Steigende MitgliederzahlenBayerns Linke ist von sich selbst überrascht – „krass“

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Zulauf bei den Linken: 42 Prozent der Mitglieder sind weiblich, das Durchschnittsalter liegt nach Angaben des Landesverbands bei 34,3 Jahren.
Zulauf bei den Linken: 42 Prozent der Mitglieder sind weiblich, das Durchschnittsalter liegt nach Angaben des Landesverbands bei 34,3 Jahren.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Die Linke in Bayern hat die Marke von 10 000 Mitgliedern geknackt, fast eine Vervierfachung seit der letzten Landtagswahl 2023.
  • 42 Prozent der Mitglieder sind weiblich, das Durchschnittsalter liegt bei 34,3 Jahren und viele wollen direkt aktiv werden.
  • Mit dieser Mitgliederbasis will die Partei 2028 erstmals den Einzug in den bayerischen Landtag schaffen.
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Die Linke in Bayern knackt die Marke von 10 000 Mitgliedern. Fast viermal so viel wie bei der Landtagswahl 2023. Mit dieser Basis will die Partei 2028 erstmals den Einzug ins Parlament schaffen.

Von Johann Osel

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Wenn es um die Linke und das ländliche Bayern geht, dann kommen einem erst mal Klischees in den Sinn: dass da im Wahlkampf einer auf dem Bauernhof auftaucht mit den roten Broschüren, die Bäuerin erschrocken Weihwasser verspritzt und der Bauer drohend den Melkschemel in die Höhe streckt. Wer bayerische Linken-Politikern vor den Kommunalwahlen im März mit solchen Gedankenspielen aufzog, der erntete ein Schmunzeln: Das klinge schon arg nach Mottenkiste, hieß es da, erst mal abwarten bitte!

Tatsächlich waren dann die Wahlen zu Stadträten und Kreistagen ein Erfolg. Würzburg, München, Regensburg, Erlangen, in vielen Städten haben sich die Linken stark vergrößert, mitunter verdoppelt. Aber im ganzen Freistaat ist eine neue Präsenz entstanden: In einem Großteil der Kreistage ist die Partei jetzt vertreten. Und auch in manch kleineren Städten und Gemeinden sitzt seit Kurzem einer oder eine von den Linken mit am Tisch im kommunalen Gremium. Linken-Landeschef Martin Bauhof sagte nach der Wahl: „Wir sind auch in der Fläche Bayerns angekommen.“ Die nächsten Jahre wolle man weiter Berührungsängste abbauen. Im Blick: die Landtagswahl 2028.

Rückendeckung dafür sieht man bei der Linken nun durch eine Zahl: Die Partei in Bayern hat nach eigenen Angaben die Marke von 10 000 Mitgliedern geknackt. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Trends, zu dem sie in der Partei solche Worte finden: „krass“ oder „unglaublich“. Denn zum Jahresende 2023 lag die Zahl noch bei nur 2625; es ist also fast eine Vervierfachung seit dem letzten Landtagswahljahr.

Nach Daten der Partei, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen, findet die Linke bei zwei Gruppen vielfach neue Mitstreiter: Frauen und jüngeren Menschen. 42 Prozent der Mitglieder sind demnach weiblich. Das Durchschnittsalter liegt bei 34,3 Jahren. Etwa bei der SPD liegt der Wert um die 60 Jahre. In Parteikreisen hört man, dass auch die Abspaltung des Wagenknecht-Flügels die Partei attraktiver gerade für diese Gruppen gemacht habe.

Viele Neu-Mitglieder wollten nicht nur das Parteibuch haben, sondern gleich aktiv mitmachen

Die größten Linke-Kreisverbände sind zwar München (2056 Mitglieder), Nürnberg (966) und Augsburg (548). Doch das bedeutet auch, dass der Löwenanteil von außerhalb dieser drei Großstädte kommt, aus dem flächendeckenden Netz an Kreisverbänden.

„Ob Großstadt oder ländlicher Raum, wir haben wirklich überall neue Leute gewonnen“, sagt Landeschef Martin Bauhof. Das habe sich schon bei den Kommunalwahlen gezeigt. Landesgeschäftsführer Maximilian Steininger ergänzt: „Tausende Menschen haben sich in den letzten Monaten entschieden, bei uns mitzumachen, weil sie dem Rechtsruck und einer Politik, die soziale Ungleichheit verschärft, etwas entgegensetzen wollen.“ Besonders freue ihn, dass viele neue Mitglieder nicht nur ein Parteibuch haben wollen, sondern direkt aktiv werden. „Wo wir lange keine Strukturen hatten, gibt es nun Haustürgespräche oder die lokale Beteiligung an einer landesweiten Mietenkampagne.“

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Steininger berichtete auch: Als Mitgliedermarke, mit der man den Einzug in den Landtag zu schaffen glaube, habe intern immer 8000 gegolten. Jetzt gehe man davon aus, dass es 2028 klappt. Den Einzug ins Maximilianeum hat die Linke bislang stets verfehlt. 2018 kam sie auf 3,2 Prozent. 2023 hatte man mit der damaligen Landeschefin Adelheid Rupp, einer früheren SPD-Landtagsabgeordneten, die Kampagne recht frech zugespitzt und auf Kooperationen wie mit Klimaaktivisten gesetzt; doch auch das scheiterte, am Ende waren es nur 1,5 Prozent. Bei Bundestagswahlen kann die Linke traditionell in Bayern mehr Zustimmung finden, zuletzt waren es 5,7 Prozent.

Mit den 10 000 Mitgliedern in Bayern liegt die Linke aber deutlich hinter den meisten im Landtag vertretenen Parteien. Die CSU zählte zuletzt gut 130 000, die Bayern-SPD knapp 50 000 Mitglieder. Bei den Grünen im Freistaat sind es etwas mehr als 30 000, die AfD liegt etwas oberhalb der Marke 10 000. Die Freien Wähler verbuchten zuletzt etwa 4000 Mitglieder; neben der Freie-Wähler-Partei gibt es aber noch eine größere, als Verein organisierte Landesvereinigung.

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