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Hochschulen:"Der eklatante Lehrermangel beginnt im Studium"

Studenten

Lehramtsstudenten fühlen sich schlecht auf das Examen vorbereitet.

(Foto: dpa)

Die "Schwundquote" sei zu hoch, laut Bayerns Lehrerverband kommen 40 Prozent der Studenten nie in den Klassen an. Schuld sei auch das erste Staatsexamen.

Von Anna Günther

Ein modernes Erstes Staatsexamen mit einheitlicher Prüfungsvorbereitung, transparenter Bewertung und objektiven Korrekturen - das fordern Studentinnen und Studenten des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Die Bedingungen des Ersten Staatsexamens nannte Laura Teichmann, erste Vorsitzende der Studierenden im BLLV, am Montag "Motivationskiller" und plädierte für Prüfungen, die "fordern, aber nicht fertigmachen". Sie machte das Examen nach dem ersten Teil der Lehrerausbildung für den Lehrermangel in Bayern verantwortlich.

Bei einer Pressekonferenz kritisierten aktuelle und ehemalige Lehramtsstudenten, dass das Studium nur mit erheblichem Aufwand und akribischer Planung in der Regelstudienzeit zu schaffen sei. Daran ist unter anderem die Bafög-Förderung gekoppelt. Die Studentin Christin Gleiß etwa hatte ihr Studium zwar in der Regelzeit von sieben Semestern geschafft und gerade erst ihr Examen geschrieben. Aber Gleiß erzählte von 60-Stunden-Wochen in Semestern mit dem eineinhalbfachem Aufwand des empfohlenen Pensums. Sie zog Module vor, um sich vor dem Examen Luft zum Lernen zu verschaffen. Sie habe 29 Kurse in Englisch belegt, aber kaum einer habe sie aufs Examen vorbereitet, kritisierte Gleiß. Das Meiste habe sie sich selbst aneignen müssen. Zudem gebe es nicht an allen bayerischen Universitäten Vorbereitungskurse. Aber vor einer zentralen Staatsprüfung müssten gleichwertige Bedingungen herrschen, sagte Gleiß.

Andere angehende Pädagogen forderten moderne Prüfungskonzepte statt des sturen Auswendiglernens. Außerdem seien Lehramtsstudierende doppelt belastet, weil sie zusätzlich zu ihren zentralen Abschlussprüfungen auch während des Studiums Dutzende Prüfungsleistungen wie Referate oder Seminararbeiten ablegen müssen. Dies unterscheidet sie aber kaum von Juristen oder Medizinern, die auch während des Studiums zahlreiche Prüfungen schreiben und zusätzlich geballt staatliche Examensprüfungen ablegen müssen.

Petition zum "Stexit"

Laut Berechnungen des BLLV gibt es eine "Schwundquote" von 40 Prozent der eingeschriebenen Studenten, die nie an den Schulen ankommen. "Diese Zahl beweist doch, dass der eklatante Lehrermangel schon im Studium beginnt. Das können und wollen wir nicht länger akzeptieren", sagte Teichmann. Die Petition zum "Stexit" wurde laut BLLV bereits mehr als 5000 Mal unterzeichnet. Insgesamt sind in Bayern etwa 35 000 Lehramtsstudenten eingeschrieben.

Diese "Schwundquote" zweifelte das Kultusministerium an. Die "zugrunde gelegte Relation der Personen", die ein Studium beginnen und dieses in der Regelstudienzeit mit identischen Fächern in der identischen Schulart beenden, greife zu kurz, heißt es. Fächerwechsel oder Unterbrechungen etwa durch Krankheit würden nicht als solche berücksichtigt und führten so zu höheren Abbrecherzahlen. Eine "belastbare Abbrecherquote" sei nur über eine "Studienverlaufstatistik" abzulesen, sagte ein Sprecher. Diese Daten werden erst seit 2017 vom Wissenschaftsministerium erhoben, es gibt noch keine finalen Erkenntnisse. Bundesweite Statistiken kämen auf Abbrecherquoten unter 20 Prozent. Eine Änderung am Konzept der zentralen Prüfungen sei nicht geplant, "zentral gestellte Examensprüfungen sichern Qualität und Vergleichbarkeit".

© SZ vom 20.04.2021/vewo, van
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