Kommunalwahl in BayernBürgermeister und Landräte: 2026 stehen viele Wechsel an

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Wer macht das Rennen? Das dürfte in vielen Städten und Gemeinden in Bayern bei der Kommunalwahl 2026 spannend werden, da viele Amtsinhaber und Amtsinhaberinnen aufhören.
Wer macht das Rennen? Das dürfte in vielen Städten und Gemeinden in Bayern bei der Kommunalwahl 2026 spannend werden, da viele Amtsinhaber und Amtsinhaberinnen aufhören. (Foto: Renate Schmidt)

Allein ein Drittel der Landrätinnen und Landräte hört auf. Welche Parteien müssen jetzt besonders bangen? Und wie stehen die Chancen der AfD, erstmals einen Oberbürgermeister oder Landrat in Bayern zu stellen? Ein Überblick.

Von Andreas Glas

Mit dem neuen Jahr beginnt in Bayern auch der Kommunalwahlkampf. Gut 1900 der insgesamt 2056 Städte und Gemeinden wählen am 8. März 2026 ihre Bürgermeister und Bürgermeisterinnen neu. Die Stichwahlen finden zwei Wochen später statt, am 22. März. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen auch diesmal die kreisfreien Städte – und die Landkreise, in denen ebenfalls gewählt wird. Wo stehen Wechsel an? Welche Parteien müssen besonders bangen? Und wie stehen die Chancen der AfD, erstmals einen Oberbürgermeister oder Landrat in Bayern zu stellen? Ein Überblick.

Der große Wechsel

In 62 von 71 bayerischen Landkreisen werden die Landrätinnen und Landräte neu gewählt. Rund zwei Drittel von ihnen wollen weitermachen, rund ein Drittel hört auf. Ein großer Wechsel also. In den 25 kreisfreien Städten dürfte der Wechsel indes kleiner ausfallen. In 22 Städten stehen Neuwahlen an, doch nur fünf Oberbürgermeister und eine Oberbürgermeisterin treten nicht mehr an. Während sich kleinere Kommunen teils schwertun, Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, scheinen die Spitzenämter in den bayerischen Großstädten immer noch attraktiv zu sein.

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Die Ü67-Fraktion

Dass der Wechsel nicht größer ausfällt, hat auch mit Markus Söder (CSU) zu tun. Vor knapp zwei Jahren hat der Ministerpräsident die Altersgrenze für berufsmäßige Bürgermeister und Landräte gekippt, die bei den vorherigen Kommunalwahlen noch bei 67 Jahren lag. Fünf Amtsinhaber, die nach der alten Regel hätten aufhören müssen, weil sie am Tag des Amtsantritts zu alt gewesen wären, kandidieren nun doch noch einmal. Der prominenteste ist Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter, 67. Der älteste Landrat, der wieder antritt, ist mit 71 Jahren Martin Neumeyer (CSU) im Kreis Kelheim. Eine Amtsperiode dauert im Kommunalen sechs Jahre, länger als auf Bundes- und Landesebene. Wenn 2032 wieder gewählt wird, wäre Neumeyer also 77.

Abschied der Urgesteine

Die längste Ära geht im Kreis Kulmbach in Oberfranken zu Ende. Dort hört Klaus Peter Söllner (Freie Wähler) auf, nach drei Jahrzehnten als Chef im Landratsamt. Der Altöttinger Landrat Erwin Schneider (CSU) geht nach 26 Jahren in den Ruhestand. Die CSU-Landräte Thomas Bold (Bad Kissingen) und Stefan Rößle (Donau-Ries) machen nach 24 Jahren Schluss, Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) immerhin nach 23 Jahren. Die dienstältesten Oberbürgermeister, die nun aufhören, haben ein SPD-Parteibuch: Andreas Starke (Bamberg) und Jürgen Dupper (Passau). Sie waren 20 beziehungsweise 18 Jahre in ihren Ämtern.

Parteien unter Druck

Für die SPD könnte die Kommunalwahl dann auch besonders frustrierend ausfallen. Ohne Amtsbonus ist es ja wesentlich schwieriger, eine Personenwahl zu gewinnen, und insgesamt verliert die SPD immer mehr Zuspruch. Neben Starke und Dupper macht auch Gertrud Maltz-Schwarzfischer Schluss, die SPD-Oberbürgermeisterin in Regensburg. Die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein gilt als klare Favoritin für ihre Nachfolge. In Bamberg hat SPD-Kandidat Sebastian Niedermaier ebenfalls prominente CSU-Konkurrenz. Dort kandidiert die frühere Umwelt- und Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Bei den Grünen steht derweil bereits fest, dass sie ihren aktuell einzigen Landrat verlieren: Nach zwei Amtsperioden tritt Jens Marco Scherf in Miltenberg nicht noch einmal an. Auch die Freien Wähler müssen in vier Landkreisen bangen, weil der Amtsbonus verloren geht: Neben dem Kulmbacher Landrat Söllner treten Josef Niedermaier (Bad Tölz-Wolfratshausen), Peter Dreier (Landshut) und Indra Baier-Müller (Oberallgäu) nicht noch einmal an.

Blaue Welle?

In Gemeinderäten, Stadträten und Kreistagen darf die AfD damit rechnen, ihre Mandate zu vervielfachen. In landesweiten Umfragen lag die AfD zuletzt konstant bei 19 Prozent, im Kommunalwahlkampf 2020 bewegte sie sich noch bei um die zehn Prozent. Ihre Chancen, erstmals einen Oberbürgermeister oder Landrat in Bayern zu stellen, stehen dagegen weniger gut. Schließlich braucht es dafür absolute Mehrheiten – und im Falle einer Stichwahl dürften die übrigen Parteien gemeinsam gegen einen Rechtsaußen-Kandidaten mobilisieren.

Außerdem gibt es eine zusätzliche Hürde für die AfD: In den meisten ihrer Hochburgen in Ostbayern treten die aktuellen Landräte wieder an, was erfahrungsgemäß ein großer Wettbewerbsvorteil ist. Um ihre Chancen trotzdem auszureizen, setzt die AfD auf ihre bekanntesten Gesichter und schickt mehrere Bundes- und Landtagsabgeordnete ins Rennen um die bayerischen Rathäuser und Landratsämter. Unter anderem tritt Landesparteichef Stephan Protschka als Landratskandidat im Kreis Dingolfing-Landau an.

Einmal und nicht wieder

Neben den Urgesteinen gibt es auch drei Landräte, die nach einer Amtsperiode bereits wieder abtreten. Dazu gehört Olaf von Löwis (CSU), Landrat in Miesbach. Er ist bereits 71 Jahre alt und betonte, dass sein Rückzug nicht damit zu tun habe, „dass die bisherigen Herausforderungen in meiner Amtszeit größer waren, als ich selbst es vermutet hätte“. Wegen einer geplanten Asylunterkunft in Warngau sah sich Löwis heftigen Bedrohungen ausgesetzt. Nach nur sechs Jahren ist auch für CSU-Landrat Bernhard Kern (Berchtesgadener Land) schon wieder Schluss. Er möchte zwar Kommunalpolitiker bleiben, allerdings anderswo und eine Nummer kleiner. Kern kandidiert in der schwäbischen Gemeinde Halblech als Bürgermeister.

Die Top-Themen

Neben den spezifisch lokalen Themen, die überall unterschiedlich sind, dürfte vielerorts die geplante Krankenhausreform den Wahlkampf prägen. Von der Reform werden wohl vor allem kleinere Kliniken betroffen sein, was nicht wenigen Menschen Sorgen bereitet. Auch die Themen Sicherheit und Migration strahlen in den Kommunalwahlkampf aus, obwohl die Migration vor allem auf Bundesebene geregelt wird. Nicht zuletzt die Stadtbild-Debatte hat gezeigt, wie aufgeladen diese Themen gerade in den größeren Städten sind. Neben der AfD ziehen auch andere Parteien mit dem Versprechen in den Wahlkampf, an Kriminalitäts-Hotspots härter durchzugreifen.

Wahlfreie Zonen

In neun Landkreisen dürfte es im Kommunalwahlkampf vergleichsweise ruhig bleiben: Dillingen an der Donau, Fürth, Kronach, Lichtenfels, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Neu-Ulm, Regen, Roth und Traunstein. Überall dort wurden die Landrätinnen und Landräte in den vergangenen sechs Jahren außerhalb der Reihe gewählt, aus jeweils unterschiedlichen Gründen. Dasselbe gilt für drei kreisfreie Städte: Ingolstadt, Memmingen und Würzburg, wo Martin Heilig im Frühjahr 2025 zum ersten grünen Oberbürgermeister in der Geschichte des Freistaats gewählt wurde.

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