Klimakrise in BayernLechwasser soll die Trockenheit in Franken lindern

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Waldbrunn im Landkreis Würzburg im Sommer 2022.
Waldbrunn im Landkreis Würzburg im Sommer 2022. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
  • Die Klimakrise verschärft die Wasserknappheit vor allem in Nordbayern, wo es bereits so trocken ist wie im Bergland von Jordanien oder Israel.
  • Bayern will das Wasserdefizit von sechs bis acht Millionen Kubikmetern jährlich durch Ausbau der Fernwasserversorgung vom Lech-Mündungsgebiet lösen.
  • Die Staatsregierung hat ihre Pläne aufgegeben, den Bodensee anzuzapfen, da dies bis zu 700 Millionen Euro teurer wäre.
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Die Klimakrise verschärft die Wasserknappheit in Nordbayern immer weiter. Noch vor ein paar Jahren hat die Staatsregierung deshalb sogar überlegt, den Bodensee anzuzapfen. Die Idee ist jetzt Vergangenheit. Stattdessen rückt Nordschwaben in den Fokus.

Von Christian Sebald

Wenn Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) über den Wasserhaushalt in Nordbayern spricht, greift er gerne zu einem dramatischen Vergleich. „Wir haben heute schon Gegenden in Franken, in denen es so trocken ist wie im Bergland von Jordanien oder Israel“, sagt er dann. Während die Niederschläge in Oberbayern und im Allgäu aufs Jahr gesehen 1500 Liter, bisweilen sogar 2000 Liter pro Quadratmeter betragen, ist es in Franken und der Oberpfalz vielerorts nicht einmal die Hälfte. Die 5,2 Millionen Nordbayern haben die Dürreperioden der vergangenen Jahre deshalb sehr zu spüren bekommen. Alle Experten sind sich einig, dass sich die Wasserknappheit in Nordbayern im Zuge der fortschreitenden Klimakrise massiv zuspitzen wird.

Gleichwohl verspricht Glauber: „Die Weichen für die Zukunft einer sicheren öffentlichen Wasserversorgung in ganz Bayern sind gestellt.“ So hat er es wieder betont, als jetzt die Staatsregierung über die Zukunft der Wasserversorgung beraten hat. In den Überlegungen, wie der Freistaat der immer schärferen Wasserarmut in Nordbayern begegnen wird, spielt ausgerechnet das Mündungsgebiet des Lechs in die Donau die zentrale Rolle.

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Der Grund: Im Mündungsgebiet des Lechs, genau gesagt im Raum Oberndorf im nordschwäbischen Landkreis Donau-Ries, aus dem schon heute die Stadt Nürnberg und weite Teile Mittelfrankens zig Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr beziehen, schlummern enorme Wasserreserven im Boden. Eine Studie im Auftrag des Umweltministeriums aus dem Jahr 2023 beziffert sie auf 25,5 Millionen Kubikmeter im Jahr.

Die Reserven übersteigen die drohende Wasserarmut in Nordbayern um ein Vielfaches. Die gleiche Studie kommt zwar zu dem Ergebnis, dass man bis Mitte des Jahrhunderts mit einem Wasserdefizit in Franken, der Oberpfalz und in Niederbayern von knapp 23 Millionen Kubikmetern im Jahr rechnen muss. Aber demgegenüber stehen in den fünf nordbayerischen Regierungsbezirken bisher nicht erschlossene Reserven mit einem Gesamtvolumen von 15 bis 17 Millionen Kubikmetern im Jahr.

Unterm Strich dürfte sich das Wasserdefizit in Nordbayern zur Jahrhundertmitte also auf sechs bis acht Millionen Kubikmeter im Jahr belaufen. Zum Vergleich: Der Durchschnittsbayer verbraucht 136 Liter Wasser am Tag. Das entspricht fast 50 Kubikmetern im Jahr. Das erwartbare Defizit entspräche damit dem Jahresbedarf von 120 000 bis 160 000 Bayern. Aber vor allem sind die Reserven im Lech-Mündungsgebiet ungefähr drei Mal so groß wie das erwartbare Defizit.

Es gibt noch einen zweiten Punkt, der sehr für den Ausbau der Wasserversorgung Nordbayerns von Nordschwaben aus spricht. Dort sind die Brunnen, die das Grundwasser fördern, und vor allem die Leitungen bereits vorhanden, die es nach Franken transportieren. Sie müssten halt erweitert und auf modernen Stand gebracht werden. Vor zwei Jahren wurden die Kosten für die Aufrüstung auf 2,4 bis 3,9 Milliarden Euro geschätzt.

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Wenig verwunderlich also, dass die Staatsregierung ihre vormaligen Pläne jetzt aufgegeben hat, den Bodensee für den Kampf gegen die Trockenheit in Nordbayern zu nutzen.  Denn das hatten sie ebenfalls 2023 in Glaubers Ministerium überlegt. Dazu wäre allerdings ein gigantisches Netzwerk aus zum Teil komplett neuen Leitungen notwendig geworden. Experten hatten die Idee deshalb früh für abenteuerlich gehalten.

Zu teuer und zu wenig effizient, heißt es jetzt auch aus Glaubers Haus. Schon die Studie von 2023 war davon ausgegangen, dass die Bodensee-Variante mit 2,9 bis 4,6 Milliarden Euro Kosten bis zu 700 Millionen Euro teurer werden könnte als ein Ausbau der Fernwasserversorgung für Nordbayern vom Mündungsgebiet des Lechs aus.

Anstelle des Bodensees rückt dafür jetzt in gewisser Weise die Talsperre Nýrsko. Sie liegt wenige Kilometer östlich der Grenze zwischen Bayern und Tschechien und drei Kilometer südlich der gleichnamigen tschechischen Stadt. Sie dient als Trinkwasserspeicher für die Stadt Plzeň und die Regionen Klatovy und Domažlice. Die Staatsregierung will nun prüfen, ob auch Städte und Gemeinden auf Oberpfälzer und niederbayerischer Seite Trinkwasser aus Nýrsko beziehen könnten.

Das ist eine neue Idee, bisher war davon nicht die Rede. Aber das Wasserdefizit, das die Studie von 2023 bis zur Jahrhundertmitte in der nahen Oberpfalz prognostiziert, ist nicht minder dramatisch als das in Franken. Die Prüfung, ob eine solche Kooperation möglich ist und was sie kosten würde, steht freilich erst am Anfang.

Aus der Trinwassertalsperre Mauthaus, die auch Ködeltalsperre genannt wird, kann die Fernwasserversorgung Oberfranken bis zu 16 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr beziehen.
Aus der Trinwassertalsperre Mauthaus, die auch Ködeltalsperre genannt wird, kann die Fernwasserversorgung Oberfranken bis zu 16 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr beziehen. (Foto: Daniel Vogl/dpa)

Auch in der Studie von 2023 wurde bereits eine Aufrüstung der Wasserversorgung in Ostbayern untersucht. Damals zog man freilich vor allem den Bau einer dritten Talsperre dort in Betracht – zusätzlich zu den vorhandenen Talsperren Frauenau (Landkreis Regen) und Mauthaus (Landkreis Kronach). Die eine ist 1984 in Betrieb gegangen und kann bis zu 15 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr vor allem in den Bayerischen Wald liefern. Die andere stammt von 1975, aus ihr kann die Fernwasserversorgung Oberfranken jedes Jahr bis zu 16 Millionen Kubikmeter Trinkwasser beziehen.

Die zusätzliche dritte Talsperre würde laut Studie wohl ähnlich dimensioniert werden wie die Bauwerke in Frauenau und Mauthaus. Mit bis zu 5,1 Milliarden Euro Kosten wäre sie freilich die teuerste Option, heißt es dort. Auch deshalb sehen heute einige Experten eine weitere Talsperre in Ostbayern eher skeptisch. Im Bayerischen Rundfunk sagte jetzt Professor Jörg Drewes, der den Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft an der TU München leitet, der Bau einer Talsperre koste zu viel Zeit und Geld.

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