sibler.

Ministerpräsident Markus Söder stößt mit seiner Politik der Vorsicht und des dauernden Mahnens an Grenzen. CSU-Abgeordnete bekommen in ihren Stimmkreisen die miese Stimmung unter Geschäftsleuten zu spüren. Entsprechend nervös reagiert inzwischen auch die Staatsregierung. Mit ihrer durchaus riskanten Öffnung von Schulen, Baumärkten und Friseuren hat sie den Druck nicht gesenkt, im Gegenteil: Einzelhändler fragen zu Recht, warum ihre Geschäfte womöglich noch für Wochen geschlossen bleiben, wenn die Menschen vor den Baumärkten Schlange stehen. Gaststätten, Zoos, Museen, Galerien, Theater - alle verweisen wieder auf ihre Hygienekonzepte, die freilich schon im Herbst nicht funktioniert haben.

Söder wird nichts anderes übrig bleiben, als seine Politik dauernd anzupassen. Wenn demnächst die Risikogruppen geimpft sind und womöglich die Zahl der Toten sinkt, wird die Diskussion über Privilegien für geimpfte und nachweislich Corona-negative Menschen erst richtig losgehen. Warum soll jemand nicht ins Kino oder Fitnessstudio gehen, wenn von ihm keine Gefahr ausgeht? Solche Fragen wird die Politik beantworten müssen. Das Zusperren war eine vergleichsweise einfache Übung, das Aufsperren ist der schwierigste Teil der Pandemiebekämpfung. Er hat gerade erst begonnen.

© SZ vom 24.02.2021/van
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