Nach Fund von Giftstoffen im GrundwasserLandtag lehnt Stopp für Gasbohrungen in Reichling ab

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Probebohrung in Reichling nahe dem Ammersee – wird hier künftig Gas gefördert?
Probebohrung in Reichling nahe dem Ammersee – wird hier künftig Gas gefördert? Peter Kneffel/dpa
  • Der bayerische Landtag lehnt mit Stimmen von CSU, Freien Wählern und AfD einen generellen Stopp für Gasbohrungen ab.
  • Am Bohrplatz in Reichling wurden Giftstoffe im Grundwasser gefunden und das Grundwasser fließt zehnmal schneller als angenommen.
  • Das bisherige Trinkwasser-Notfallkonzept ist damit hinfällig, da Schadstoffe die nächste Trinkwasserquelle bereits nach 72 Tagen statt zwei Jahren erreichen würden.
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CSU, Freie Wähler und AfD wollen weiter nach Gas bohren. Neue Erkenntnisse zu Giftstoffen und Grundwasser am Bohrplatz nahe dem Ammersee lassen aber auch Behörden aufhorchen.

Von Florian Fuchs

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Ein generelles Verbot, Gasvorkommen in Bayern auszubeuten, wird es vorerst nicht geben. Der Landtag hat am Donnerstag mit Stimmen von CSU, Freien Wählern und AfD den in einer Petition von Bund Naturschutz, Greenpeace und Fridays for Future geforderten Bohr-Stopp abgelehnt. Knapp 60 000 Menschen hatten auch dafür unterschrieben, alle neuen Anträge zur Erdgasförderung abzulehnen.

Dabei gibt es nach Ansicht der Umweltschützer neue Argumente, die seit Langem umstrittenen Gasbohrungen in Reichling nahe dem Ammersee zu stoppen: Messungen in Böden und Grundwasser hatten nach Angaben des Wasserwirtschaftsamtes einen signifikanten Anstieg verschiedener Giftstoffe ergeben. Vor allem fließt das Grundwasser deutlich schneller als bisher angenommen – was das gesamte Trinkwasser-Notfallkonzept für die Bohrungen in der Region infrage stellt.

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Die Deutsche Presse-Agentur hatte kürzlich von Kritik des Wasserwirtschaftsamts Weilheim berichtet, was die Probebohrung bei Reichling anbelangt. Zink, Barium und BTEX, das als krebserzeugend eingestuft wird, sollen bei Messungen dort die Geringfügigkeitsschwelle teils deutlich überschritten haben. Zudem seien Messergebnisse ungenügend übermittelt worden. Das Bergamt-Süd hat inzwischen mitgeteilt, dass fehlende Unterlagen nachgereicht worden seien, es gebe keinen Grund zur Beanstandung. „Die Messergebnisse lagen und liegen ausnahmslos weit unter jedem relevanten Grenzwert.“ Vermutlich stammen die Eintragungen nicht von der aktuellen Bohrung, sondern von früheren Förderungen – in dem Gebiet war vor 40 Jahren bereits Erdöl gefördert worden.

Gravierender sind jedoch neue Erkenntnisse, wonach das Grundwasser zehnmal schneller fließt als bislang angenommen. Im Trinkwasser-Notfallkonzept für den Fall, dass die Bohrungen Grundwasser verunreinigen, war das federführende Unternehmen davon ausgegangen, dass kontaminiertes Grundwasser die nächste Trinkwasserquelle frühestens in zwei Jahren erreichen würde – genug Zeit, um Probleme in den Griff zu bekommen. Gemäß den neuen Erkenntnissen würden Schadstoffe die Quelle aber bereits nach 72 Tagen erreichen. Solch ein Notfallkonzept ist Voraussetzung für eine Bohrgenehmigung.

Es war ein großer Fehler, überhaupt eine Genehmigung zu erteilen.
Saskia Reinbeck, Klimaschutzexpertin von Greenpeace Bayern

„Für uns zeigt sich, dass dem Unternehmen das Wohl der Menschen vor Ort nicht so wichtig ist, wie immer betont wird, sondern dass es rein um die wirtschaftlichen Interessen geht, die Gasvorkommen auszubeuten“, kritisiert Saskia Reinbeck, Klimaschutzexpertin von Greenpeace Bayern. Auflagen würden nicht ernst genommen. Dass Bohrungen unbedenklich seien, erweise sich als falsch. „Das Unternehmen ist unzuverlässig, es war ein großer Fehler, überhaupt eine Genehmigung zu erteilen. Aus unserer Sicht muss die Konzessionsverlängerung zurückgenommen werden.“

Die Ergebnisse der Probebohrung aus dem vergangenen Jahr werden derzeit ausgewertet. Für die Ausbeutung eventueller Gasvorkommen müsste das federführende Unternehmen neue Genehmigungen einholen, ebenfalls für die Exploration eines benachbarten, noch größeren Feldes. Zumindest dafür ziehen die Naturschützer Hoffnung aus der Ausschusssitzung im Landtag: Man wolle die Behörden beim Wort nehmen, sagt Saskia Reinbeck, bei künftigen Genehmigungen genauer hinzuschauen. „Da gibt es nach den jetzigen Erkenntnissen ja dann eine Handhabe.“

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