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Bayerischer Landtag:Streit um Homöopathie-Studie

Mit fünf Anträgen will die CSU-Landtagsfraktion in dieser Woche Maßnahmen anstoßen, durch die Todesfälle durch multiresistente Keime verhindert werden sollen. Dazu gehöre es, im Alltag den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren, auch in der Landwirtschaft. Fahrlässig eingesetzte Antibiotika werden von Forschern mit als Grund dafür genannt, dass Krankheitserreger resistent werden. Am Donnerstag stehen die CSU-Anträge im Plenum auf der Tagesordnung, doch einer von ihnen führt bereits jetzt zu Diskussionen. Darin wird die Staatsregierung aufgefordert, per Studie untersuchen zu lassen, wie der Antibiotika-Einsatz reduziert werden kann - und ob dabei womöglich auch homöopathische Präparate eine "positive Rolle" spielen.

Im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen, so die CSU-Abgeordneten, hätten Studien aufzeigen können, "dass durch den Einsatz klassischer Homöopathie sowohl ein Einsatz von Antibiotika vermieden als auch eine Verbesserung der individuellen Infektabwehr erreicht werden konnte". Auch an schwer septischen Patienten - also Patienten, bei denen das körpereigene Abwehrsystem bereits die Organe und das Gewebe schädigte - habe eine Studie Hinweise darauf gebracht, dass eine homöopathische Behandlung "eine nützliche Behandlungsmethode" darstellen könne.

Ruth Waldmann, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, macht diese Argumentation etwas ratlos: "Da bleibt einem der Mund offen stehen", sagte sie am Dienstag. "Wenn an Homöopathie wirklich nachweislich etwas wirkt, dann ist es der Anteil der sprechenden Medizin, der ganzheitliche Blick auf die Patienten", sagte sie. Das tue vielen Menschen gut. "Und da bin ich auch dafür, das den Leuten zu lassen", betonte Waldmann. "Aber bei schwerer Sepsis auch nur daran zu denken, diese Kügelchen womöglich anstelle von Antibiotika zu verabreichen", das könne sie nicht mehr nachvollziehen. In diesem Sinne hätten sie bereits viele Zuschriften erreicht. "Da ist richtig Feuer drin", sagte Waldmann. Bernhard Seidenath (CSU), der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, versteht die Aufregung nicht: "Es geht hier ja nicht um eine Homöopathiestudie, sondern um eine Studie zu einem reduzierten Antibiotika-Einsatz." Es gelte, "wissenschaftlich alles auszuloten", was Antibiotika-Resistenzen vermeiden helfe.

© SZ vom 06.11.2019

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