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Innere Sicherheit:So wenige Straftaten wie zuletzt vor 40 Jahren

Vorstellung bayerische Kriminalstatistik 2019

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2019.

(Foto: dpa)

Weniger Einbrüche, höhere Aufklärungsquote: Innenminister Herrmann kann zufrieden sein mit der aktuellen Kriminalstatistik. Die Fallzahlen der Internetkriminalität sind indes gestiegen.

Von Anika Blatz

Trotz stetig steigender Bevölkerungszahlen ist die Kriminalität in Bayern im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Zahl der versuchten und vollendeten Straftaten nahm 2019 um 4,4 Prozent auf 567 961 Fälle ab, nicht eingerechnet sind Verstöße gegen das Asyl- und Aufenthaltsrecht. Damit gibt es in Bayern - umgerechnet auf die Einwohnerzahl - so wenige Straftaten wie seit 40 Jahren nicht mehr. Und die Ermittlungserfolge stiegen im Vergleich zu 2018 um ein halbes Prozent: 65 Prozent aller Fälle konnten aufgeklärt werden. "Das ist ein phänomenales Ergebnis, auf das wir und die bayerische Polizei stolz sein können", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2019 am Montag.

Rückgänge sind sowohl bei leichteren Straftaten wie Diebstählen, Wohnungseinbrüchen und Sachbeschädigungen als auch bei schweren Gewaltdelikten, etwa Mord, Totschlag und Körperverletzung, zu verzeichnen. Hingegen hat sich die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung um 4,9 Prozent auf 9050 Delikte im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Dieser Anstieg ist insbesondere auf die Verbreitung pornografischer Schriften im Internet, dazu gehören auch Ton- und Bildträger, und über andere digitale Medien wie Whatsapp zurückzuführen. Durch das unkontrollierte Teilen der Beiträge in virtuellen Gruppen würden schnell hohe Fallzahlen generiert. "Wir nehmen die Entwicklung sehr ernst", sagte Herrmann.

Vor allem junge Menschen seien gefährdet, weshalb die Präventionsarbeit an Schulen verstärkt werden soll. "Sie müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden." Seit Ende 2019 läuft an rund 500 niederbayerischen Schulen die Aktion "Dein Smartphone - Deine Entscheidung". Nun soll eine entsprechende bayernweite Präventionskampagne Schüler über die Folgen ihres Handelns aufklären.

Bei der Internetkriminalität - dazu zählen das Hacken von Computerpasswörtern oder Phishing-Mails - stiegen die Straftaten im Vergleich zu 2018 um 12,4 Prozent auf 29 717 Delikte. Darüber hinaus müsse von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, da viele Straftaten im Cyberraum nicht zur Anzeige gebracht würden, stellte Herrmann klar. Auch hierbei setze man auf Prävention, unter anderem in Form der erst kürzlich neu geschaffenen Informations- und Kooperationsplattform "Cyberabwehr Bayern". Bei den Vermögensdelikten beschäftigte die Polizei weiterhin die Betrugsmasche vermeintlicher Amtspersonen, die überwiegend telefonisch meist ältere Menschen drängen, Geld oder Wertgegenstände auszuhändigen. Hierbei setze man vor allem auf die internationale Zusammenarbeit, da die Anrufe vorwiegend aus der Türkei und Polen erfolgten.

Leicht zurückgegangen sei hingegen der Anteil an tatverdächtigen Zuwanderern. Auch ein Rückgang polizeilicher Einsätze in Asylunterkünften sei zu verzeichnen. Durch verstärkte Polizeipräsenz im Umfeld von Gemeinschaftsunterkünften habe die Sicherheit dort verbessert werden können. "Das zeigt, dass wir mehr Ordnung in dem ganzen Flüchtlingsgeschehen haben", sagte Herrmann.

Der Freistaat nimmt im bundesweiten Vergleich seit vielen Jahren einen Spitzenplatz bei der inneren Sicherheit ein. Damit das so bleibe, sei eine gute Personalausstattung essenziell. Die Polizei solle daher bis 2023 mit weiteren 3500 Stellen verstärkt werden, sagte Herrmann.

© SZ vom 10.03.2020
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