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Hotelprojekt im Allgäu:"Selbst unsere Touristen lehnen das Projekt ab"

Morgenstimmung im Voralpenland

Lechbruck im Allgäu ist stolz auf seine malerische Landschaft.

(Foto: dpa)

In Lechbruck wächst der Protest gegen Pläne für ein großes Wellness-Hotel. Bürgermeister und Gemeinderat halten daran fest. Doch es ist nicht der erste derartige Streit im Ostallgäu.

Von Florian Fuchs, Lechbruck am See

140 Zimmer, drei Restaurants, eine Sky-Bar und natürlich ein Wellnessbereich. Was klingt wie der Traum eines jeden Investors, direkt am Lech, oberhalb des Forggensees, ist in der kleinen Gemeinde Lechbruck am See im Ostallgäu nun zum Politikum geworden. Eine Bürgerinitiative hat sich gebildet, die in dem 2800-Einwohner-Ort bereits auf knapp 500 Unterstützer zählen kann.

Die Initiative will den Bau des Hotels verhindern, weil es nach Ansicht der Mitglieder die dörfliche Struktur der Gemeinde zerstören würde. Am Wochenende haben die Initiatoren begonnen, Unterschriften für ein Bürgerbegehren zu sammeln. Unter den Einheimischen zweifelt kaum mehr jemand, dass es zu einem Bürgerentscheid kommen wird.

"Wir wären nur noch Statisten im eigenen Dorf", sagt Manuela Wagner, die gemeinsam mit Valerie Pfanzelt und ihren Ehemännern die Bürgerinitiative ins Leben gerufen hat. Sie haben zahlreiche Argumente gegen das Hotelprojekt, das ihrer Ansicht nach überdimensioniert ist für den kleinen Ort: Die Verkehrssituation, sagen sie, wäre nicht mehr tragbar. Die Einheimischen hätten keinen Mehrwert von dem Projekt, da die Touristen nicht beim Metzger einkaufen und ins Restaurant gehen, sondern nur im Vier-Sterne-Resort versorgt würden. "Wir haben mit vielen Leuten geredet, auch mit Gästen, die seit vielen Jahren in den Ort kommen", sagt Pfanzelt. "Aber selbst unsere Touristen lehnen das Projekt ab."

Es ist nicht der erste Streit im Ostallgäu über ein Hotelprojekt. Etwas weiter südlich hat ein Investor vergangenes Jahr seine Pläne aufgegeben, das Festspielhaus direkt am Forggensee mit einem Luxushotel zu ergänzen: Zu stark war der Protest der Einheimischen, zu groß war die Sorge vor einem noch größeren Ansturm an Touristenmassen. Wie damals preisen auch nun Bürgermeister und die potenzielle Betreiberfamilie die Vorteile des Projekts. So hebt Bürgermeister Werner Moll vor allem auf die Einnahmen ab, die der Gemeinde zukommen würden. Er rechnet, sagte er kürzlich auf einer Informationsveranstaltung, mit "einer schlappen Million" jährlich. Auch der neue Gemeinderat stehe nach den Wahlen im Frühjahr fast komplett hinter dem Projekt.

Die Betreiber versuchten auf der Veranstaltung, die Befürchtungen der Bürgerinitiative zu zerstreuen. Die Familie führt bereits einige Hotels in Schwaben und im Allgäu. In ihrer Einrichtung in Marktoberdorf hätten sie die Erfahrung gemacht, dass die Hotelgäste die Infrastruktur im Ort durchaus nutzten und somit den Einheimischen einen Mehrwert brächten.

"Unser Bürgermeister hat vor allem die Finanzbrille auf"

Sie wollten keine Klientel ansprechen, die "mit dem Porsche 911" durch den Ort fahren, sondern den Mittelstand und Familien. Auch seien sie keine Heuschrecken, sondern sicherlich die nächsten 20 Jahre selbst am Ort, um das Hotel zu betreiben. Es sei "einfach ein Traumgrundstück" direkt am Lech.

Das finden die Wagners und die Pfanzelts auch, weshalb sie umso vehementer gegen das Projekt argumentieren. "Unser Bürgermeister hat vor allem die Finanzbrille auf", klagt Wagner. Die Initiatoren bezweifeln, ob alle Rechnungen der Gemeinde wirklich aufgehen: So rechnet der Bürgermeister mit knapp 180 000 Euro Kurtaxe pro Jahr. Das aber kann nur gelingen, wenn das Hotel 100 Prozent Auslastung hätte. "Und das ist unrealistisch", sagt Wagner. "Wir prüfen deshalb jetzt weitere Rechnungen zu den Einnahmen."

Die Initiatoren würden sich wünschen, dass die Gemeinde ein Einheimischenmodell ausweist oder zumindest eine Mischform mit Häusern und angeschlossenen Pensionen oder ein kleineres Hotel. Auf dem Baugelände stehen ein marodes Hallenbad und eine alte Tennishalle. Es ist, das hat der Bürgermeister bereits klar gestellt, als "Sondernutzungsform Tourismus" ausgewiesen. Einfach Bauland für Einheimische ausweisen kann man dort nicht. Als Ausrede wollen die Kritiker das aber nicht gelten lassen: "Den Hotelbetreiben geht es vor allem um das angeschlossene Grundstück direkt am Lech", sagt Manuela Wagner. Das aber ist bislang als Grünland ausgewiesen.

© SZ vom 03.11.2020/lfr
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