Die Kriminalitätsrate in Bayern ist auf den Stand der Siebzigerjahre gesunken. „Mit Ausnahme des Corona-Jahres 2021 hatten wir im vergangenen Jahr 2025 die seit 1978 beste Sicherheitslage“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik. Die bayerische Polizei registrierte demnach 4094 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Das ist ein Rückgang um 4,8 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024.
Ausländerrechtliche Delikte wie illegale Einreise sind in dieser Wertung ausgeklammert. Von insgesamt 254 759 Tatverdächtigen hatten 41 Prozent keinen deutschen Pass. Die größte Untergruppe waren rumänische Staatsangehörige. Dahinter folgen auf den ersten fünf Plätzen Personen aus der Ukraine, der Türkei, aus Syrien und Polen.
Herrmann sprach von einer „großartigen Bilanz, die alle Behauptungen einer dauernden Zunahme von Kriminalität widerlegt“. Die Zahl der Tötungsdelikte ist um 30 zurückgegangen: 2025 wurden in Bayern 167 Menschen getötet – ein Jahr zuvor waren es 197. Die Aufklärungsquote stieg leicht an, auf nun 66 Prozent.
Im Bereich der Gewaltkriminalität gab es einen Rückgang um 4,5 Prozent auf 21 667 Fälle. Davon waren knapp 79 Prozent gefährliche und schwere Körperverletzungen. „Gewaltkriminalität findet überwiegend im öffentlichen Raum statt. Unser Fokus liegt daher besonders auf Bahnhöfen und Innenstädten. Um Brennpunkte gar nicht erst entstehen zu lassen, setzen wir auf ein umfassendes Maßnahmenpaket“, erklärte Herrmann. Beispiel ist zum Beispiel die Ausweitung von Fußstreifen und vermehrt auch Videoüberwachung.
Bei der Rauschgiftkriminalität sank die Zahl der Fälle sogar um mehr als 27 Prozent auf 22 631. Dies sei wesentlich auf die zum 1. April 2024 in Kraft getretenen gesetzlichen Änderungen im Umgang mit Cannabis zurückzuführen, so Herrmann. Das neue Gesetz bedeute für die Polizei jedoch zusätzliche Kontrollaufgaben. Einen Anstieg von 9,4 Prozent gab es beim Fahren unter Drogeneinfluss. Mehr als die Hälfte dieser Fahrer hatte Cannabis konsumiert.
Die Einbruchzahlen stiegen um 5,6 Prozent auf 3806 registrierte Fälle. „Knapp die Hälfte der Taten blieb hierbei im Versuch stecken“, hob der Minister hervor. Schutz wie ordentliche Türschlösser oder feste Fensterriegel lohnten sich also. Mehr als die Hälfte der 835 festgenommenen Wohnungseinbrecher waren den Angaben zufolge nicht deutsche Tatverdächtige, vorwiegend aus Mittel- und Osteuropa. Herrmann sagte: „Wir haben es hier zum Teil mit professionellen, internationalen Einbrecherbanden zu tun.“
„Spitze in der Arbeit, aber nicht Spitze bei der Bezahlung“
Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen um 2,4 Prozent auf 17 956 aktenkundig gewordene Fälle. Besitz und Beschaffung von Kinderpornografie sind hierbei hauptursächlich für den Anstieg. „Hier wird in der Tat mehr angezeigt, hier wird aber in der Tat auch, insbesondere vom Landeskriminalamt, einfach mehr ermittelt.“ In den vergangenen Jahren hatten vor allem Hinweise einer US-Organisation an deutsche Behörden viele Ermittlungen ausgelöst. Mit 1527 Fällen ist zudem ein leichter Anstieg der Vergewaltigungen zu verzeichnen „und 80 Prozent der Opfer hatten eine Vorbeziehung zum Tatverdächtigen“, so Herrmann.
„Spitze in der Arbeit, aber nicht Spitze bei der Bezahlung“, teilte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in Bayern mit. So werde die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten nicht ausreichend gewürdigt, Spitzenergebnisse für die innere Sicherheit haben auch „eine entsprechend zeitnahe bessere Bezahlung“ verdient. Die Gewerkschaft spielt damit darauf an, dass die Staatsregierung den jüngsten Tarifabschluss der Länder erst mit Verzögerung auf die Beamten in Bayern übertragen will. Hintergrund ist das Bemühen um einen ausgeglichenen Haushalt. „Der Innenminister betont zu Recht, dass die Sicherheitsstrategie greift“, teilte DPolG-Vize Thorsten Grimm mit. „Aber sie greift vor allem deshalb, weil jeden Tag Tausende Polizeibeschäftigte einen herausragenden Job machen.“

