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Medizin:Belastungsprobe für Kliniken

Krankenhausgesellschaft befürwortet strikten Lockdown

Von Dietrich Mittler

Ein "möglichst harter, strikter Lockdown" ist aus Sicht der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) der bestmögliche Weg, die Zahl der Covid-19-Patienten deutlich zu reduzieren und so die Kliniken zu entlasten. "Der Lockdown light war ein erster Schritt hin zur richtigen Lösung, auf den aber weitere folgen müssen", sagte BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein am Mittwoch. Hasenbein, der kommende Woche in Ruhestand geht, sieht mit Blick auf die hohe Zahl der Infizierten ohnehin eine weitere harte Belastungsprobe auf die Mitarbeitenden in Bayerns Krankenhäusern zukommen. "Wenn sich die Krise weiter zuspitzt, wird der Mangel an Fachkräften, explizit der Mangel an spezialisierten Pflegekräften, zur Achillesferse des Gesundheitswesens", sagte er. Noch sei die Zahl der Häuser, die hart am Limit arbeiteten, überschaubar. Dazu zählt etwa das Uniklinikum Augsburg, das Patienten bereits an andere Häuser abgeben muss.

Auch wenn nun alle Hoffnung auf den bald zur Verfügung stehenden Corona-Impfstoffen liege, stehe die Krankenhausgesellschaft bezüglich Lockdown voll hinter der Entscheidung der Politik, betonte unterdessen Roland Engehausen, der zukünftige BKG-Geschäftsführer. Einig sind sich Hasenbein und Engehausen auch darin, dass sich Fehler der ersten Corona-Welle jetzt "inmitten der zweiten Welle" nicht wiederholen dürften. Alle planbaren OP-Termine zu verschieben - so wie im Frühjahr geschehen -, habe sich als falsch erwiesen. "Dadurch dass Bürger mit Schlaganfall-Symptomen oder auch mit Herzproblemen nicht in die Krankenhäuser gegangen sind, ist ernsthafter Schaden entstanden", sagte Hasenbein.

Engehausen muss als Hasenbeins Nachfolger auch die Zeit nach der Corona-Pandemie im Auge haben. Da gelte es etwa, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben. Auch gehöre die Finanzierung der Häuser auf neue Beine gestellt, etwa durch eine Übernahme gewisser Vorhaltekosten. Selbst wenn augenblicklich die Kommunen die Defizite ihrer Häuser ausglichen, so warnte er, müsse man doch bedenken, dass durch Corona "auch den kommunalen Trägern weniger Geld zur Verfügung stehen wird".

© SZ vom 26.11.2020/van
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