Mitten in Bayern  Rauhnächte verkommen zum Fasching

Die Sehnsucht der Menschen nach Dämonen scheint nie größer gewesen zu sein als zurzeit.

(Foto: dpa)

Früher haben sich die Menschen zwischen den Jahren am liebsten verkrochen, aus Angst vor Geistern und Dämonen. Heute nimmt in den Rauhnächten das Feiern überhand.

Kolumne von Hans Kratzer

Die ersten Winterstürme, die gerade übers Land fegen, wecken Erinnerungen an Zeiten, in denen man die Natur noch voller Geister und Dämonen wähnte. Deshalb verkrochen sich die Menschen an den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönig am liebsten hinterm Ofen. Wie mächtig ihre Ängste waren, kann man sehr gut in einem Wald auf der Rieglinger Höhe bei Regensburg erleben, vor allem wenn dort die Dunkelheit hereinbricht.

Der Künstler Korbinian Huber hat zwischen einer Reihe von Bäumen eine sogenannte wilde Jagd installiert, so hießen früher die Dämonen, die in den Rauhnächten angeblich übers Land schwirrten. Huber hat die grausigen Gestalten mit Metallteilen konstruiert, weshalb die wilde Jagd tatsächlich unheimliche Geräusche von sich gibt. Wie eine klappernde Treibjagd scheint sie unter den Baumkronen in rasender Eile dahinzuflattern, während die rostigen Flügel wie wild quietschen und klappern. Ein Gänsehaut ist garantiert, und eine tiefe Ahnung von der einstigen Drangsal durch die Mächte des Bösen.

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Obwohl dieser Horror längst überwunden ist, erleben die Rauhnächte eine Renaissance. Die Sehnsucht der Menschen nach Dämonen scheint nie größer gewesen zu sein als zurzeit. Statt sich hinterm Ofen zu verkriechen, haben Tausende Besucher soeben die Rauhnachtstreffen in Sankt Englmar und in Rinchnach besucht und im Angesicht von extrem greislichen Schreckgestalten in die Kameras des Lokalfernsehens geschwärmt: "Super, Wahnsinn, eine Fetzengaudi ...!"

Die Rauhnacht ist zum Spektakel mutiert, zur Partyzone mit Krachmusik von DJ Ötzi und Status Quo. Mit Brauchtum hat das nichts zu tun. Heimatpfleger wie Hans Wrba fragen sich durchaus, warum die Zahl der Rauhnachtspartys sprunghaft steigt und Teufelsfratzen und Hexen langsam das Christkind als dominierende Figur der Weihnachtstage bedrängen.

Dabei haben Rauhnachtsfiguren wie etwa die Perchten im Bayerischen Wald keine Tradition. Event und Bespaßung lösen die Grenzen auf, und schon tummeln sich im Rauhnachtstreiben auch die Figuren des Faschings. Die Rauhnächte dienen nunmehr als Staffage für Gauditum und fetzige Partys. Die Besucher sind begeistert, vor allem diesen Anspruch hat das Brauchtum heute zu erfüllen.

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