In Landshut sind sie offenbar mächtig stolz auf ihren prominenten Gast. Auf der städtischen Homepage haben sie ihm gleich den Premiumplatz ganz oben reserviert. Das bildschirmbreite Titelbild zeigt im Hintergrund, etwas unterhalb gelegen, die Innenstadt mit dem markanten Turm der Martinskirche. Und im Vordergrund, auf einer Mauer, steht er also, der Ehrengast, um den sich in Landshut derzeit so vieles dreht. In großen weißen Lettern ist zu lesen: „Der Pumuckl ist in der Regierungshauptstadt!“
Klingt ein wenig nach Staatsbesuch, ist in Wirklichkeit aber nur ein Hinweis auf die große Pumuckl-Ausstellung, die noch bis September 2026 in den Landshuter Museen zu sehen ist. Beim Pumuckl dort oben auf der Mauer der Burg Trausnitz handelt es sich genau gesagt um eine etwa 30 Zentimeter große Betonstatue der beliebten Kinderbuch- und Filmfigur. Und noch genauer gesagt, stand sie dort in der vergangenen Woche plötzlich nicht mehr. Der Kobold, der sonst so gerne Sachen versteckt, war plötzlich selbst verschwunden. Oder wegversteckt, wie er wohl sagen würden.
Zehn dieser Statuen des Streetart-Künstlers Bonnie Ton hat man, als Werbung für die Ausstellung, im Stadtgebiet verteilt. Und auf einmal waren es nur noch neun. Wenn man nicht daran glauben mag, dass der Pumuckl – wie er es eben macht, wenn er nicht mit dem Eder alleine ist – einfach unsichtbar geworden ist, könnte man auch auf die Idee kommen, dass irgendein Gauner die Kobold-Statue mitgenommen hat. Abwegig ist es nicht, denn wie der Pumuckl selbst so schön sagt: „Böse Leut‘ und brave Leut‘, gab‘s früher schon und gibt‘s noch heut.“
Wer es beruflich mit einem Bazi wie dem Pumuckl zu tun hat, der selbst gerne für den einen oder anderen Schabernack zu haben ist und sich mit seinen Sprüchen, Gedichten und Koboldgesetzen durchs Leben schlawinert, den bringt all das allerdings nicht aus der Ruhe. Wie der Leiter der Landshuter Museen dem BR verriet, habe man so etwas einkalkuliert und werde die Statue auf der Burgmauer einfach ersetzen. Anzeige wolle man nicht erstatten.
Wenn man bedenkt, wie und wo der Pumuckl im Laufe seiner Kobold-Karriere schon überall sein Unwesen getrieben hat, ohne dass ihn dafür jemals irgendwer strafrechtlich zur Verantwortung gezogen hat, ist diese nonchalante Haltung durchaus nachzuvollziehen. Leben und leben lassen. Liberalitas Bavariae. Und ganz sicher auch ein: altes Koboldgesetz.

