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Zwischenbilanz:Rettender Juni-Regen

Bayerns Bauern erwarten eine durchschnittliche Ernte

Von Stefan Salger, Maisach

Die Niederschläge im Juni dürften den bayerischen Landwirten das Jahr gerettet haben. Es werde nach dem trockenen Frühjahr wohl doch noch eine zumindest "durchschnittliche Ernte" werden, sagte Hermann Greif, der Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV) am Mittwoch bei der Erntepressefahrt im Landkreis Fürstenfeldbruck. Gleichwohl gibt es Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) zufolge auch in diesem Jahr wieder ein Süd-Nord-Gefälle: "Die Frostnächte Mitte Mai haben vor allem in Franken zu bedeutenden Schäden bei der Wintergerste geführt." Nach den zwei bereits trockenen Vorjahren seien bei vielen rinderhaltenden Betrieben in Nordbayern die Futtervorräte knapp geworden.

Besser sieht es aus bei Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Roggen und Leguminosen. Das bestätigten die beiden Landwirte, deren Höfe besucht wurden. Beide sind so etwas wie Paradebeispiele für erfolgreiche Strategien, um am Markt bestehen zu können: Martin Staffler bewirtschaftet seinen Familienbetrieb ökologisch im Nebenerwerb. Und Thomas Dinkel hat sich in seinem konventionellen Betrieb auf den Anbau vor allem von Hartweizen spezialisiert, der gemahlen, zu Nudeln verarbeitet und im eigenen Hofladen angeboten wird. Dafür gab es viel Lob von Bauernpräsident Walter Heidl. Kaniber versicherte, sowohl konventionelle als auch ökologische Landwirtschaft nach Kräften zu unterstützen.

Die große Herausforderung bleibt aber der Klimawandel. Kaniber: "Unsere Bauern werden sich auch in Zukunft auf Starkregen vor allem im Süden und Trockenheit besonders im Norden Bayerns einstellen müssen." Die gesamte Getreidefläche ist in Bayern mit gut einer Million Hektar leicht gestiegen. Winterweizen als wichtigste Brotgetreideart wurde auf 438 000 Hektar angebaut. Bei den Sojabohnen ist die Fläche um 3000 auf 18 600 Hektar gewachsen. Ministerin Kaniber wertet das als Beleg für den Erfolg der bayerischen "Eiweißinitiative", die Bauern unabhängiger machen soll von Soja-Importen. Der Rückgang bei der Braugerste um 6600 auf 95 000 Hektar dürfte eine Reaktion auf den Preisverfall sein.

© SZ vom 16.07.2020

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