Süddeutsche Zeitung

Landshut:Patienten zu häufig ans Bett fixiert?

Gegen die Landshuter Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) wird der Vorwurf erhoben, Patienten zu oft ans Bett fixiert zu haben. Der früherer Chefarzt der Psychiatrie verteidigt die Maßnahme in einem offenen Brief.

In der Auseinandersetzung darüber, ob in der Landshuter Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) die jungen Patienten womöglich nach Standards behandelt wurden, die sowohl fachlich als auch juristisch fragwürdig sind, nimmt der Ton an Schärfe zu. Gegen die Einrichtung war unter anderem der Vorwurf laut geworden, dort würden Kinder und Jugendliche in Krisensituation häufiger als notwendig an ihre Betten fixiert. Auch ein sogenannter Stufenplan, der nach Einschätzung von Experten "freiheitsentziehende Maßnahmen" beinhaltete, die seit dem 1. Oktober 2017 nicht mehr legal seien, sorgt nun für einen heftigen Schlagabtausch zwischen dem früheren Landshuter KJP-Chefarzt Matthias von Aster und den Fachkollegen, die diese Praktiken kritisiert haben.

In einem offenen Brief verteidigte Aster die Landshuter Vorgehensweisen - so auch den umstrittenen Stufenplan, der unter seiner Ägide eingeführt worden war. Die Maßnahmen hätten dazu gedient, die jungen Patienten "bei schwersten akuten Krankheitszuständen und Defiziten der strukturellen Persönlichkeitsentwicklung" von selbst- und fremdgefährdenden Verhaltensexzessen abzuhalten, betonte Aster.

Bezüglich der Fixierungs-Problematik schrieb der frühere KJP-Chef, der mittlerweile im Ruhestand ist: "In Landshut haben wir uns vor allem auch zum Schutz der weit überwiegend weiblichen Mitarbeiterschaft dazu entschieden, dieses allseits am wenigsten traumatisierungsträchtige professionelle Verfahren anzuwenden." Die Kritiker der Landshuter Linie weisen Asters Argumentation zurück. Sie tauge "nicht zur Begründung" der in der KJP Landshut erfolgten Fixierungen.

Auch beim Bezirkstag von Niederbayern bahnt sich Ärger an. ÖDP-Bezirksrat Urban Mangold schrieb an den Bezirkstagspräsidenten Olaf Heinrich (CSU): "Die Aufarbeitung umstrittener Vorkommnisse darf nicht in Geheimrunden geschehen." Die Klärung der Vorwürfe gegen die KJP müsse künftig im Plenum des Bezirkstags stattfinden.

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SZ vom 13.09.2019/tah
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