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Studie:Wer mehr Bio will, muss die Strukturen dafür schaffen

Direktvermarkter-Serie

Schon jetzt gibt es in Bayern 10 000 Biobauern, jeder zehnte Bauer arbeitet ökologisch.

(Foto: Hartmut Pöstges)
  • Viele Bauern, die zur Umstellung auf Bio-Landwirtschaft bereit sind, brauchen verlässliche Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen.
  • Nur mit so kann das Ziel von 30 Prozent Biolandbau bis 2030 erreicht werden.
  • Das stellt die Studie des Marktforschungsunternehmens Ecozept fest, die im Auftrag der Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag erstellt wurde.

Das im neuen Naturschutzgesetz festgeschriebene Ziel von 30 Prozent Biolandbau bis 2030 ist nach einer Studie im Auftrag der Landtags-Grünen nur mit besseren Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen zu erreichen. Wenn keine gezielten Maßnahmen ergriffen würden, käme man voraussichtlich nur bei etwa 15 Prozent an, sagte Burkhard Schaer vom Marktforschungsunternehmen Ecozept in München.

Ecozept hat mit dem auf Biolandbau spezialisierten Forschungsinstitut FIBL Projekte eine Machbarkeitsstudie erstellt. "Das wird kein Spaziergang, das ist keine Sache, die von selber läuft." Viele Bauern seien zur Umstellung bereit, sie bräuchten verlässliche Strukturen. Daher müssten auch Abnehmer unterstützt werden, etwa Kantinen oder Schulen.

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Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann und die agrarpolitische Sprecherin Gisela Sengl zeigten sich dennoch zuversichtlich. In Baden-Württemberg würden 14 Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet, im Saarland seien es 16 Prozent und in Österreich 23,9 Prozent, sagte Hartmann. "Das zeigt deutlich, dass das Ziel realistisch gesetzt worden ist." Sengl verlangte, bio und regional zusammenzudenken. Nötig sei die Erhebung von Zahlen zum Biomarkt in Bayern. Am Agrarministerium müsse ein Referat Ökolandbau und an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ein Öko-Institut geschaffen werden.

Auch die Landesvereinigung für ökologischen Landbau (LVÖ) nannte das 30-Prozent-Ziel erreichbar, wenngleich "entschiedenes Handeln" notwendig sei. Die LVÖ ist die Dachorganisation der Öko-Verbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter, sie vertritt die große Mehrheit der Biobauern. "Der Freistaat verfügt über gut ausgebaute Strukturen im Anbau, in der Verarbeitung und im Handel mit Bio-Lebensmitteln", sagte LVÖ-Chef Hubert Heigl. "Durch klug abgestimmte Maßnahmen können wir auch dort, wo das Potenzial noch nicht ausgeschöpft wird, Fortschritte machen und das gesetzte Ziel erreichen."

In Bayern gibt es gut 10 000 Biobauern, jeder zehnte Bauer arbeitet ökologisch. 350 000 Hektar oder elf Prozent der Agrarfläche werden ökologisch bewirtschaftet. Damit ist das Ziel des früheren Agrarministers Helmut Brunner (CSU), den Anteil des Bio-Landbaus in Bayern bis 2020 zu verdoppeln beinahe erreicht. Aus diesem Anlass besucht Brunners Nachfolgerin Michaela Kaniber an diesem Mittwoch den Hof von Monika und Thomas Schrobenhauser in Surberg im Kreis Traunstein. Die beiden haben ihren Milchviehbetrieb erst kürzlich auf Bio umgestellt.

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