Bayerns Metall- und Elektroindustrie in der Krise„Die Lage ist dramatisch“

Lesezeit: 1 Min.

Ein Mitarbeiter geht an einer Abfüllanlage in der Produktion eines Maschinenbauunternehmens vorbei. Die Metall- und Elektroindustrie in Bayern befindet sich weiter auf Talfahrt.
Ein Mitarbeiter geht an einer Abfüllanlage in der Produktion eines Maschinenbauunternehmens vorbei. Die Metall- und Elektroindustrie in Bayern befindet sich weiter auf Talfahrt.
Foto: Armin Weigel/dpa

Im ersten Quartal sanken sowohl die Beschäftigung als auch die Produktion.  Arbeitgeber fordern von der Bundesregierung Reformen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

SZ bei Google bevorzugen

Die bayerische Metall- und Elektroindustrie ist auf Talfahrt. Im ersten Quartal sanken sowohl die Beschäftigung als auch die Produktion in der wichtigen Branche, wie die Arbeitgeberverbände Bayme VBM mitteilen. 845 000 Beschäftigte waren rund 3000 weniger als im Vorquartal und 17 000 weniger als vor einem Jahr.

Vergleicht man mit dem Januar 2024, dem letzten Zwischenhoch, sind inzwischen sogar fast 30 000 Stellen verloren gegangen.
Und die Aussichten sind nicht gut: „Wir erwarten, dass sich der Abbau von Arbeitsplätzen in den kommenden Monaten fortsetzt“, sagt Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Die Kurzarbeit sinkt ebenfalls. Das mag auf den ersten Blick überraschend sein, die Ursache ist jedoch alarmierend: Da die Krise so lange anhält, bleibt vielen Betrieben nur noch die Möglichkeit, Beschäftigung abzubauen, statt sie mithilfe des Kurzarbeitergelds zu halten.“

SZ Bayern auf Whatsapp
:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnieren

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Die Produktion sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um vier Prozent und damit noch stärker als die Beschäftigung. Unter anderem gab es laut Bayme VBM deutliche Einbußen von rund acht Prozent bei den beiden größten Wirtschaftszweigen, der Kfz-Industrie und dem Maschinenbau. Im sonstigen Fahrzeugbau ging es allerdings mit zehn Prozent deutlich nach oben. Er profitiere „von einer konstant hohen Nachfrage nach zivilen Luftfahrzeugen sowie steigenden Ausgaben für Rüstungsgüter“, heißt es.

„Die Lage ist dramatisch“, sagt Brossardt. „Einen Lichtblick bilden zumindest die Neuaufträge, die seit einiger Zeit vorsichtig aufwärts gerichtet sind.“ Allerdings sei das Auftragsvolumen weiter auf niedrigem Niveau, sodass die Betriebe weiter mit Überkapazitäten zu kämpfen hätten. Nachdem sich die wirtschaftliche Lage und Stimmung in der Metall- und Elektroindustrie in der zweiten Jahreshälfte 2025 vorsichtig stabilisiert habe, sorge der Iran-Krieg nun für eine erneute wirtschaftliche Zäsur, fasst Brossardt zusammen. „Geopolitische Krisen haben die bayerische M+E Industrie weiter fest im Griff, denn zwei Drittel ihrer Umsätze macht sie auf Auslandsmärkten.“

Zudem kämpften die Unternehmen damit, dass die Standortbedingungen im Inland nicht mehr wettbewerbsfähig seien, klagt Brossardt. „Bis zum Sommer muss die Bundesregierung den Reform-Turbo zünden, um den Dauerstillstand der vergangenen Jahre zu beenden. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“

© SZ/DPA - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Batteriehersteller Varta in Nördlingen
:Erst kamen die Staatsmillionen, jetzt der Stellenabbau

Die Knopfzellen-Produktion von Varta in Nördlingen steht vor dem Aus, weil Großkunde Apple Batterien künftig wohl aus Asien bezieht. Bis zu 350 Jobs sind in Gefahr. Die IG Metall kündigt Widerstand an.

Von Christian Kern und Patrick Wehner

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: